Beiträge von Emmalotta

    Donnerstag, 5.Juli – Stipvisite im Doppelhafen

    Wieder tief und fest geschlafen, trotz Vibration und Geklapper. Als um halb acht der Wecker rappelt, geht der erste Blick nach draußen: oh, sieht kühl aus. Und ist es auch, ca. 10 Grad weniger als am Tag zuvor. Dazu Fahrtwind an Deck … und tatsächlich ein bisschen Wellengang, der das Schiff zum Schaukeln bringt, wie man am leicht schiefen Horizont sieht...

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    Wir sind im Öresund, kurz vor Malmö, werden also ziemlich pünktlich anlegen. Unten gibt es Frühstück: diesmal Spiegeleier (gestern Rührei). Auf die obligatorische dicke Bratwurst dazu verzichte ich wie immer.

    Zurück in der Kammer nutze ich die Zeit zum Haare waschen, was schwierig ist. Also, das Waschen unter der Dusche nicht, aber das Fönen - keine Steckdose im Bad, die nächstgelegene ist im Schlafzimmer, aber soweit weg, dass die Schnur vom Fön nicht bis vor den Spiegel reicht=O.Die Herren hier werden sagen „Na und?“, die Damen „Oh Gott!“. Stylen ist zwar nicht nötig, aber wie ein Mop, der kurz mal in der Steckdose war, möchte ich auch nicht aussehen. Naja, was soll’s, mit derlei muss man sich auf einem Arbeitsschiff eben arrangieren. Ich föne also auswendig. Hinterher hab ich zwar nicht die Haare schön, aber immerhin frisch.

    Damit’s nicht so auffällt, geh ich nach draußen (da weht es tüchtig) und schau mich ein bisschen auf dem Poopdeck um, ganz unten also. Das Poopdeck hat nichts damit zu tun, dass man etwa dahin zu gehen hat, wenn es gilt, Flatulenzen zu entsorgen <X – es wird auch nur in der Bordsprache Englisch so ausgesprochen, in Deutsch dagegen mit langem o.

    Das Poopdeck liegt immer am Heck, daher der Name, der entliehen ist vom französischen „la poupe“ für Heck. Es ist etwas erhöhter als das Vorschiff, das in unserem Fall mit Containern beladen ist. Dort befinden sich außen die hinteren Leinen für’s Festmachen oder für die Verbindung zum Schlepper.

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    Apropos Schlepper – wir brauchen sie in jedem Hafen. Sie ziehen das Schiff zum Kai oder vom Kai weg, sie drehen es bei der Ein- oder Ausfahrt, und sie halten am Heck dagegen, wenn wir in eine Schleusenkammer fahren.

    Innen im Decksaufbau sind auf dem Poopdeck die Messe, die Kombüse und das Ladebüro. In letzterem sitzt der 1.Offizier, der dafür verantwortlich ist, dass nicht nur alle Container, die auf dem Plan stehen, be- und entladen werden, sondern dass das auch so geschieht, dass das Schiff in Balance bleibt. Vor jedem Hafen geht die Rechnerei von neuem los. Mit Ballastwasser wird dann zusätzlich ausgeglichen.

    Nach dem Mittagessen lese ich, dick eingepackt, ein bisschen an Deck, und dann ergreift mich eine bleierne Müdigkeit, ich muss unbedingt eine Runde in die Heia (schließlich hab ich ja letzte Nacht nur neun Stunden geschlafen …;))

    Geht gleich weiter

    Immer noch Mittwoch, 3.Juli

    Kurz vor dem Frühstück hatten wir abgelegt. Den Vormittag verbrachte ich also auf dem Deck vor meiner Kabine und auf „Monkey Island“ ganz oben, um die Revierfahrt auf der Elbe mitzuerleben. Auch dabei wollte uns der Kapitän nicht auf der Brücke haben, weil der Elblotse dabei war:|. Naja, was der Master sagt, wird ohne Mullen und Knullen hingenommen.

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    Mittags erreichten wir dann die Schleuse Brunsbüttel – für mich die erste Schleuse überhaupt und eine echt spannende Geschichte.


