Beiträge von Bremerin

    Nachtrag: Langohrziegen in der Karawanserei:

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    In Yazd sind wir zu den Schweigetürmen gefahren. Das sind Begräbnisstätten der Zoroastrier. Da ihrer Vorstellung nach Erde, Wasser, Feuer und Luft rein sind, die Toten aber unrein, dürfen sie nicht mit diesen Elementen in Kontakt kommen. Also haben sie ihre Toten in solchen Türmen, die außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe liegen, beigesetzt.

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    Der Tote wurde von den Angehörigen gebracht, die sich in eigens zu diesem Zweck gebauten Hütten von ihm nochmals verabschiedeten.

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    Dann wurde er zwei Totenwächtern übergeben. Sie brachten ihn dann oben auf den Berg und legten den Leichnam offen hin, so dass Geier oder anderes Getier ihn fressen konnten. Die danach übrig gebliebenen Knochen wurden in ein Loch in der Mitte des Turms geworfen. Dieses Beisetzungsritual ist seit 50 Jahren im Iran verboten. Seitdem werden die Toten in mit Beton ausgekleideten Erdgräbern beigesetzt.

    Von dem Turm des Schweigens aus hat man einen wunderschönen Blick über die Wüstenstadt Yazd und die Berge. Besonders schön ist der Blick kurz vor der Sonnenuntergang.

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    27.10. Fahrt von Kerman nach Yazd

    Der zweite Tag, an dem wir längere Zeit im Bus sitzen, um die 360 Autobahnkilometer auf einer alten Handelsroute zu absolvieren. Wieder haben wir über diverse Themen gesprochen, und ich möchte ein paar Sätze zum Thema Religion schreiben.
    Es gibt im Iran vier staatlich geschützte Religionen: der Islam (89 % der Bevölkerung sind Schiiten und 9 % Sunniten), der Zoroastrismus (0,02 %), der jüdische Glaube (0,02 %) sowie das Christentum (0,2 %; vorwiegend assyrische und armenische Christen). Für die drei religiösen Minderheiten sind im Parlament 5 Sitze reserviert. Der Zoroastrismus war die erste monotheistische Religion überhaupt; sein Gründer war wohl Zarathustra, und er war die Staatsrelegion im sassanidischen Reich. Ich werde im weiteren Verlauf des Yazd-Besuchs darauf zurückkommen, da wir einige zoroastrische Stätten besichtigt haben.

    Wir fahren durch Steinwüste.

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    Schon seit Jahrtausenden gibt es hier Kanalsysteme, die ca. 70 km lang sind und der Bewässerung dienen. Wo Wasser ankommt, werden Pistazien angebaut, die recht anspruchslos sind. Iran gilt als der größte Pistazienproduzent der Welt. Bewässert werden die Büsche, indem das ganze Land ringsherum unter Wasser gesetzt, was eine enorme Verschwendung des knappen Guts bedeutet. Deshalb wird den Bauern seit einigen Jahren Unterstützung zum Umstellen auf Tröpfchenbewässerung gewährt. Unterwegs können wir beides sehen (aber leider nicht fotografieren).

    Wir halten in einer kleinen Ortschaft, um Brot für das Mittagspicknick zu kaufen. Dort spricht uns ein Künstler an und lädt uns in seine Galerie ein, wo er wirklich schöne Fotos ausstellt. Hier ein paar Beispiele:

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    60 km vor Yazd biegen wir zur Zeynoddin Karawanserei ab. Sie liegt mitten in der Wüste und ist zwischenzeitlich restauriert und zu einem einfachen Hotel umgebaut worden.

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    Nach der Besichtigung und einem Tee haben wir noch zwei Stocktänze von Mitarbeitern (Belutschen) angeschaut. Neben uns saß eine Reisegruppe aus Kanada, die auch ganz fasziniert war.


