Es sind immer wieder Fragen und Hinweise zum politischen System und der Einschränkung der Freiheit im Iran aufgetaucht. Natürlich haben wir auf der Reise auch viel über aktuelle und vergangene Politik diskutiert. Das alles wiederzugeben würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Einige wenige Ereignisse, die zum Verständnis wichtig sind, will ich hier aufzählen. 1. Nach der Verstatatlichung der Erdölindustrie im Jahr 1952 durch den gewählten Präsidenten Mossadeq wollten die Briten im Iran einmarschieren und haben die USA um Hilfe gebeten. Truman lehnte ab. Der nächste Präsident Eisenhower war zwar auch skeptisch, ließ aber den für den Nahen Osten zuständigen CIA-Agenten Kermit Roosewelt einen Plan entwickeln, der dann letztendlich auch zum Sturz von Mossadeq führte: Roosewelt bestach einen Teil der Presse und bezahlte Schlägerbanden dafür, dass sie Unruhe im Land stiften und den Iran an den Rand eines Bürgerkrieges bringen. Als die Stimmung extrem aufgeheizt war, wurde Mossadeq abgesetzt. Auf diesem Verhalten der USA, einen legal gewählten Präsidenten durch den CIA stürzen zu lassen, basiert ein großer Teil der bis heute andauernden Feindschaft zu den USA. 2. Nach der Machtergreifung der Mullahs ist der Schah in die USA geflogen, um dort seine Krebserkrankung behandeln zu lassen. Als dies im Iran ruchbar wurde, flammte die alte Wut wieder auf, und eine größere Gruppe von Studenten besetzte die amerikanische Botschaft in Teheran, um die Auslieferung des Schahs zu erzwingen. Diese dauerte 444 Tage und wird bis heute - trotz der weltweiten Ächtung des Iran für das Brechen der diplomatischen Immunität - in den USA als große Demütigung empfunden. 3. Nach dem Umsturz und der Vertreibung des von großen Teilen der Bevölkerung verhassten Schahs hat Ajatollah Chomeini anfangs ziemlich gemäßigte Reformen versprochen, und nach einem Referendum im April 1979 wurde die islamische Republik Iran ausgerufen.Nach einem Putschversuch gab es große Säuberungsaktionen, und ein großer Teil des als schahtreu geltenden Militärs wurde entlassen. Diese Situation hat 1980 Saddam Hussein ausgenutzt, um in den Iran einzumarschieren, und es schloss sich ein 8-jähriger Krieg an, in dessen Verlauf die Macht des Revolutionsrates immer mehr gefestigt wurde und alle Parteien, die bis 1980 existierten, verschwanden. Und als letztes kann ich vielleicht noch anmerken, dass ein demokratisch-parlamentarisches System, wie wir es in Europa haben, in Asien eher selten vorkommt. Im gesamten Nahen Osten regieren entweder Scheichs seit Jahrhunderten oder eben die Mullahs oder sonstige mächtige Männer, die davon ausgehen, dass sie selbst am besten wissen, was das Volk braucht. So, ich mach mal Schluss, sonst wird es zu viel zu lesen.
@Gabi46, @deern vonne elw, @Zwergnase Ich sage danke für Eure liebe Rückmeldung und den Ansporn weiter zu schreiben (den ich daraus ableite). @Zwergnase, was Du schreibst zum iran und seinen totalitären Strukturen, das hat mich auf der Reise auch beschäftigt. Natürlich hat uns unser Führer auch viel von der Geschichte Irans seit 1950 erzählt, und so kann ich manches heute besser verstehen. Das alles in einem solchen Reisebericht wiederzugeben wäre wahrscheinlich viel zu umfangreich. Aber ich werde gleich kurz darauf eingehen. LG Verena
@Flavia Ich denke schon, dass Ihr inzwischen genug Frauen hier im Forum seid für eine eigene Reisegruppe (ab 4 Tln. für skr die Reise durch). :joke: Was das Kopftuch anbelangt, so habe ich mir im September extra für diese Reise ein wunderschönes leichtes Tuch in Venedig gekauft, das ich die meiste Zeit über getragen habe. Und ich muss sagen, es sah richtig schick aus, obwohl ich sonst überhaupt nicht der Typ für Tücher und Hüte bin. Und ohne dass ich nun dem Kopftuch-Tragen das Wort reden will, so muss ich doch feststellen, dass es an heißen Tagen erheblich angenehmer war als die caps, die ich sonst immer trage, weil die 'Durchlüftung' viel besser war. VG Verena
Vielen Dank Micha @OHV_44 für Dein Lob. Für den Anfang bin ich auch ganz zufrieden. Ich hoffe, dass ich dann bald auch mal die Muße habe kräftig zu üben. LG Verena
Ob ich in Nain hätte standhaft bleiben können, wage ich zu bezweifeln.