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    Wir hatten Glück, nicht warten zu müssen und fuhren gegen 13 Uhr in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) ein, international auch Kiel Canal genannt. In der Schleuse waren zwei Kanallotsen und ein Steuerer an Bord gekommen. Die sind Pflicht auf dieser Strecke. Da musste ich an unseren netten Remko Fehr denken . Mann, wär das schön gewesen, wenn der an Bord geklettert wäre! :thumbup:Aber dieser Kanallotse war auch nett und gesprächig - und wir durften diesmal auf die Brücke, denn unser Leo, der 3.Offizier (eigentlich Leonid) hatte Wache und holte uns rein.

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    Den Rest des Nachmittags genoss ich bei bestem Sommerwetter an Deck den Ausblick auf die Landschaft rechts und links des Kanals.

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    Preisfrage: Was hat der hier geladen???

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    Um 20 Uhr hatten wir die Schleuse Kiel-Holtenau erreicht.

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    Eine knappe Stunde Später waren wir dann in der Kieler Bucht und gegen 22 Uhr auf offener See.

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    Jetzt gab wer-auch-immer auf der Brücke richtig Gas, es vibrierte und schepperte in meiner Kabine. Und wir hatten spürbare Schiffsbewegungen – obwohl es praktisch keinen Seegang gab. Herrlich!!! Am nächsten Tag um 10 Uhr sollten wir in dann Malmö sein, unserem 1.Hafen.

    Fortsetzung folgt

    LG,

    Emma

    Hattest du mir einer so großen Kammer und der Ausstattung gerechnet? Mich haben deine Bilder positiv überrascht, hätte nicht mit der Größe gerechnet (hatte eher eine Kabine wie auf einer Fähre im Hinterkopf).

    Ja, Kerstin, ich hatte die Eigner-Kammer gebucht, weil ich gern ein großes Bett haben wollte. Aber die anderen Einzelkabinen sind nicht wesentlich kleiner, sie haben nur kein extra Schlafzimmer.

    Aber nun weiter im Text:

    Ich hatte mich weiter oben mit den Daten vertan, Montag war der 2., Dienstag der 3. Juli. Also kommt jetzt

    Mittwoch, 4.Juli – durch den Nord-Ostsee-Kanal

    Meine Befürchtungen vom Vorabend erwiesen sich als unbegründet – ich schlief wie ein Stein, obwohl die ganze Nacht durch geladen und entladen wurde (das machen die gleichzeitig!!) und die Matratze hart wie Stein war. Ein Gefühl, als läge man ohne Polsterung direkt auf einem Betonboden… Aber Not macht erfinderisch: im Schrank war noch eine zweite Bettdecke, und die funktionierte ich zum Topper um. Wenigsten ein bisschen komfortabler machte das meine Bettstatt schon. Dann ging‘ s ab unter die Dusche. Die sah zwar aus wie in einem 1-Sterne-Hotel in der Mongolei, tat aber ihren Dienst zuverlässig und mit ordentlichem Wasserdruck.

    Danach runter zum Frühstück (70 Stufen!): ein Omelett mit Wunschzutaten, frisch zubereitet und serviert vom Koch, der auf allen Frachtschiffen nur „Cookie“ genannt wird.

    An dieser Stelle wird es Zeit, das Schiff mal genauer vorzustellen: die Lantau Arrow ist ein sogenanntes Feeder-Schiff, das in kleineren Häfen Container aufsammelt und dorthin bringt, wo sie von großen Frachtern geladen werden können, Hamburg z.B. Die kleineren füttern also quasi die Großen (englisch = to feed), daher der Name. Wobei „klein“ relativ ist – unser vessel (ship sagt man nicht zu Frachtern, und alles ist immer in Englisch, weil das die offizielle Bordsprache ist) maß immerhin gut 250 m in der Länge und rund 26 m in der Breite. Das Schiff ist im Besitz einer deutschen Reederei, fährt aber unter exotischer Flagge und als Charter für Uni-Feeder, das größte nordeuropäische Zubringerunternehmen für Container mit Hauptsitz in Aarhus/Dänemark.

    Unser Kapitän (Master) war Ukrainer, alle Offiziere waren Russen (1., 2. und 3.nautischer Offizier, 1.Ingenieur (Chief), 2. und 3.Ingenieur. Dazu noch zehn Crew-Mitglieder vom Bootsmann über die Matrosen bis hin zum Praktikanten und dem Koch, alles Filipinos bis auf einen, der von den Kapverden kam.

