Fortsetzung
Dort traf ich Dieter wieder, der dick eingepackt auf dem Balkon saß, las und fror (wir hatten zu der Zeit Schatten auf dem Balkon und es war wirklich kalt und windig dort). Ihm war es an Deck in der Sonne viel zu laut, trubelig, eng, ungemütlich, voll und was weiß ich noch… Muss ihn wirklich gestört haben, da oben, denn auf dem Balkon war es auch ungemütlich…
Als ich jedenfalls aus dem Bad wieder rauskam, lag er dick eingemummelt im Bett. Er sei völlig durchgefroren und wolle nur noch schlafen. In der Stimmung lässt man ihn am besten allein und ich konnte ihm nur noch entlocken, dass der Rest der Familie irgendwo an Deck am Pool lag. An welchem erfuhr ich jedoch nicht mehr…
Mir schwante schon, dass das ein Glückspiel werden würde, aber ich blieb optimistisch und stürzte mich ins Gewühl.
Tatsächlich erlebte ich auf dem Pooldeck einen kleinen Kulturschock! Wie gesagt, es war meine erste Kreuzfahrt, mein erster Seetag und ich war einsame Campingplätze im Süden Afrikas gewohnt. Es war voll! Rappelvoll! Alles voller Liegen, die Liegen voller Menschen, der Pool voller Menschen, die Außenbars voller Menschen, Kinder schrien und liefen wild umeinander und auf dem schmalen Pfad entlang des Pooldecks schoben sich auch die Menschenmassen. Ich hatte ja mit vielem gerechnet, aber das war echt zu viel…
Ihr müsst Euch das mal vorstellen, die Liegen sind so eng nebeneinander aufgestellt, dass man über das Fußende draufkrabbeln musste, weil neben den Liegen kein Platz mehr war. Mag sein, dass das für den vielfahrenden Kreuzfahrer nicht ungewöhnliches ist, ich fand es jedenfalls total abtörnend. Außerdem, wie sollte ich hier den Rest meiner Familie finden??? Also irrte ich den Laufweg entlang, versuchte in niemanden reinzulaufen bzw. von niemanden umgelaufen zu werden und trotzdem die Leute auf den Liegen genau anzuschauen, ob ich irgendwo dort drin meine Familie finde.
An dieser Stelle: ist Euch mal aufgefallen, dass eine Menschenmasse auf Liegen irgendwie total homogen aussieht???
Durch einen Riesenzufall entdeckte ich meinen Vater, der sich mit zwei Getränken in der Hand ebenfalls durch die Massen schob. Meine Rettung!!! Allerdings sah auch er ziemlich verloren aus und freute sich mindestens ebenso, sehr mich gefunden zu haben, wie ich ihn. Er fand die anderen nämlich auch nicht wieder und konnte sich auch leider nur noch erinnern, dass sie alle am Pool lagen, aber nicht mehr, ob es der große oder der kleine Pool war. Also machten wir uns nun zu zweit auf die Suche.
Wir fanden sie schließlich auf der Etage über der Agora Bar, aber auch nur, weil mein Neffe fast in uns reinlief. Mit seiner Hilfe fanden wir dann die anderen und der mittlerweile warme Drink den Weg zu meiner Mutter.
Sie quetschen sich zu sechst auf fünf Liegen und ich setze mich als siebte mit zu meiner Mutter auf die Liege. Immerhin war hier zwischen den Liegen noch so viel Platz, dass man sie seitlich betreten konnte und nicht über das Fußende hineinkrabbeln musste. Trotzdem war es ungemütlich eng und da die Bar 17 nur ein paar Meter weiter lag, verzog ich mich mit meinem Buch dorthin und fand dort tatsächlich ein lauschiges Plätzchen, sogar im Schatten ![]()
Anscheinend waren alle Gäste entweder an den Pools oder beim Mittagessen und so war es erstaunlicherweise recht ruhig an der sonst so beliebten Bar 17.
Es dauerte gar nicht lange, da trudelte einer nach dem anderen von den Liegen in der Bar 17 ein. In der Sonne war es ohne Schatten auf Dauer doch zu warm bzw. Sonnenbrand drohte den kalkweißen Norddeutschen. Sogar Dieter fand uns nach seinem Mittagsschlaf an der Bar 17 (es ist erschreckend, wie gut er mich kennt und weiß, wo er mich finden kann…).
Es war Platz genug für alle und so verbrachten wir einen feuchtfröhlichen Nachmittag in der Bar 17 mit einem herrlichen Ausblick aufs Meer. An den Pools hätte es nicht schöner sein können ![]()
Am Abend verabredeten wir fürs Atlantik. Die Kinder maulten. Ihnen war das Atlantik eindeutig zu viel ChiChi, sie wollten lieber die handfesten Chicken Nuggets aus dem Harbour Market essen. Mit Ketchup! Wie sie wichtig betonten! Meine Schwester und mein Schwager gaben klein bei und erlaubten ihnen, allein ins Harbour Market zu gehen, um all den Kram zu essen, den sie wollten. Das Gemaule schlug schlagartig um in Gejohle, die Begeisterung war groß!
So kam es, dass wir ausnahmsweise zu Sechst im Atlantik aufliefen, was sich als 6er im Lotto herausstellen sollte. Wir bekamen tatsächlich einen der raren phantastischen Rundtische direkt vor den großen Heckfenstern zugewiesen! Jetzt war unser Gejohle groß und wir dankten den Kindern für ihre profanen Essensprioritäten. Der Blick auf die Heckwelle und den Sonnenuntergang über dem Meer war zusammen mit dem leckeren Essen absolut traumhaft. Diesen besonderen Platz haben wir richtig genossen. Als wir gingen, waren wir fast die letzten Gäste im Restaurant. Doch wohin jetzt? Nach Kabine stand uns allen nicht der Sinn, wir wollten weiter schön gemütlich irgendwo hin, was leckeres trinken und uns gepflegt unterhalten. Also ab ins Chalet!
Dazu kamen wir an der TUI Bar vorbei und keiner von uns hat verstanden, wie man die Fülle dort genießen kann. Im Chalet war es da doch viel gemütlicher, ruhiger und auch mit einer schnelleren Bedienung. Wir konnten toll am Fenster sitzen, testeten uns durch die Getränkekarte, die Kinder machten es sich in der Fensternische mit diversen Kissen bequem und ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wann und wie ich an dem Abend auf der Kabine gelandet bin ![]()
Erkenntnis des dritten Tages: voll, voller, am vollsten - das Schiff und ich ![]()