Ganz bestimmt. In Nain direkt gab es nämlch keine Teppiche zu kaufen. Dafür in Isfahan umso mehr. Und da sind auch nicht alle standhaft geblieben. LG und weiterhin einen schönen Urlaub Verena
Danke liebe Martina @Tina28 für Deine Rückmeldung. Ich bin selbst immer wieder geflasht, wenn ich die Fotos sehe und es fühlt sich so an, als ob ich wieder oder immer noch an diesem traumhaften Ort bin.
Hallo Katja @Wuchtbrumme So langsam habe ich den Eindruck, als ob sich hier im Forum genug Frauen finden, um gemeinsam diese Reise zu machen :joke: Im Augenblick würde ich auch mal abwarten, aber die Lage scheint sich ja zum Glück wieder zu beruhigen. LG Verena
Danke Martina @Tina28. Das werde ich gleich mal probieren. Ich dachte, ich brauche erst eine Signatur, und die habe ich ja auch noch nicht. Werde wohl mal ein wenig mehr in die Tiefen dieses Forums einsteigen müssen (wenn der Iran-Bericht fertig ist). LG Verena
PS. Hab's gerade ausprobiert, und es klappt. Danke nochmal
Kurz nach 15.00 sind wir in Isfahan angekommen. Nach der Dürre der letzten Tage wirkten die baumbestandenen Straßen und die Blumenrabatten ganz besonders prächtig.
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Wir sind zunächst durch die Stadt an den Fluss Zayandehrud gefahren. Er wird von einigen z.T. sehr bekannten und in der Bevölkerung sehr beliebten Brücken überspannt. Unser erstes Ziel ist die Khaju-Brücke, die mit großen Bögen unten und kleineren oben zweigeschossig gebaut ist. Man kann zwischen den Bögen oder auch davor entlang schlendern. Hier halten sich immer viele Einheimische auf, und mit Glück kann man jemandem lauschen, der dort singt.
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Die Brücke ist sehr schön, der Ausblick von ihr hat mich eher enttäuscht: durch den gestiegenen Wasserbedarf für Trinkwasser und besonders auch im landwirtschaftlichen Bereich ist das Wasser oberhalb von Isfahan aufgestaut worden, und dadurch ist das Flussbett die meiste Zeit des Jahres über ausgetrocknet. Erst im November soll das Wasser wieder für eine kurze Periode fließen. Früher ist das Wasser etwas südlich von Isfahan versickert, und aus diesem Grunde ist es sinnvoll, den Fluss aufzustauen. Aber einem Fluss ohne Wasser "fehlt die Seele".
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Für die nächsten drei Nächte sind wir im Avin Hotel, das mitten in der Altstadt liegt und von dem aus wir zu Fuß alle wichtigen Sehenswürdigkeiten erreichen können, untergebracht. Von außen eher unscheinbar war es innen komplett renoviert mit großzügigen Zimmern.
Um 19.00 sind wir dann zum Abendessen gefahren, und anschließend sind wir zum nahe gelegenen Fluss gegangen zu der anderen sehr schönen und beliebten Brücke, der Si-o-se Pol oder auch 33-Bogen-Brücke genannt. Gemächlich sind wir hinüber flaniert und haben die vielen Menschen wahrgenommen, sind gegrüßt worden und haben zurück gegrüßt.