    Mit den Crewmitgliedern kam ich ständig ins Gespräch über alles mögliche, mit der Schiffsführung so gut wie gar nicht. Die Offiziere waren freundlich, aber nicht besonders kontaktfreudig. Allerdings haben sie auch unter sich kaum mit einander geredet. Ist wohl mentalitätsbedingt. Fragen konnte man sie aber jederzeit alles und bekam auch eine Antwort.

    Die Essenszeiten waren gewöhnungsbedürftig… Frühstück von 7.30 bis 8.30 Uhr(also mit Wecker aufstehen), Lunch von 11.30 bis 12.30Uhr, Dinner von 17 bis 18 Uhr. Zwischendurch konnte man sich in der Messe von der Anrichte und aus dem Kühlschrank bedienen – wobei das Angebot überschaubar war: Ein Teller mit aufgeschnittener Salami, einer mit Schnittkäse. Das war immer gleich und musste reichen. Dazu Marmelade, Butter, Toast, Schwarzbrot, Cornflakes, Milch, Kaffee (Instant).

    Immer gleich waren auch die zum Luch und Dinner gereichten Beilagen: täglich Karottenwürfel, zweimal in der Woche Broccoli. Dazu entweder Nudeln oder Reis, einmal Kartoffeln. Aber immer Fleisch – Hühnchenkeulen oft, Schwein auch mal, leider fast immer totgebraten.<X Mittags stets die gleiche Gemüsesuppe vorweg und ein Salat aus dreifarbigen Paprikastreifen, ohne Dressing. Essig und Öl stand ja auf dem Tisch.

    Der Koch schien mir nicht allzu ambitioniert (für die asiatische Crew kochte er extra, das sah lecker aus und das hätte ich gern mal probiert, traute mich aber nicht, zu fragen. ) Aber was will der arme Cookie machen, wenn der Reeder an der Verpflegung spart … Also Ihr seht schon, eine Gourmetreise war das nicht. Aber als solche war sie ja auch nicht geplant. Es ist eben ein Arbeitsschiff, da gilt "Hauptsache satt". Wenn man Glück hat, ist der Cookie begnadet, wenn man Pech hat, eben nicht. Aber das Schicksal teilt man mit der gesamten Crew.

    Wir Passagiere aßen in der Offiziersmesse, die Crew hatte ihre eigene, und da ging es sehr gesellig zu.

    Uff viel Text ohne Bilder – wenn man keine mehr mit Menschen zeigen darf …

    Geht noch weiter, dann mit Fotos

    Dienstag, 2,Juli – it goes doch nicht so equal loose …

    … wie ich dachte: Vormittags noch schöner Spaziergang in Planten und Blomen, mittags wieder den Supersalat bei Hensslers Ahoi verspeist, dann wollte ich mein Gepäck schnappen und vom Hotel aus per Taxi zum Schiff. Auf dem Weg Anruf von der Agentur: bitte erst um 19 Uhr an Bord, und zwar nicht am Buchardtkai, sondern im Container-Terminal Altenwerder(CTA). Blöd, aber so ist das nun mal bei Frachtschiffreisen. Muss nicht passieren, kann aber.:(

    Also zurück in die Einkaufmeile und durch die Geschäfte gebummelt – etwas lustlos, einfach nur Zeit totgeschlagen. Irgend war es war es dann aber doch 18 Uhr, und ich saß endlich im Taxi gen Altenwerder – mit einem Fahrer, der da noch nie war und auch keine Ahnung hatte, wo das denn sein könnte … Zum Glück gibt es Navis. Der CTA liegt jenseits der Köhlbrandbrücke, ziemlich weit weg von der Innenstadt. Kostete stolze 42 Euronen, die Droschke. Aber mit Öffis hat man keinerlei Chancen, da hin zu kommen.

    Nach einer gefühlten Weltreise kam dann die Hafeneinfahrt in Sicht, streng bewacht. Auch mein einziger Mitpassagier traf per Taxi ein – ein Mann meines Alters, mit Strickmützchen, weißem Haarzopf und recht bunten Klamotten. Sah nett aus und war, wie er mir alsbald erzählte, vor dreißig Jahren selbst als Chief (1.Ingenieur) für Shell zur See gefahren.