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    @Zwergnase
    Ich denke mal, Du bist nicht die einzige, der es so geht. Und ich hatte anfangs auch viele Bedenken. Und heute würde ich meinen, dass etliche Kritikpunkte aus meiner - deutschen - Sicht auch geblieben sind. Gleichzeitig bin ich aber durch die Reise zu der Überzeugung gelangt, dass vieles, was hier über den Iran gesagt und geschrieben wird, dieses Land zu Unrecht in die Ecke des Bösen stellt, wo es nicht hin gehört. Ich verfolge auch die Berichterstattung über die derzeitigen Proteste im Iran mit ganz viel Sorge und Aufmerksamkeit, und auch hier zeigt sich, wie innerlich zerrissen dieses Land ist. Ich hoffe sehr, dass die Aufbruchstimmung, die wir erlebt haben, erhalten bleiben kann.
    VG Verena

    Fortsetzung 26.10. Kerman

    Zum Abschied vom Prinzengarten - und weil's so schön ist - noch ein Foto:

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    Zurück in Kerman sind wir zunächst zum Basar gefahren und an den Ständen entlang geschlendert.

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    Einige Gewürze und sonstige Leckereien wanderten dabei in unsere Taschen.

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    Die schönen Kupferwaren haben wir allerdings nur bewundert.

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    Kopfbedeckungen für die modische Frau gab es natürlich auch in Hülle und Fülle

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    In dem Basar gibt es auch zwei prächtig geschmückte Badehäuser, die bis Mitte des letzten Jahrhunderts in Betrieb waren. Als dann immer mehr Menschen eigene Badezimmer zu Hause hatten und nicht mehr hingingen, wurden sie unrentabel und geschlossen. Eines dieser Badehäuser ist inzwischen zu einem sehr populären Restaurant umgebaut worden, wo wir dann unser Mittagessen einnahmen (Teehaus und Restaurant Hamam-e-Vakil).

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    Wie immer hat unser Führer unsere Wünsche gesammelt und dann eine Vorspeise, meist Fladenbrot und Salat und Joghurt mit Minze und Gurke, sowie als Hauptgerichte Gemüse und Fleisch , immer begleitet von duftendem (Safran-)Reis, bestellt. Das Gemüse (Auberginen, Tomaten, Spinat, Bohnen) war teilweise püriert und immer sehr schmackhaft. Es gab auch sauer eingelegtes (kaltes) Gemüse, das war für meinen Geschmack allerdings sehr sauer. Andere mochten es gerne essen (ich bin keine Essigliebhaberin). Fast immer gab es diverse frische Kräuter, die man nach Belieben selbst an die Speisen tun konnte.
    Eine typische Begebenheit: als eine Teilnehmerin unserer Gruppe neugierig bei unseren iranischen Tischnachbarn, die traditionell auf dem Boden saßen, eine Speise anschaute, stand der Mann gleich auf und schenkte sie uns. Wir haben uns herzlich bedankt und das ungewohnte Essen, das sehr schmackhaft war (eine Fleischbrühe und separat püriertes Fleisch) probiert.
    Nach dem anschließenden Tee mit Gebäck gingen wir dann zu dem anderen Badehaus, welches inzwischen ein Museum ist.

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    Zunächst betritt man einen 'Kaltbereich', wo man sich auszieht. Es folgt der 'Warmbereich' mit Liegeflächen in den Nischen sowie der Möglichkeit eine Massage oder sonstige Behandlung zu bekommen. Alles ist wunderschön dekoriert mit Fliesen, und es hat bestimmt Spaß gemacht, sich hier länger aufzuhalten.

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    Um das Zeitgefühl nicht ganz zu verlieren, gibt es in zwei entgegengesetzten Räumen einen durchscheinenden Alabasterstein, an dem man ungefähr erkennen kann, wo die Sonne steht und damit, wie spät es ist.

    Am Ende des Basars ist eine alte Karawanserei, in der heute KunsthandwerkerInnen ihre Werkstätten und Läden haben.

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    Abends sind wir dann noch mal durch das Viertel in der Nähe unseres Hotels geschlendert. Zum Abschluss wollten wir gerne noch eine Kleinigkeit essen, und der sehr nette Kellner empfahl uns den hausgemachten Kuchen. Also bestellten wir eine Portion und einen Cappuccino

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    Es sind diese Begegnungen und kleinen Missverständnisse, die mir auf Reisen in mir bis dato unbekannte Kulturen lange und lebhaft in Erinnerung bleiben und diese Art des Reisens so wertvoll machen.