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Unser Führer erzählte, dass vor ca. 30 Jahren hier noch Autos fuhren, und die Straße nach Norden setzt sich nach der Brücke schnurgerade fort. Nachdem wir die Brücke überquert hatten, ist dann die Hälfte der Teilnehmer mit dem Bus nach Hause gefahren, während ich mit den übrigen zu Fuß zurück gelaufen bin. Unterwegs wie immer viele Geschäfte mit bunten und verlockenden Auslagen
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Und dann lag er plötzlich vor uns, der zweitgrößte und schönste Platz der Welt: der Imam-Platz. Besonders in der Dunkelheit strahlt er eine Anziehung und Pracht aus, der sich wohl niemand entziehen kann. Lange sind wir umher gelaufen und haben seine Eleganz bewundert und fotografiert.
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Den Abend beendeten wir dann in einem sehr netten Café, wo junge Leute uns nicht nur einen leckeren Tee und einen (alkoholfreien) Mojito kunstvoll angerichtet servierten, sondern auch ihre Lieblingsmusik von Ramstein und Queen vorgespielt haben.
Weiter geht die Fahrt durch die trockene Geröllwüste nach Norden. Bis zum heutigen Ziel sind es 300 km. Niedriges, vertrocknetes Gestrüpp ist die einzige Vegetation. Hinter Yazd sehen wir vereinzelt Kamele.
Wie immer bei längeren Busfahrten erzählt uns unser Führer etwas über sein Land und beantwortet unsere Fragen.
Zeitrechnung: 1 Jahr im Sonnensystem hat 365 Tage. Das ist die Zeit, in der die Erde einmal um die Sonne wandert. In den arabischen Ländern wird meist der Mondkalender angewendet, der 28 Tage umfasst. Das Jahr hat dann 355 Tage. Der Kalender beginnt im Jahr 622, als Mohammed von Mekka nach Medina pilgerte. Um den Unterschied zum Sonnenjahr auszugleichen, wird alle 35 Jahre ein Jahr dazu gezählt.
Wie lernen Mann und Frau sich kennen? Es gibt viele großen Interessengruppen in den sozialen Netzwerken oder am Arbeitsplatz bzw. Universität. Darüber verabredet man sich und hat die Möglichkeit sich kennenzulernen. Das gilt überwiegend für die Städte. Auf dem Lande sucht die Familie des Bräutigams die Braut aus, macht einen ersten Besuchstermin aus. Man unterhält sich über banale Themen, und die potenzielle Braut bedient alle. Wenn beide sich sympathisch finden und das vorstellen können, wird nach ein paar Tagen ein weiterer Termin ausgemacht. Wenn der Mann keine Interesse an der Frau hat, meldet sich die Familie nicht mehr, und wenn die Frau kein Interesse hat, erfindet ihre Familie eine Ausrede. Nach einiger Zeit wird eine Verlobungszeit vereinbart, in der das Paar sich kennenlernen kann. In sehr konservativen Familien auf dem Land kennt man sich untereinander, und dann kann die Hochzeit schnell stattfinden. Kurz vor der Hochzeit setzen sich die Familien zusammen und handeln das Brautgeld in Goldmünzen aus, sprechen die Hochzeitsfeier ab und die Mitgift. All das und weitere Absprachen werden von einem Notar festgehalten, und der Mullah, der die Trauung vollzieht, trägt diesen Text dreimal vor, und die Braut muss dreimal ja sagen, während der Bräutigam beim ersten Mal ja sagt. Bei sehr konservativen Familien feiert man anschließend nach Geschlechtern getrennt. Moderne Familien mieten einen Garten außerhalb der Stadt mit Essen, Tanz und Alkohol. Ungefähr jede 4. Ehe wird geschieden, so dass die alte Forderung der Männer, dass eine Frau, die sie heiraten, Jungfrau sein muss, in fortschrittlicheren Kreisen nicht mehr so wichtig ist. Andere Frauen hingegen lassen sich operieren und verschweigen ihre Vergangenheit.