    Am Pförtnerhäuschen wurde der Pass verlangt, außerdem hatte man die Reisebestätigung der Agentur vorzulegen, auf der das Schiff und die Dauer der Reise aufgeführt waren. Ok., alles paletti. „Könnten Sie uns dann bitte den Hafenshuttle bestellen?“ Nö, denn der stand hinter uns schon parat. Was für ein Service! Den es übrigens in jedem Hafen auf der Reise gab: schnell, freundlich und völlig kostenlos.

    Und dann waren wir da und bestaunten unser Schiff, die MS Lantau Arrow

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    Im Decksaufbau am Heck, ganz oben, direkt unter der Brücke lag meine Kammer (so heißen die Kabinen auf einem Frachter, ich hatte die Eignerkabine). Das bedeutete: 70 Stufen rauf und runter, mindestens dreimal täglich, denn die Messe lag auf dem untersten, sogenannten Poopdeck. War am Anfang eine echte Herausforderung, ging aber von Tag zu Tag besser.

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    Jenseits der Gangway nach uns ein freundlicher Wachmann in Empfang, der netterweise auch meinen Koffer an Bord hievte. Und dann übernahm uns Leo, der 3.Offizier, der auf dieser Reise für uns zuständig war. Er trug meinen Koffer so mühelos bis ganz nach oben, als wäre es nur ein Handtäschen. Und dann stand ich endlich in meinem Zuhause für die nächsten sieben Tage: schlicht, aber geräumig.

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    Und mit Blick nach vorn:

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    Dann war Kofferauspacken angesagt, danach raus an Deck und den Betrieb im Hafen angucken. Ist ein bisschen gruselig, den führerlosen Transportern zuzusehen, die sich wie von Geisterhand durch das Gelände bewegen – computergesteuert auf Induktionsschleifen. Beeindrucken die ContainerBrücken, wo hoch oben ein einzelner Arbeiter die schwerden Container aufnimmt und an Bord oder von Bord hievt.

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    Ein Hafenmanöver gab es auch, nämlich der Wechsel (das Verholen) von Altenwerder zum Burchardtkai. Das war spannend, obwohl wir dabei nicht auf der Brücke sein durften – im Hafen wollte der Kapitän das generell nicht, leider:(. Aber wir sahen von „Monkey Island“ aus zu, dem Peildeck und höchsten Punkt auf dem Schiff.

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    Gegen 22 Uhr war ich rechtschaffen müde. Eine halbe Stunde vorher hatte die Ladetätigkeit begonnen, mit zwei Containerbrücken.

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    Einer der beiden Männer dort oben schien Grobmotoriker zu sein, denn jeder zweite Container knallte an Bord<X. Ohje, dachte ich, kann schwierig werden mit dem :sleeping:

    Fortsetzung folgt

    Nach langer Pause (war nicht bei den Ersten, die freigeschaltet wurden) nun endlich der Bericht von meiner Reise mit der MS Lantau Arrow. HÄ?? Fragt jetzt wohl mancher, der sich noch an meine ersten Posts hier erinnern kann, sollte es nicht die Katharina Schepers sein???? Ja schon, aber die bog ja nun dauern nach Russland ab und ich musste, wie befürchtet, mangels Visum umbuchen. War aber kein Problem, Abreisetag und Dauer blieben gleich, auch die Route durch Nord-Ostsee-Kanal (NOK) und den Öresund war sicher. Der einzige Unterschied war, dass ich es nun mit einer ukrainisch/ russischen statt deutschen Schiffsführung zu tun hatte.

    Fr., 29. Juni - In den Startlöchern

    Anfang der Woche eine Mail von der vermittelnden Agentur: der Kapitän wünscht eine Kopie meines Reisepasses, für die Anmeldung bei den Hamburger Hafenbehörden. Ok., per Scan gleich erledigt. Heute dann Anruf der Agentur: es sieht alles danach aus, dass ich erst Dienstag an Bord kann, obwohl das Schiff schon Montag in Hamburg ist. Endgültiges erfahre ich am Montag.

    Völlig unklar ist – und bleibt vorerst – um welche Uhrzeit wir auf der Rückreise wieder in Hamburg anlegen werden. Früh, so dass ich am gleichen Tag einen (dann spontan zu buchenden und damit sicher teuren) Zug nach Hause nehmen kann oder spät am Abend, so dass ich noch eine Nacht an Bord bleiben darf? Ich entschließe mich, vorab ein Hotel zu buchen, dass ich bis 18 Uhr am Anreisetag stornieren kann und buche ein Sparticket bei der Bahn für den Tag nach der Ankunft.