    War schon die Sufi-Grabanlage genügend Grund nach Mahan zu fahren, so war der Besuch des Prinzengarten noch das Tüpfelchen auf dem i. Etwas außerhalb der Stadt gelegen fuhren wir zunächst einige km über eine rel. neu gebaute Straße, an der immer wieder Bäume und Zypressen angepflanzt waren und auch einige Kunstwerke wie ein altes Flugzeug, ein überdimensioniertes Fahrrad, Buntstifte oder eine Kamelkarawane aufgestellt waren. Am Garten angekommen, gingen wir zunächst durch ein Eingangstor

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    und dann eröffnete sich ein Blick, der mich sprachlos macht: von einer deutlich höheren gelegenen ehemaligen königlichen Pavillonanlage (die derzeit saniert wird) ergoss sich ein breites Wasserband kaskadenförmig nach unten und endete dort in einem eckigen Teich. Entlang des Wasserfalls blühten Rosen und andere Pflanzen, und rechts und links der Treppe spendeten hohe Bäume Schatten. Dieses Palais war der Sommerpalast der qajarischen Königsfamilie und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und mehrfach erweitert. Mitten in der Wüste solch eine grüne Oase, das ist einfach unglaublich schön. Und nur möglich, weil von den hohen Bergen in der Nähe genügend Wasser (durch ein unterirdisches Kanalsystem) fließt.

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    Im Garten gibt es ein Restaurant und schöne überdachte Sitzplätze, die bei den Besuchern zum Ausruhen und Picknick machen sehr beliebt sind. Wir sind einige Zeit durch den Garten gelustwandelt und dann nach Kerman zurückgefahren.

    Nach so viel Wüste und Text will ich noch einen kleinen farbenfrohen Teil mit vielen Bildern anschließen.

    26.10. Kerman und Ausflug nach Mahan

    Gleich nach dem Frühstück ging es los ins ca. 30 km entfernt liegende Mahan, eine Kleinstadt, die auf 2000 m Höhe liegt, umgeben von bis zu 4000 m hohen Bergen. Unser Ziel ist eine sehr schöne Sufi-Grabanlage von 1437, die später erweitert wurde. Die türkisfarbene Hauptkuppel und die beiden Minarette sind schon von weitem zu sehen.

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    Die Anlage hat sieben Türen, die den Weg zum Himmel symbolisieren. Nach der ersten kommt man in einen schönen Innenhof mit alten Bäumen und einem Wasserbecken.

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    Danach geht es dann in das Innere, und dort fällt gleich der Blick auf den Sarkophag des Sufi-Meisters.


    In diesem Raum sitzt in einer Ecke ein älterer Mann auf dem Boden, der mit kräftiger Stimme mystische Gedichte oder Gebete sang. Der Gesang war etwas monoton; ich fand ihn wunderschön, und er lud dazu ein zu verweilen und ganz leicht in Trance zu gehen.
    Die Wände und Decken in den nächsten Räumen sind kunstvoll dekoriert:


    Der Innenhof auf der anderen Seite gibt den Blick auf die Minarette frei

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    und bietet viele liebevolle Details für's Auge

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    Weiter ging unsere Fahrt durch die Geröllwüste, die jetzt zeitweise deutlich rot gefärbt war.

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    Die Autobahnen sind in gutem Zustand, und nur selten tauchten eher exotisch wirkende Fahrzeuge auf.

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    Nachmittags gab es dann eine durchaus kontroverse und gleichzeitig differenzierte Diskussion zum Thema Beziehungen zwischen Mann und Frau und zu der Frage, wie Frauen im Iran durch das islamische Recht benachteiligt sind und welche Wege sie für sich gefunden haben für sich zu sorgen.
    Nachteile für Frauen: Frauen dürfen nur einen Mann haben, Männer aber vier Frauen, sie erben nur die Hälfte, wenn der Mann stirbt, das Sorgerecht ist im Falle der Trennung immer beim Mann. Frauen brauchen die Erlaubnis des Mannes, wenn sie verreisen wollen. Scheidung ist nur in ganz wenigen Fällen möglich (z. B. wenn der Mann süchtig ist oder wenn er länger als 6 Monate von zu Hause weg ist). Um sich zu schützen, haben die Frauen die Möglichkeit im Ehevertrag ein Brautgeld auszuhandeln, das der Ehemann im Fall der Trennung zahlen muss. Es wird in Goldmünzen festgelegt. Falls der Mann das Geld im Fall der Trennung nicht zahlt, kann er im Knast landen. Der Vater ist auch immer für seine Kinder bis zum 18. Lj. unterhaltspflichtig. Und der Bräutigam muss die Hochzeit ausrichten. Das Brautgeld, das nur im Fall einer Trennung gezahlt werden muss, ist inzwischen sehr hoch, es kann bis zu 400.000 € betragen. Da die Ehe im Iran von einem Notar geschlossen wird, können im Ehevertrag schon abweichende Bedingungen festgelegt werden. In der Regel handeln die Eltern von Braut und Bräutigam die Bedingungen aus. Auch im Fall der Trennung gibt es Verhandlungsmöglichkeiten: da die meisten Männer das hohe Brautgeld nicht zahlen können, haben die Frauen dann die Möglichkeit zu verhandeln: so können sie z.B. auf einen Teil verzichten, wenn sie die Kinder bekommen. Oder um zu erreichen, dass der Mann der Scheidung zustimmt.
    Und nun ist die Frage, wer es hier im Iran besser hat: Mann oder Frau? Da waren glaube ich die Männer und Frauen im Bus unterschiedlicher Meinung.