Nach drei Stunden Fahrt erreichen wir die kleine Wüstenstadt Nain. Sie ist sehr bekannt für ihre Teppichproduktion; sehr viele Familien verdienen sich seit Generationen ein Zubrot, indem sie Teppiche knüpfen. Je nach Material und Dicke brauchen sie ein Jahr und mehr für einen Teppich. Außerdem gibt es hier die Jame-Moschee, die um 960 erbaut wurde. Damit ist sie eines der ältesten erhaltenen islamischen Bauwerke im Iran.
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Sie ist wie in der früh-muslimischen Zeit üblich sehr schlicht. Farbliche Mosaiken gibt es nicht; statt dessen werden mit den gebrannten Lehmziegeln Muster gelegt. Im Untergeschoss liegt der Wintergebetsraum, der durch Alabasterfenster in der Decke sein Licht erhält.
Frauen den rechten und Männer den linken. Sie haben unterschiedliche Töne, so dass die BewohnerInnen drinnen gleich wissen, ob ein Mann oder eine Frau vor der Tür steht. Falls Mann, legen dann viele Frauen ein Kopftuch um.
Weiter geht's. Kurz vor Sonnenuntergang, der hier so gegen 17.00 war, sind wir in die Altstadt gegangen, um vom Dach eines netten Lokals den Sonnenuntergang zu bewundern und einen Granatapfelsaft zu genießen. Auch hier wieder Multinationalität: neben uns saß eine brasilianische Besuchergruppe, dazwischen etliche junge IranerInnen.
Durch den vielen Staub in der Luft (Wüste und lange Trockenheit) wirkt der Sonnenuntergang ganz besonders. Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen:
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Anschließend haben wir uns durch die dunklen Gassen treiben lassen, in Galerien Läden und in den Basar geschaut. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie akkurat und mit viel Liebe zum Detail hier gearbeitet wird.
@Gisi Auch in meinem Freundeskreis gibt es Menschen, die aus den von Dir genannten Gründen nicht in ein muslimisches Land fahren. Ich habe mich bewusst anders entschieden: ich wollte mir vor Ort einen Eindruck verschaffen, und dadurch hat sich die Meinung, die ich vorher hatte, deutlich differenziert. Und ich habe - mit allem Respekt vor den Menschen und meinem Besucherstatus dort - nie einen Hehl aus meiner Meinung gemacht. VG Verena
Erneut begrüßte uns strahlender Sonnenschein, als wir um 8.30 in den Bus stiegen, um nach Chak Chak zu fahren. Die Ca. 100 km entfernt liegende zoroastrische Pilgerstätte liegt mitten in der Wüste an einem Berghang.
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Tanja @Tanfrei zu Deiner Frage: der Iran schreibt für alle Frauen das Tragen eines Kopftuches vor, auch für Touristinnen. Ich schreibe dazu gleich noch mehr. Die Temperaturen lagen tagsüber zwischen 22 und 30 Grad, waren aber wegen der großen Trockenheit sehr gut auszuhalten. Nachts lagen sie so zwischen 18 und 12 Grad.
Die Fahrt dorthin haben wir genutzt, um Fragen zu stellen und miteinander zu diskutieren. Ich will im nächsten mal einige Informationen zur Rolle der Frau geben, die so nicht nur für den Iran gelten sondern - mehr oder weniger ausgeprägt - für all die muslimischen Länder, in denen die Scharia gilt.
Frauen im Iran
Darüber zu schreiben, und dann noch mit wenigen Sätzen, fällt mir schwer. Vielleicht, weil es eines der Themen ist, das mich vor und während der Reise am meisten beschäftigt hat. Unbestritten stellt eine Reise in ein muslimisches Land, in dem die Scharia, also das islamische Gesetz gilt, eine besondere Herausforderung dar. Hinzu kommt bezogen auf den Iran die Verpflichtung als Frau ein Kopftuch zu tragen. Letzteres konnte ich akzeptieren, nachdem ich mir bewusst gemacht hatte, dass viele Menschen im Iran sehr religiös sind und für die das Tragen des Kopftuches selbstverständlich ist und ich aus Respekt vor diesen Menschen und als Besucherin diese Auflage erfülle. Adnan Tabatabai beschreibt sehr interessant die historische Dimension des Kopftuch-Streits: vom Vater des letzten Schah wurde 1936 das Koptuchtragen per Dekret verboten, da es nicht in sein Bild von einem modernen Iran passte. Große Teile der – religiösen - Bevölkerung empfanden das als „Kulturraub und tiefen Eingriff des Staates in das Privatleben“. Hinzu kommt, dass gerade in ländlichen Regionen der Tschador, also der schwarze Ganzkörperschleier, vielen armen Frauen die Möglichkeit bot ihre Armut zu verstecken. Für all diese Frauen bedeutete das Tragen des Kopftuches nach der Machtergreifung der Mullahs den Ausdruck des Protestes gegen das verhasste Schah-Regime.