    Meine Packliste ist fertig und sieht ziemlich anders aus als vor einer Kreuzfahrtreise: zwei Jeans, zwei Langarm- Shirts, ein Pullover, drei T-Shirts (die ich dann nie anhaben werde), Outdoor-Jacke, Ersatzpaar Schuhe und Latschen (mit denen alle innerhalb des Schiffs rumlaufen). Unterwäsche, Sleepshirt, Waschkram, Medikamente – fertig. Kein Täschchen, keine Highheels, kein Blinkblink, kein Schmuck. Fühlt sich gut an!

    Montag, 1.Juli – equal goes it loose …

    … um mit einem legendären Bundespräsidenten zu sprechen. Nach einer sehr angenehmen Fahrt zum Sparpreis im IC / 1.Klasse (war nur 2 Euro teurer als die Holzklasse) komme ich pünktlich um 12 in Hamburg an. Und das, obwohl irgendein durchgeknallter Spaßvogel meinte, kurz nach Abfahrt einfach mal so die Notbremse ziehen zu müssen. Das kostete uns eine halbe Stunde unfreiwilligen Aufenthalt, ihn vermutlich ein stolzes Sümmchen und ein ernstes Gespräch mit der Bundepolizei.

    Check-in im Ibis budget, sehr schlichtes Zimmer, aber grandioses Bett, und nur 15 Minuten vom Hauptbahnhof. Ich gönne mit ein Touri-Programm in meiner Geburtsstadt: Erst Hafenrundfahrt, dann mit der Fähre nach Övelgönne an den Elbstrand, dort Kaffee und Kuchen mit Blick. Vorher noch Anruf der Agentur: Morgen um 15 Uhr geht’s am Burchardtkai an Bord!

    Zurück dann mit Bummel durch die Spitalerstraße unddort im „Ahoi by Steffen Henssler“ eingekehrt. Ich mag zwar den Koch nicht so besonders, so als Mensch und Entertainer, aber der Wiesensalat dort war mit Abstand der beste, denn ich jemals in einem
    Restaurant gegessen habe!!! Kostete übrigens 9,50. Er hatte auch vorzügliches Fish’n Chips zur Selbstbedienung für nur 5,50. Also ganz heißer Tipp für alle, die mal in die Nähe kommen.

    geht gleich weiter

    Neue Schiffsmeldung:

    Die Buchungsunterlagen sind Mitte letzter Woche eingetroffen, mit sehr hilfreichen "Allgemeinen Informationen für Passagiere auf Frachtschiffreisen" und sehr guten Infos zu den Containerhäfen in Hamburg (wo genau liegen die,wie komm ich da hin). Und dann noch nebst Rechnung (25% Anzahlung, Rest 4 Wochen vor Abreise) der unvermeidliche Papierkrieg:

    Beförderungsvertrag samt AGB muss unterschrieben binnen 14 Tagen zurückgeschickt werden, dazu auch Bestätigung, dass Auslandskrankenversicherung und Haftpflicht abgeschlossen wurden. Vordruck für Arztattest, dass ich fit genug bin, um eine Woche ohne Arzt und Hospital auf dem Schiff mitfahren kann. Muss vor der Reise an die Agentur zurück geschickt werden - aber frühestens 4 Wochen vor Abreise.

    Inzwischen hab ich herausgefunden, wie ich auf der Reedereiseite den Fahrplan meiner Katharina Schepers einsehen kann. Und - oh Schreck !!!! - sie fahrt zwischendurch auch nach Russland, St.Petersburg z.B. Warum oh Schreck? Na, weil man auf den Frachtschiffen in jedem Fall ein Visum braucht, egal, ob man in Russland von Bord geht oder nicht. Und da ich erst 3 Wochen vor Abfahrt genau weiß, ob Russland auf dem Plan steht, wäre nur ein Express-Visum möglich mit Zittern und Zagen und für deutlich über 100 Euronen. Nö - das will ich nicht. Und nun?

    Anruf bei der Agentur: Was ist, wenn .... siehe oben?? Antwort: Dann suchen wir für Sie ein anderes Schiff oder eine spätere Abfahrt oder Sie können kostenfrei stornieren (aber nur in diesem Visumsfall). Große Erleichterung!!