    Kurz vor Sonnenuntergang dann noch ein kurzer Stopp an einem ganz besonderen Park: hier ist der Zutritt nur Frauen, Mädchen und Jungen nur bis zum 7. Lj. erlaubt.

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    Nach knapp 12 Stunden Fahrt kamen wir in Kerman im Tourist Hotel an. Nach dem Abendessen in einem nahe gelegenen Hotel sind wir hundemüde ins Bett gefallen und bald eingeschlafen.

    25.10. Fahrt von Shiraz nach Kerman

    Heute steht die längste Busstrecke unserer gesamten Reise an: 575 km fahren wir durch überwiegend trockene, staubige Steinwüste. Es ist eine Hochebene (1500 m), und die Berge um uns herum sind 3000 m und mehr hoch. Bäume gibt es nicht, nur vereinzelt Sträucher, darunter Granatapfelbäume und Pistazien. Jetzt Ende Oktober ist alles abgeerntet und vertrocknet. Die Luft ist hier wie fast überall staubig. In den Bergen gibt es Steinbrüche, und einmal sind wir an einem riesigen Salzsee vorbei gefahren.

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    Nach so viel Üppigkeit der letzten Tage ist es gar nicht so schlecht, dass das Auge sich mal ein wenig erholen kann.
    Unser Führer nutzt die Zeit, um unsere Fragen zu Land und Leuten zu beantworten. Und ich will mal ein paar Punkte wiedergeben:
    Schulsystem: Es gibt ein Recht auf Schule für alle bis zum Abitur. Zunächst gehen alle Schüler auf eine 6-jährige Grundschule, daran schließt sich die Sekundarstufe I (3 Jahre) an. Die 1. Fremdsprache ist arabisch, die 2. englisch. Die Sekundarstufe II umfasst ebenfalls 3 Jahre oder kann entweder allgemeinbildend oder nach Schwerpunkten differenziert berufsbezogen absolviert werden. Wer studieren möchte, muss anschließend eine Aufnahmeprüfung absolvieren, die für alle Bewerber am gleichen Wochenende mit den gleichen Inhalten stattfindet. Es gibt ungefähr 10-mal so viele Bewerber wie Studienplätze. Die Zahl der in der Aufnahmeprüfung erreichten Punkte entscheidet darüber, was jemand studieren kann. Es gibt eine unterschiedliche Gewichtung der Punkte, je nachdem ob jemand in der Stadt oder auf dem Lande zur Schule gegangen ist, um Bildungsnachteile auf dem Lande auszugleichen. Derzeit sind 60 Prozent Frauen an den Universitäten, da sie in den Prüfungen besser abschneiden. Beliebteste Studienfächer sind Ingenieurwissenschaften, Medizin und Wirtschaftswissenschaften.

    Nach zwei Stunden Fahrt haben wir den Sarvestan Palast erreicht. Man nimmt an, dass dieses Gebäude, von dem heute nur mehr Ruinen existieren, in sassanidischer Zeit (5. Jh.) oder von Zoroastriern im 7. Jh. erbaut wurde.

