Sa 02.03.2019 Callao / Lima / Peru bis 22 Uhr
Morgens 23° C, abends 28° C, trocken
(Wir haben auf diese Reise ein kleines, billiges Zimmerthermometer mitgenommen und mit einem Magneten auf unseren Balkon gehängt. Wir hatten dann Spaß daran, regelmäßig unsere eigene „Wetterstation“ abzulesen. Außerdem hatte ich bei unseren früheren Reisetagebüchern immer bedauert, dass ich mich später nicht mehr an die Temperaturen erinnern konnte.)
Ich schlafe wie ein Stein und wache um 7 Uhr auf. Durch den Jetlag fühle ich mich noch etwas tranig, aber insgesamt geht es mir deutlich besser als gestern.
Ich schaffe es sogar, schon mal einen Koffer auszupacken, damit wir frische Klamotten anziehen können, und frisch geduscht geht es zum Frühstück ins Artania. Unsere Kellner von früher sind nirgends zu entdecken. Vielleicht arbeiten sie nicht mehr auf der Artania oder sind in einem anderen Restaurant?
Wir fühlen uns jedoch gleich wieder zu Hause hier. Es hat etwas für sich, wenn man das Schiff und die Abläufe schon kennt.
Zum Glück ist unser gebuchter Ausflug erst nachmittags, so dass wir ganz in Ruhe den Rest auspacken können und das Chaos in unserer Kabine beseitigen können.
Am Anfang denke ich ja immer, dass ich nie im Leben unsere ganzen Dinge verstauen kann, aber wie durch ein Wunder klappt es dann ja doch. Dabei hilft aber auch unsere Methode, die Koffer als zusätzlichen Stauraum zu nutzen. So haben wir am Ende einen "Gedöns-Koffer" und einen "Klamotten-Koffer" unter unserem Bett, gefüllt mit Dingen und Kleidung, die wir (noch) nicht brauchen.
Den Vormittag verbringen wir in der Phoenix-Bar mit Schreiben und Lesen. Neu sind hier an den Seiten gläserne Windschutzwände. Ein Kellner sagt auf unsere Nachfrage, dass sich wohl etliche Gäste über den Wind in der Phoenix-Bar beschwert hätten, aber die neuen Wände würden nicht viel bringen...
Nach einem kleinen Mittagsimbiss im Lido-Restaurant startet unser Ausflug "Lima individuell". Ein Shuttlebus bringt uns in ca 45 Minuten ins Stadtzentrum. Unterwegs erzählt ein Guide einiges über Stadt und Land. Zum Beispiel sind viele Häuser nicht fertig gebaut, weil man dann keine Steuern zahlen muss. Auch die Menschen, die auf der Stadtgrenze Callao/Lima wohnen drücken sich um die Steuern. Je nachdem welche Stadt anfragt, ordnet man sich einfach der anderen Stadt zu.
Es herrscht wieder viel Verkehr. Die Autos sehen häufig ziemlich verbeult aus, was mich nicht wundert. Die Häuser am Straßenrand sind sehr gesichert mit vergitterten Fenstern und video überwachten Grundstückseinfahrten. Die Kriminalität hierzulande ist recht hoch. Im Tagesprogramm wurde darauf hingewiesen, dass man keinen Schmuck tragen sollte und keine Wertsachen mitnehmen sollte.
In der Innenstadt angekommen wird es zunehmend interessanter und hübscher. Der Hauptplatz - die Plaza Mayor - ist für den Autoverkehr abgesperrt.
Als Grund erfahren wir, dass gerade ein neuer Kardinal gewählt wurde und es deshalb verschiedene Veranstaltungen mit kirchlichen Würdenträgern gibt. Auch die Kathedrale können wir deshalb nicht besichtigen.
Für uns Kulturbanausen ist das nicht so schlimm. Wir wollen vor allem einen Länderpunkt Peru machen für unser Hobby Geocaching.
Und deshalb machen wir uns direkt auf zur Casa Literatura Peruana, dem Literaturmuseum, das im alten Bahnhofsgebäude untergebracht ist, einem sehr schönen Jugendstilbau
Hier müssen wir für einen Rätselcache eigentlich einige Fragen beantworten, was uns jedoch nicht gelingt, obwohl ein freundlicher junger Mann versucht, uns zu helfen und Gedichtbände von Javier Herauld anschleppt. Wir bereuen trotzdem nicht den Besuch hier, weil das Gebäude schön ist (und auch saubere Toiletten hat
).
Weiter geht es zum Parque de la Muralla, einer sehr schönen Parkanlage am Rimac-Fluss, wo es einige historische Mauerreste zu sehen gibt, schattige Grünanlagen, Spielplätze und eine Vogelvoliere.
Um den Park herum sieht es allerdings nicht ganz so idyllisch aus:
Alles wunderbar, aber auch hier finden wir keinen Cache. Wir fotografieren die Örtlichkeit und hoffen, mit einem Fotolog doch noch den begehrten Länderpunkt ergattern zu können. Inzwischen ist die Zeit fortgeschritten und wir müssen uns auf den Weg zurück zum Treffpunkt machen.
Doch wir schaffen es noch, ein T-Shirt für mich zu kaufen und im Schokoladenmuseum eine köstliche Chocolate Frio zu trinken, eine echte Kalorienbombe, aber die Sünde wert!
Auch unser kulturelles Gewissen befriedigen wir noch, indem wir uns die Klosterkirche San Francisco ansehen.
Insgesamt sind wir mit unserer Stippvisite in Lima durchaus zufrieden. Zumindest einen Eindruck haben wir bekommen können, und da wir ohnehin nicht solche Freunde von großen Städten sind, müssen wir hier nicht noch einmal her.
Gegen 18 Uhr sind wir zurück beim Schiff. Unser schickes Thermometer auf dem Balkon zeigt 28 Grad an. Aber man merkt schon, dass der Wind vom Meer her sehr frisch ist, so dass wir zur SNRÜ und Auslaufparty eine Jacke mitnehmen.
Im Hafenbecken tummeln sich Pelikane und Möwen. Besonders die Pelikane beeindrucken durch Sturzflüge ins Wasser, um sich die Fische zu greifen. Etliche von ihnen sind zu beobachten, wie sie auf dem Wasser schwimmend mit den Flügeln aufs Wasser klatschen, und wir vermuten, dass sie damit die Fische scheuchen und zusammentreiben, damit dann alle zuschlagen können. Faszinierend!
Die SNRÜ verläuft professionell und fix. Kapitän Hansen hat kein unpassendes Schuhwerk zu beanstanden, und dann werden schon die Leinen gelöst, dreimal getutet, und die Reise geht los.
Es wird zum Auftakt großzügig Sekt spendiert. Das Show-Ensemble trägt Seemannslieder aus verschiedenen Epochen vor, und danach gibt es die Möglichkeit zu tanzen. Wir sind allerdings vom DJ Sven etwas enttäuscht, weil es nur deutsche Schlager und Humbahumba täterä gibt. So viel Sekt kann ich gar nicht trinken, dass mich diese Musik auf Dauer vom Hocker reißt!
Ich hoffe nur, dass das ein einmaliger Ausrutscher war. Wir tanzen trotzdem ein wenig.
Aber wir sind rechtschaffen müde, und gegen Mitternacht fallen wir ins Bett. Es hat ganz leise angefangen zu schaukeln...