Heutzutage werden die Bekleidungsvorschriften, besonders auch bei Touristinnen, eher locker ausgelegt. Im Bus oder auch im Innenhof unserer Hotels konnten wir das Kopftuch dann auch meistens ablegen. Und auch im Land selbst habe ich dann festgestellt, dass insbesondere in den Großstädten viele junge Frauen viel Haar gezeigt haben und auffallend geschminkt waren. Und jede 2. Frau lässt sich vom Schönheitschirurgen ihre Nase verkleinern (anfangs habe ich mich über die vielen Pflastern auf Nasen gewundert). Schleier, die das Gesicht bedecken, gibt es im Iran so gut wie nicht (außer bei afghan. Flüchtlingsfrauen). Auch kommt es mehrmals im Jahr zum Auftreten der sog. Sittenwächter, die die islam. Bekleidungsvorschriften kontrollieren. Und ähnlich wie bei uns per Radio vor 'Blitzern' gewarnt wird, warnt frau sich dort über spezielle Apps. Zumindest auf den Iran bezogen denke ich mal, dass das Kopftuch-Tragenmüssen nicht das eigentliche Problem für die Frauen darstellt. Vielmehr sind es andere – durch den Koran vorgegebene - Einschränkungen bezogen auf ihre Rechte, die sie gegenüber den Männern deutlich benachteiligen und die sie verändern möchten: zwar sind 60 % der Studenten weiblichen Geschlechts, aber wenn es nach Abschluss des Studiums darum geht eine Anstellung zu finden, werden Männer bevorzugt. Positiv ist, dass wenn eine Frau dann eine Arbeit findet, gehört der gesamte Lohn lt. Scharia ihr alleine, d.h. sie muss damit nicht zum Familieneinkommen beitragen. Auch bei Scheidungen sind Frauen benachteiligt, indem z.B. das Sorgerecht automatisch bei den Vätern bleibt und Scheidungsverfahren wesentlich länger dauern, wenn die Frau die Scheidung beantragt. In Erbschaftsangelegenheiten erben sie nur die Hälfte, und wenn sie ins Ausland reisen wollen, müssen sie eine Genehmigung des Ehemanns vorlegen. All diese Vorschriften können Frauen zu ihren Gunsten beim Aushandeln des Ehevertrags beeinflussen. Auch für Sportlerinnen ist es schwierig, da sie bei öffentlichen Wettbewerben die islam. Bekleidungsvorschriften beachten müssen, was häufig nicht vereinbar mit der Sportart ist. Besonders diskriminierend erleben Frauen die geringere Bedeutung ihrer Aussage vor Gericht: ihre Aussage zählt nur die Hälfte. Und Frauen können keine Richterinnen werden. Für beides gilt die veraltete Begründung, dass sie zu emotional seien. Gegen all diese Benachteiligungen kämpfen die Frauen, und z.T. können sie individuell Verbesserungen erreichen. Aber der Wunsch nach Rechtssichererheit durch Veränderung der Gesetze ist groß.
Der iranische Alltag hat sich mir so dargestellt, dass Frauen im Privatleben vieles von dem leben, was offiziell verboten ist und dass sie – zumindest in den Großstädten – die Grenzen des Machbaren immer wieder ausloten. Seien es immer kleiner werdende Kopftücher oder händchenhaltende Liebespaare in den Parks. Alle jungen Menschen wissen, wie sie via Facebook oder Telegram miteinander und mit dem Rest der Welt kommunizieren können, und sie nutzen dies auch: das Smartphone gehört im Iran genauso selbstverständlich zum Alltag wie hier.