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    Nach kurzer Besichtigungszeit fuhren wir weiter, und wir haben über das Gesundheitswesen im Iran gesprochen. Die grundlegende Versorgung der Bevölkerung durch Ärzte ist seit einigen Jahren für alle kostenlos und durch die Verfassung garantiert. Da auch im Iran die Ärzte am liebsten in den Städten leben und arbeiten, hat man ein Punktesystem entwickelt, welches besagt, dass sie Punkte z.B. als Landarzt sammeln müssen, ehe sie sich in der Stadt niederlassen können. Dadurch konnte erreicht werden, dass auch in kleinen Ortschaften immer ein Allgemeinarzt ist. Anders sieht es mit Krankenhäusern aus. Viele sind alt und (nicht zuletzt durch die internationalen Sanktionen) schlecht ausgestattet. Besonders in ländlichen Regionen ist deshalb die Notfallversorgung ein Problem. Die Geburtenrate liegt heute bei 2,3 Kindern pro Familie.

    An einer Tankstelle machten wir eine kurze PP. Dort sah ich diese 'verwestlichte' iranische Toilette:

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    Drogen sind streng verboten im Iran, auch der Konsum von Alkohol. Rauchen ist erlaubt, aber wir haben nur wenige Menschen gesehen, die in der Öffentlichkeit rauchen. Die Drogensucht stellt ein massives Problem dar. In Afghanistan hat sich nach dem Krieg der Anbau von Schlafmohn vervielfacht. Und er gelangt über die 1000 km lange gemeinsame Grenze in Form von Opium und Heroin ins Land. Gleichzeitig ist dies auch die Transitroute für Drogen, die für Europa bestimmt sind. Längst gibt es im ganzen Land ein Netz von Menschen (aller Schichten), die sich ihren Lebensunterhalt dadurch verdienen, dass sie von Alkohol bis zu Heroin auf Anruf alles nach Hause liefern. Zwar gibt es überall an den Autobahnen Kontrollpunkte, an denen die LKWs auf Drogen untersucht werden, und wenn man welche findet, droht dem Fahrer auch die Todesstrafe, aber - wie überall auf der Welt - wird nur ein kleiner Teil gefunden. Der Iran hat eine rel. hohe Zahl vollstreckter Todesurteile und wird dafür verurteilt. Nach Meinung unseres Führers sind dies aber häufig die Drogenkuriere. Und in der iran. Bevölkerung herrscht die Meinung: "Wir machen für die Europäer die Drecksarbeit, indem wir einen großen Teil der Drogen, die für Europa bestimmt sind, abfangen. Und dann werden wir dafür verurteilt, wenn wir durchgreifen und die Drogenhändler zum Tode verurteilen."

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    Unser nächster Stopp war an einem Laden, wo getrocknete Früchte aus der Region (u.a. Feigen, Walnüsse und Rosinen) verkauft wurden:

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    Unser Mittagessen nahmen wir heute als Picknick ein an einem kleinen Rastplatz ein, ...

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    ...wo gerade eine neue Moschee gebaut wurde

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    Zurück in Shiraz haben wir uns abends noch mal zu fünft auf den Weg gemacht zur nahe gelegenen Festung Karim Khan. Es ist eine imposante Festungsanlage, deren 15 m hohe Rundtürme an den Ecken mit Ziegeldekor versehen sind.

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    Im Inneren gibt es Bäume, Sträucher und Pflanzen und ein Wasserbecken.

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    Das Wohngebäude Karim Khans ist an den Innenmauern angebaut. Bunt beleuchtet sah man den Fliesenschmuck, Holzschiebefenster mit bunten Gläsern und Stuckdekor.

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    Außerdem befindet sich hier ein schön dekoriertes Badehaus.

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    Mit einem kurzen Spaziergang zum Markt und einem Tee in einem netten Lokal im Innenhof beendeten wir diesen geschichtsträchtigen Tag.

    Nach dem Mittagessen in einem netten Gartenlokal ging es zu der 4 km nördlich von Persepolis gelegenen Grabanlage Naqsch-e Rostam. Hier ist die Nekropole von vier Achämenidenkönigen.

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    Ein Relief über einem Grabeingang zeigt Darius I., wie der Gott Ahura Mazda dem Großkönig den Ring der Herrschaft überreicht. Der König steht dabei auf einem Podest, das von Vertretern der 28 Völker des Großreiches getragen wird.