    Also mach ich mich mal locker, freue mich auf das Abenteuer und warte einfach ab, was passiert. Ab Anfang Juni werde ich wohl den Fahrplan Juni/Juli einsehen können und dann Genaueres wissen. Und eventuell umbuchen müssen auf früher oder später oder anderes Schiff...

    Dann - oder wenn es vorher Neues gibt - melde ich mich wieder.

    LG,
    Emma

    @Suite31
    Ja, so ist es wohl - man wird nicht bespaßt und unterhalten, sondern muss sich selbst beschäftigen. Aber ich (eigentlich eher hibbeliger Typ) konnte auf Schiffen bisher immer unheimlich lange einfach nur aufs Meer gucken ... und liebe das!!

    Ich nehme trotzdem viel Lesestoff im eBook mit und den Läppi zum Logbuch-Schreiben. Aber ich stelle mir auch das "Ausgebremstsein" als schöne Erfahrung vor. Einfach zuschauen, wie das alles so abläuft auf einem Arbeitsschiff. Reden mit der Crew, und die Menschen an Bord kennenlernen.
    Und ich werde den Cookie mal fragen, ob ich ihm in der Galley nicht ein bisschen helfen darf :)

    LG,
    Emma

    Hi, ich mal wieder ...

    Das Abenteuer Frachtschiffreise hat mich voll im Griff. Die Buchungsbestätigung per email hab ich sofort gekriegt, Schriftliches sollte auf dem Postweg bis gestern bei mir ankommen. Kam nicht, deshalb Anruf bei der Agentur, ob da was schief gegangen sei. Antwort: nö - oder eigentlich doch, denn eine Kollegin sei krank. Post käme aber nächste Woche. Total locker und nett, der Umgangston, gefällt mir sehr!!
    Da traut man sich dann auch, zu fragen, wie man das denn am besten mit Anreise und etwaiger Vorübernachtung macht. Und am Ende der Reise:
    man weiß ja, wann man wieder ankommt - aber die Uhrzeit nicht. Wird manauch dann von Bordgeschmissen, wenn das Schiff erst um 20 Uhr oder später anlegt? (Ich hab per Bahn fast 4 Stunden nach Hause)

    Antworten der total netten Dame am Telefon:

    a) nichts buchen, was nicht kostenlos stornierbar wäre (Hotel, Bahnfahrkarte)
    b) frühestens 3 Wochen vorher ist der genaue Fahrplan des Schiffs bekannt
    c) erst 2-3 Tage vorher erfahre ich, wann genau ichan Bord gehen kann (soll)
    d) bei später Ankunft kann ich die Nacht noch an Bord verbringen

    Ich habe jetzt "mein" Schiff seit Januar bis heute bei marinetraffic verfolgt, Scheint
    ziemlich konstant zu sein, die Route. Sollte eigentlich am 2.7. an Bord gehen. Hab aber das Hotel vom 1. bis 3. gebucht, mit Option, das am Anreisetag noch ändern zu können.

    Mannomannomann - was für ein Abenteuer 8) Aber schöööööön :thumbup:

    LG,
    Emma

    Man darf sich als Passagier auch jederzeit in der Messe (Kantine) Kaffee oder Tee machen, man darf auf den meisten Schiffen rund um die Uhr auf die Brücke (auch nachts, wenn man denn nicht schlafen kann). Man darf sich auf dem Schiff frei bewegen, außer bei Lösch- oder Ladearbeiten im Hafen, sollte sich aber immer beim Kapitän oder einem Offizier abmelden, wenn man die Aufbauten verlässt. Und vor jedem Landgang natürlich auch, nachdem man sich die Erlaubnis eingeholt und den Zeitrahmen erfragt hat.
    Alles in allem also: schön die Bälle flach halten, nicht im Weg rumstehen oder nerven, sich an den Rhythmus auf dem Schiff anpassen und vor allem mit sich selbst klar kommen - Animation gibts nicht ;)

    Meine Reise geht - wie oben beschrieben - durch die Ostsee, natürlich ohne Stabilisatoren. Wenn's also blöd kommt, wäre auch wildes Rollen drin, schau'n mer mal.