Inzwischen sind wir in Chak Chak angekommen, und wir beginnen den recht anstrengenden Aufstieg über viele hohe Stufen bis zu dem Gebetsraum.
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Es ist eine kleine Felshöhle, in deren Wand sich ein Spalt befindet, durch den Wasser in die Höhle tropft, mit einem ‚chak chak‘-Geräusch. Der Legende nach fand eine Tochter des letzten sassanidischen Königs dort Zuflucht vor den arabischen Eroberern, indem sich die Wand teilte und sie dort verschwinden konnte. Das Wasser, das herunter tropft, gilt als heilig und wird in Schüsseln aufgefangen. Einmal im Jahr findet hier ein großes Fest der Zoroastrier statt.
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Wir sind noch eine Weile draußen herumgegangen und haben das Grün bewundert. Man weiß nicht so recht, wo das Wasser an dieser Stelle herkommt, und deshalb ranken sich so viele Mythen um diesen Ort.
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Zurück in Yazd haben wir in einem netten Lokal, in dem auch Einheimische zum Essen gehen, lecker zu Mittag gegessen. Leider habe ich dort nicht fotografiert. Danach war Siesta angesagt, ehe wir uns zu dritt auf den Weg in die Altstadt gemacht haben.
Ich hatte in einem vorangegangenen Teil beschrieben, dass viele Hotels in den letzten Jahren und auch laufend renoviert werden. Manchmal mussten besonders beim Einbau der Bäder kreative Lösungen gefunden werden. Eine solche zeige ich Euch mal mit dem nächsten Foto. Im Vordergrund ist die neu installierte Dusche, deren Abwasser in das (ehemalige) Abtritt-WC läuft. Hinter dem Vorhang - und hier nicht zu erkennen - wurde dann ein Sitz-WC eingebaut.
Inzwischen war es halb zwei, und wir waren hungrig. Also zurück in die Innenstadt, wo wir im Café Venice lecker zu Mittag gegessen und einen genauso guten Cappuccino mit Honig getrunken haben.
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Derart gestärkt brauchten wir nur wenige Schritte zu laufen, bis wir an der schönen alten Freitagsmoschee standen, die wir auch von innen besichtigt haben.
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Die schönen Mosaike, die man dort an der Wand sieht, sind z.T. stilisierte Worte wie z.B. Allah, wobei die Buchstaben aber auch manchmal übereinander angeordnet sind.
Anschließend sind wir noch durch die Altstadt gebummelt. Meist sind es sehr schmale Straßen, die rechts und links von hohen Mauern aus Lehm begrenzt sind. Dahinter sind dann die Wohnhäuser, die man aber nicht sehen kann.
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Besonders die ärmeren Menschen bauen ihre Wohnhäuser immer noch aus einer Mischung aus Lehm und Stroh. Auch die Dächer werden aus diesem Material gebaut, und sie müssen kuppelförmig gebaut werden, damit sie halten. Dieses Material hat eine sehr gut isolierende Wirkung, aber es hat einen entscheidenden Nachteil: es ist nicht regenfest. Wenn es im Winter mal mehrere Tage hintereinander heftig regnet, brechen Wände weg oder das Dach stürzt ein. So sieht man auch immer wieder kaputte Häuser in der Altstadt, deren Besitzer nicht das Geld haben, sie zu reparieren.
Den Sonnenuntergang haben wir dann von der Dachterrasse eines Cafés in der Altstadt gesehen, von wo aus man einen tollen Blick über die gesamte Altstadt hat. Aber davon morgen mehr.
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sind durch diverse Läden geschlendert und haben die Atmosphäre der quirligen Stadt auf uns wirken lassen. Wie schon so oft haben Leute uns angesprochen oder auch fotografiert. Und ich bin immer wieder beeindruckt von der Offenheit, mit der die Iraner uns begegnen. Meist sind es die Jüngeren, die Kontakt aufnehmen, aberdann kommen die Eltern und Großeltern oft auch hinzu. Undeine weitere Beobachtung will ich festhalten: viele Gebäude sind bei Nacht prachtvoll beleuchtet und verschaffen den Städten dadurch eine ganz besondere Atmosphäre.
