Donnerstag, 5.Juli – Stipvisite im Doppelhafen
Wieder tief und fest geschlafen, trotz Vibration und Geklapper. Als um halb acht der Wecker rappelt, geht der erste Blick nach draußen: oh, sieht kühl aus. Und ist es auch, ca. 10 Grad weniger als am Tag zuvor. Dazu Fahrtwind an Deck … und tatsächlich ein bisschen Wellengang, der das Schiff zum Schaukeln bringt, wie man am leicht schiefen Horizont sieht...
Wir sind im Öresund, kurz vor Malmö, werden also ziemlich pünktlich anlegen. Unten gibt es Frühstück: diesmal Spiegeleier (gestern Rührei). Auf die obligatorische dicke Bratwurst dazu verzichte ich wie immer.
Zurück in der Kammer nutze ich die Zeit zum Haare waschen,
was schwierig ist. Also, das Waschen unter der Dusche nicht, aber das Fönen - keine
Steckdose im Bad, die nächstgelegene ist im Schlafzimmer, aber soweit weg, dass
die Schnur vom Fön nicht bis vor den Spiegel reicht
.Die Herren hier werden
sagen „Na und?“, die Damen „Oh Gott!“. Stylen ist zwar nicht nötig, aber wie
ein Mop, der kurz mal in der Steckdose
war, möchte ich auch nicht aussehen.
Naja, was soll’s, mit derlei muss
man sich auf einem Arbeitsschiff eben arrangieren. Ich föne also auswendig.
Hinterher hab ich zwar nicht die Haare schön, aber immerhin frisch.
Damit’s nicht so auffällt, geh ich nach draußen (da weht es
tüchtig) und schau mich ein bisschen auf dem Poopdeck um, ganz unten also. Das
Poopdeck hat nichts damit zu tun, dass man etwa dahin zu gehen hat, wenn es gilt, Flatulenzen zu entsorgen
– es wird
auch nur in der Bordsprache Englisch so ausgesprochen, in Deutsch dagegen mit
langem o.
Das Poopdeck liegt immer am Heck, daher der Name, der entliehen ist vom französischen „la poupe“ für Heck. Es ist etwas erhöhter als das Vorschiff, das in unserem Fall mit Containern beladen ist. Dort befinden sich außen die hinteren Leinen für’s Festmachen oder für die Verbindung zum Schlepper.
Apropos Schlepper – wir brauchen sie in jedem Hafen. Sie ziehen das Schiff zum Kai oder vom Kai weg, sie drehen es bei der Ein- oder Ausfahrt, und sie halten am Heck dagegen, wenn wir in eine Schleusenkammer fahren.
Innen im Decksaufbau sind auf dem Poopdeck die Messe, die Kombüse und das Ladebüro. In letzterem sitzt der 1.Offizier, der dafür verantwortlich ist, dass nicht nur alle Container, die auf dem Plan stehen, be- und entladen werden, sondern dass das auch so geschieht, dass das Schiff in Balance bleibt. Vor jedem Hafen geht die Rechnerei von neuem los. Mit Ballastwasser wird dann zusätzlich ausgeglichen.
Nach dem Mittagessen lese ich, dick eingepackt, ein bisschen an Deck, und dann ergreift mich eine bleierne Müdigkeit, ich
muss unbedingt eine Runde in die Heia (schließlich hab ich ja letzte Nacht nur
neun Stunden geschlafen …
)
Geht gleich weiter