    Als ich dann "meine" Reisen bei "meiner" Agentur gefunden hatte, fragte ich an für einen Termin im Herbst 18 oder Frühjahr 19. Ohne viel Hoffnung, denn aus meiner Cruise-Erfahrung wusste ich, dass ich als Alleinreisende so kurzfristig absolut nix kriegen würde - auf Schiffen mit 4stelliger Passsagierzahl. Und hier waren es nur 2 bis 4 Passagiere, die mitfahren können.

    Umso überraschte war ich über die relativ große Auswahl, die mir angeboten wurde. Und so fragte ich dann noch mal kühn nach, ob nicht auch im Sommer etwas möglich wäre. Und siehe da: da ging noch was. Da ich außerdem nicht auf einen deutschsprachigen Kapitän angewiesen war, wurde es dann die Katharina Schepers - von Anfang an mein Favorit.

    Ich habe inzwischen schon ein günstiges Hotel in Hamburg gebucht, ab Sonntag, dem 1.7. bis Mittwoch, dem 3.7. Normalerweise fährt die Katharina Dienstags in Hamburg ab, aber bei Frachtschiffreisen kann immer was dazwischen kommen. Drei Tage vorher bekomme ich Nachricht, wann genau ich an Bord gehen kann. Also habe ich entweder 1,5 Tage vorher in Hamburg (meine sehr geliebte Geburtsstadt :love: ) oder nur einen halben Tag. Das Hotelzimmer kann ich dann ggfls. für die 2.Nacht stornieren. Die Bahnfahrkarte kann ich natürlich nur kurzfristig buchen, wenn ich einen Sparpreis will. Oder längerfristig zum Normalpreis mit Umbuchungsmöglichkeit.

    Es ist also alles etwas unwägbarer als bei Kreuzfahrten, aber das macht auch einen Teil des Reizes für mich aus. Dafür ist die Packerei deutlich einfacher - keine Galaklamotten, keine High Heels, überhaupt nichts "Schickes", sondern nur legere Freizeitkleidung. Andererseits brauche ich von meinem Hausarzt ein schriftliches o.k. für die Reise, maximal 4 Wochen vor Beginn, unbedingt einen Reisepass (auch innerhalb der EU), Zollerklärungen in den Häfen für mitgeführte Wertgegenstände und Auslands-KV sowie Haftpflichtversicherung muss nachgewiesen werden.

    Tja, betreutes Cruisen ist das nicht - aber deshalb für mich ungeheuer spannend!

    Wenn jemand Fragen hat, immer gerne her damit.

    LG,
    Emma

    Dann mach ich mal mit den Vorbereitungen weiter:

    Alles begann damit, dass ich schwer darunter gelitten habe, erst im Oktober 2019 wieder an Bord gehen zu können (meine Phoenix-Reise mit der Artania) - Entzugserscheinungen also <X Dann guckte ich Anfang des Jahres so herum, was es denn Erschwinglicheres geben könnte für Alleinreisende wie mich. Ohne Erfolg natürlich bei allen Kreufahrt-Anbietern.
    Irgendwann stieß ich, ich weiß gar nicht mehr wann und wieso, auf Frachtschiffreisen und fing an, alle Reiseberichte darüber zu lesen, die ich im Netz ergattern konnte. Und je mehr ich las, desto mehr war ich angestochen von dieser Art der Seereise.
    Im nächsten Schritt durchstöberte ich die Angebote der - wenigen - Agenturen, die solche Reisen im Auftrag der Reedereien vermitteln. Und stellte fest, dass ich so eine Reise für weniger als ein Drittel der Kreuzfahrtkosten buchen könnte, auch allein auf einer Doppelkabine!

    O.k. die Kabine heißt auf Frachtschiffen Kammer, und so sieht sie auch aus. Zwar oft größer als auf Kreuzfahrtschiffen, aber mit dem Charme eines Jugendherbergs-Zimmers. Aber was solls? Bin ja auf einem Arbeitsschiff, quasi als Anhängsel der Crew, da würde ich auch gar keinen Luxus haben wollen. Frühstück gibt es von 7 bis 8 Uhr, Mittagessen von 12.30 bis 13.30, Abendessen von 17.30 bis 18.30 Uhr - uff :/ Tja, aber sie nehmen mich als Gast mit und richten sich nicht nach mir, sondern ich hab mich nach ihnen zu richten.

    Geht gleich noch weiter ...