Danach fuhren wir ein paar km zu dem Dowlatabad Garten. Es ist das ehemalige Wohnhaus eines sehr wohlhabenden Mannes mit einer großen Gartenanlage, durch die ein Bach läuft, in dem Wasserfontänen leise vor sich hin plätschern.
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In dem prächtigen Wohnhaus haben viele Zimmer im Erdgeschoss bunte Mosaikscheiben, so dass das einfallende Licht ein schönes Muster auf den Boden wirft. Im Untergeschoss konnten wir sehen, wie das Wasser des Bewässerungssystems direkt durch sein Haus floss. Beeindruckend war auch der große Windturm-Pavillon, wo wir die kühlende Wirkung der Windtürme hautnah erfahren konnten. Es handelt sich hierbei um hohe Türme, die mindestens viergeteilt sind, manchmal aber auch sechs bis acht senkrecht verlaufende Kammern haben. Je nach Windrichtung bläst auf einer Seite der Wind hinein, um dann unten auf der anderen Seite wieder nach oben zu steigen. Eine uralte Kühltechnik, die hervorragend funktioniert.
Nun ist schon die Hälfte der Reise vorbei, und die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Und gleichzeitig haben wir schon sehr viel gesehen, und es kommt jeden Tag Neues hinzu, das anders und genauso faszinierend ist. Heute sind wir in Yazd unterwegs und erfahren viel über die Zoroastrier, die mit ca. 3500 Gläubigen hier die zweitgrößte Gemeinde im Iran aufweisen. Yazd ist eine Wüstenstadt, liegt auf 1200 m Höhe und hat ca. 500 000 Einwohner. Auffallend sind die vielen Windtürme, die eine sehr effiziente Art der Kühlung der Häuser (aus einer Zeit, als es noch keine Klimaanlagen gab) darstellen.
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Heute nach dem Frühstück hat uns der Bus eine kurze Strecke zu einem großen zentralen Platz gefahren. Es ist der Meydan-e Amir Chaqmaq,an dessen Ostseite ein an seiner höchsten Stelle 65 m hoher Kuppelbau mit zwei Minaretten steht, und der rechts und links durch Arkaden begrenzt ist. Es handelt sich um den im 19. Jh. errichteten Amir-Chaqmaq-Arkadenbau. Er dient als Zuschauertribüne bei den Ashura-Passionsspielen, in denen Kampf und Tod Imam Hoseyns dargestellt werden.
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Da diese Geschichte für Schiiten sehr wichtig ist, will ich versuchen sie hier wiederzugeben. Die Schiiten glauben daran, dass Ali der rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed ist (damit unterscheiden sie sich fundamental von den Sunniten). Sein Enkel ist Hoseyn. Seit dem Tod Mohammeds gab es Kämpfe zwischen den verfeindeten Gruppen um die rechtmäßige Nachfolge. Hoseyn zog mit seinen Truppen nach Kerbela und traf dort auf die Gegner, die ihn nicht in die Stadt hineinlassen wollten. Sie stellten ihn vor die Alternative, entweder sich zu ergeben oder ohne Wasser zu bekommen zurück zu gehen oder zu kämpfen. Hoseyn entschied sich fürletzteres, obwohl im klar war, dass er sterben würde, und schickte vorher alle Soldaten, die aus persönlichen Gründen nicht sterben wollten weg. Sein Tod wird heute als Märtyrertod angesehen.