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    24.10. Tagesausflug nach Persepolis (60 km von Shiraz entfernt)

    Großkönig Darius I. gründete 518 v. Chr. Persepolis (altpersisch: Parsa) als repräsentativen Sitz für sein riesiges (achämenidisches) Weltreich (s. auch die Karte im iran. Nationalmuseum). Es war das erste Weltreich überhaupt. Um für die zeremoniellen Festlichkeiten einen angemessenen Raum zu haben, ließ Darius I. eine 15 ha große Terrasse anlegen, auf die er und später auch seine Nachfolger über 14 Paläste bauten. Von dort oben hat man einen guten Überblick in die tiefer gelegene Landschaft. Weitere Gebäude-Überreste befinden sich unterhalb der Plattform.

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    Viele Säulenfragmente und Reliefs sind seit des 30-er Jahren des 20. Jh. wieder ausgegraben worden, und so konnten wir die Grundmauern, bis zu 20 m hohe Marmorsäulen mit Tiermotiv-Kapitellen, und unzählige Reliefs bewundern. Die besten Baumeister aus aller Welt haben dort damals gearbeitet.

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    In dem Reich lebten 28 Völker, die annähernd gleichberechtigt waren. König Darius hatte die Vision von multikultureller Offenheit statt Unterdrückung. Zum Neujahrsfest kamen Abgesandte aller 28 Völker,um dem Großkönig ihre Aufwartung zu machen und Geschenke mitzubringen. Alle Vorgänge wurden von Beamten auf's genaueste auf Tontäfelchen festgehalten, und diese haben die Zerstörung durch Alexander den Großen im Jahr im Jahr 333 v. Chr. , als er die gesamte Anlage in Flammen setzte, überstanden. Deshalb ist es heute möglich sich ein genaues Bild von dem damaligen Reich und dem Leben in Persepolis zu machen.

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    Besonders prächtig sind die Reliefs der Apadana. Eine Apadana ist ein Palast mit quadratischem Säulensaal sowie einer oder mehreren Vorhallen. Hier wurden die Abgesandten der Völker empfangen. Die Reliefs an den Stiegenaufgängen zeigen die Könige und ihren 'Hofstaat': Soldaten, hohe Würdenträger sowie Wagenlenker und Pferde. Andere Reliefs zeigen eine Audienzszene oder auch die 28 verschiedenen Völker.

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    Der letzte Shah Reza Pahlavi ließ anlässlich der 2.500-Jahr-Feier des Iran einige Teile restaurieren und in der Ebene eine gigantische Zeltstadt für die geladenen Staatsoberhäupter und KönigInnen aus aller Welt errichten. Diese wurden mit den erlesensten Delikatessen bewirtet, die er eigens für diesen Anlass aus Paris einfliegen ließ. Dieses gigantische Fest, das geschätzte 100 Millionen $ verschlang, während große Teile der Bevölkerung hungerten, vereinte die Nation gegen den Schah.

    @Susi66, @Kreuzfahrerin24, @uschisiggi, @Duschi, @Sunrise*, @Gabi46, @keseburg @goldast, @Joni, @Tina28

    Vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Ich werde Euch also weiterhin mit vielen Fotos beglücken.
    Auch ich hätte mir vor zwei Jahren nicht vorstellen können, jemals in den Iran zu reisen. Aber als ich dann angefangen habe mich mit dem Land zu beschäftigen, wurde mir schnell klar, dass eine Reise in den Iran nicht schwieriger als nach Myanmar, Vietnam oder in den Osten der Türkei zu bewerkstelligen ist. Und ich würde mich sehr freuen, wenn mein Bericht bei der bzw. dem einen oder anderen von Euch auch die Lust, in dieses wunderschöne und so gastfreundliche Land zu reisen, erwecken könnte. Aber nun gilt es erst mal abzuwarten, wie sich die Situation im Iran weiter entwickelt und dass sich hoffentlich nicht die Hardliner im Land und Trump & Co von außen durchsetzen.

    LG Verena

    Ach ja, noch ein paar harte Fakten zum Iran:

    Einwohner: 80 Millionen. Davon 15 Mio. im Großraum Teheran

    Fläche: 1 648 000 Quadratkilometer (4,5 mal größer als Deutschland), davon 55 % Wüste und Steppe, 20 % Weideland, 12 % Agrarland, 8% Wald, 5 % Städte

    Grenzen mit: Irak, Türkei, Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan, Aserbaidschan und Armenien.

    Meere und Gebirge: Im Norden ist das Kaspische Meer, im Süden der Persische Golf. Im Norden ist das Elburz-Gebirge (Damavand 5610 m), im Süden und Westen sind die Zagros-Gebirgsketten und das Sabalan-Gebirge und im Osten zahlreiche weitere Gebirgszüge. Im Hochland in der Mitte des Landes liegen die großen Städte, Z.B. Teheran, Tabriz, Isfahan, Shiraz u.a., aber auch riesige (Salz-)Wüsten.

    Religionen: Islam (89 %Schiiten, 9 % Sunniten), Christen, Zoroastriker sowie Menschen jüdischen Glaubens. Diese vier Religionen sind durch Gesetz geschützt und haben Abgeordnete im Parlament.

    Unsere Reise heißt: Iran - Höhepunkte entspannt erleben. Wir haben uns für diese Reise entschieden, weil wir immer wieder Freizeit hatten, um individuelle Unternehmungen durchzuführen. Das war uns wichtig, um neben dem Rahmenprogramm auch Plätze aufzusuchen, die uns persönlich interessierten. Wir haben zwar ein paar weniger Orte als auf der klassischen Rundreise gesehen, dafür mussten wir aber auch nicht jeden Tag stundenlang im Bus sitzen. Rückblickend kann ich diese Art der Reise uneingeschränkt empfehlen. Der Vorteil der geführten Reise ist, dass unser Führer (ein promovierter Germanist, der sehr erfahren als Reiseleiter ist) uns in jedem neuen Ort erst mal die wichtigsten Punkte gezeigt und Erklärungen dazu abgegeben hat, und dann hatten wir immer noch Zeit für eigene Erkundungen. Mit der Auswahl der Lokale hat er sich (neben den finanziellen Vorgaben des Reiseveranstalters) auch nach unseren Bedürfnissen gerichtet, und wenn es irgendwo Probleme gab, hat er sie schnell und unbürokratisch gelöst.

    Nachdem wir Hafis Mausoleum besichtigt hatten, sind wir erstmal zurück ins Hotel und haben uns von den vielen Eindrücken erholt. Danach haben wir 5 'BremerInnen' uns ins Getümmel gestürzt. Unser Ziel war das Shah-Cheragh-Heiligtum. Das bedeutete zunächst einmal, uns in den höllischen Verkehr ohne die schützende Hand unseres Führers zu wagen.

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    Autos halten nicht an, wenn Fußgänger am Straßenrand stehen. Aber sie halten an, wenn man sich auf der Straße befindet oder - falls möglich - sie umfahren uns dann. Und die oberste Regel hieß: nicht laufen, weil das kennen die iranischen Autofahrer nicht. Statt dessen sollten wir achtsam die Straße betreten und zügig überqueren. Und das funktionierte tatsächlich. Anfangs haben wir uns an einheimischen Fußgängern orientiert, aber zunehmend stieg unsere Sicherheit.

    Das Shah-Cheragh-Heiligtum enthält den drittheiligsten Schrein der Schiiten im Iran. Nicht-Muslime dürfen nicht ins Innere, wohl aber in die Außenanlagen. Nachdem wir Frauen uns den in heiligen Stätten obligatorischen Tschador umgeschlagen (mit tatkräftiger Unterstützung einiger netter Iranerinnen) und die sehr strenge Sicherheitskontrolle passiert hatten, wurden wir von einem ehrenamtlichen Führer, der sehr gut englisch sprach, 45 Minuten lang durch diese prächtige Anlage geführt. Alles war derart üppig verziert und prunkvoll, dass wir aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen. Viele Familien waren in den Höfen versammelt, saßen auf mitgebrachten Teppichen, auf dem blitzblanken Fußboden oder auf Treppen und unterhielten sich, und die Kinder liefen umher. Moscheen sind häufig rund um die Uhr geöffnet. Sie sind traditionell Zufluchtsort für jeden, der dorthin kommt.

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    Auf dem Rückweg haben wir noch eine Kleinigkeit und einen leckeren frisch gepressten Obstsaft in einem Imbiss getrunken, und danach sind wir hundemüde ins Bett gefallen. Ach ja, offiziell ist Alkohol im Iran verboten, und wir haben uns in den beiden Wochen auch an dieses Verbot gehalten. Alternativen sind Fruchtsäfte, Tee sowie Cola und Co.