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Anschließend besuchten wir eine bekannte Bäckerei am Platze, wo wir leckere Kekse erstanden und dann gingen wir ins benachbarte Wassermuseum, wo wir den Bau und die Funktionsweise der uralten Bewässerungssysteme (Qanate) genau erklärt bekamen. Die ersten Ursprünge gehen wohl auf die Zeit der Assyrer vor ca. 3500 Jahren zurück, und in den folgenden Jahrhunderten ist dieses System unterirdischer Kanäle immer weiter ausgebaut worden und hat so eine Besiedlung des zentralen Hochlandes des Iran überhaupt erst möglich gemacht. Meist beginnen die Qanate, von denen heute noch 37 000 mit einer jeweils durchschnittlichen Länge von 4,2 km existieren, am Fuß der Berge. Von dort erstreckt sich eine horizontale Röhre, durch die - mit einer ganz leichten Neigung - das Wasser transportiert wird. Am Ziel wird es dann entweder hochgepumpt oder an Brunnen hochgezogen. Alle paar hundert Meter sind senkrechte Schächte gegraben, durch die die Arbeiter einsteigen können, falls solch ein Qanat zusammenbricht und die auch der Belüftung dienen. Im Wassermuseum waren diese Prozesse sehr anschaulich dargestellt.
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Weiter ging es zum zoroastrischen Feuertempel, wo unser Führer uns die Lehre Zaratustras erläuterte. Sie ist die erste monotheistische Religion und ca. 2000 Jahre alt.
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Für die Zoroastriker bedeutet das Licht das Gute und die Dunkelheit das Böse. Deshalb haben sie ein ewiges Feuer, das an dieser Stelle seit 1500 Jahren ununterbrochen brennt. Es ist so konstruiert, dass der Priester nur zweimal am Tag Holz nachlegen muss.
@Susi66 Liebe Susanne, das ging mir genauso. @uschisiggi, Liebe Siegrid, ich kann Euch beide verstehen. Gerade wenn man so viel über ein Land hört, möchte man es auch selbst kennenlernen. Auf der anderen Seite verklärt sich meistens die Erinnerung im Laufe der Zeit. Und dann ist die Angst vor einer Ent-Täuschung wahrscheinlich (zu Recht) groß. Vielleicht findest Du ja doch noch einen Weg hinzufahren. Liebe Grüße Verena (die sofort wieder losfahren könnte, nachdem ich beim Schreiben des Berichts wieder so sehr in diese Welt eintauche).
So, nun will ich mal einen kurzen Text zu den Hotels auf dieser Reise schreiben. Der Iran ist ähnlich wie Myanmar ein Land, das lange Zeit sehr abgeschirmt war und entsprechend wenig - internationalen - Tourismus hatte. Durch die stark gestiegene Nachfrage in den letzten Jahren gibt es immer wieder Engpässe. Hotels arbeiten fieberhaft daran Zimmer entsprechend dem westlichen Standard anzubieten. Das hat auf unserer Reise ganz überwiegend auch auf einem 3-Sterne-Niveau geklappt. Man darf allerdings keine luxuriösen Neubauten erwarten, zumindest bei diesem Anbieter nicht. Statt dessen waren wir in guten Mittelklassehotels, wo auch Iraner absteigen bzw. zweimal in umgebauten alten Palästen. Dort sind die Zimmer entsprechend kleiner, es gibt immer einen Innenhof, in dem sich auch Iraner aufhalten. Somit ist die Mögichkeit in Kontakt zu kommen gegeben. Aber es kann auch mal 23.00 oder Mitternacht werden, bis das letzte Gespräch verstummt. Technische Probleme traten vereinzelt auf, ließen sich aber immer beheben. Ich fand die Unterkünfte durchweg gut bis sehr gut, weil ich das Authentische lieber mag als sterile Betonklötze. Das Frühstück war auch immer sehr reichlich und liebevoll zubereitet; häufig mit regionalen Spezialitäten. Internetzugang per WLAN war immer möglich. Viele Hotels sind im letzten Jahr erst deutlich verbessert worden, sodass auf die Beschreibungen in den einschlägigen Reiseportalen nicht unbedingt Verlass ist, da dort häufig noch der alte Zustand beschrieben wird. In Yazd waren wir im Hotel Royay-e Ghadim
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Ein just renovierter Palast, zentral in der Altstadt gelegen mit vielleicht 10 Zimmern (wovon unsere Gruppe 7 belegt hat). Unser Schlafzimmer strahlte weiß und war geschmackvoll eingerichtet: