Mittwoch, 3. Mai 2023 – San Francisco
Und schon ist er da, unser letzter Tag in San Francisco. Die Zeit verfliegt, das glaubt man kaum. Nachdem wir nicht so recht an eine Wetterverbesserung glauben, geben wir unsere Fahrradpläne endgültig auf. Trotzdem wollen wir aber unbedingt zur Golden Gate Bridge, deswegen steigen wir auf den HoHo um (bei unserer Planung 202 hat der Tagespass noch 49,50 $ gekostet, 3 Jahre später schon 65,70 $ - eigentlich ein Wahnsinn. Aber das ist uns grundsätzlich aufgefallen, dass alles deutlich teurer geworden ist im Gegensatz zur ersten Planung). Der BigBus fährt nicht weit weg von unserem Hotel weg ab und das Wetter hält auch derzeit. Und so dauert es nicht lange und wir fahren los. Aufgrund der unsicheren Wetterlage und dem derzeitigen guten Wetter (ich habe echt noch nie solch abrupte Wetterveränderungen wie hier gesehen. Von Sonne zu Regen in einer Minute, oder in einer Straße) entscheiden wir uns gemeinsam bis zum North Vista Point zu fahren, also bis zur Golden Gate Bridge, ohne vorher auszusteigen (es wird im Nachhinein die richtige Entscheidung sein und uns geniale Fotos bescheren).
Die Fahrt über die Brücke am Oberdeck des HoHo ist dann eine echte Herausforderung. Der Wind führt dazu, dass man Angst um sein letztes Kleidungsstück haben muss – und das ist kein Scherz. Fotografieren traue ich mich gar nicht aus Angst, dass mir das Handy aus der Hand gerissen wird. Außerdem haben wir möglicherweise gravierende Kälteschäden davongetragen, so eisig war der Wind. Jetzt verstehe ich, warum vor der Fahrt über die Brücke empfohlen wird, ins Unterdeck zu gehen und Leute, macht das. Es war wirklich knapp, ich hatte echt Angst, Erfrierungen zu haben und/oder gravierende Teile meiner Kleidung zu verlieren. Aber irgendwann sind wir drüben, leben noch, haben noch alles Wichtige dabei (Kleidung, Brillen, Taschen, Männer) und stehen vor DER Brücke. Hammer! Aber kaum, dass wir ausgestiegen sind, und glücklich festgestellt haben, dass noch alles da ist, ist Ralf mal wieder weg (er hat einen leichten, durchaus ausgeprägten Fluchtdrang – Eva beschwört, es hat nichts mit ihr zu tun, wir sind skeptisch, weil mit uns kann es nichts zu tun haben), aber diesmal mit guten Grund. Ihr kennt doch sicher das Lied von Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ und hier besonders die Zeile „mit zerrissenen Jeans in San Francisco“? Nun ja, er hat sich tatsächlich umgezogen und eine kurze, zerrissene Jeans an. Es fehlt somit nur mehr Hawaii, und dann haben wir alles. Auf jeden Fall haben wir alle sehr gelacht – und mindestens alle Besucher rundherum kennen nun das Lied von Udo.
Der Blick auf die Brücke, welche 1937 eröffnet wurde und das Wahrzeichen von San Francisco ist, kann man dann wirklich als spektakulär bezeichnen, grandios. Das ist halt San Francisco für uns, diese Fotos sind ein weiteres Tantscha Must-do.
Dann haben wir uns noch zum Battery Spencer Point aufgemacht, auf der anderen Straßenseite. Dazu kann man die Straße mittels Unterführung unterqueren, auf der anderen Seite ist es gut ausgeschildert. Hier ist der Blick noch ein wenig geiler. Alle Postkartenphotos sind hier aufgenommen. Und ich muss sagen, uns passt die Brücke im Hintergrund auch sehr gut, unterstreicht sie doch die uns innewohnende Schönheit. Auf jeden Fall müsst ihr hierhin. Auch wenn der Weg dahin steil ist und voller Unebenheiten und Eva immer nur vorneweg läuft, und niemand bereit ist, meinen erschöpften Körper zu tragen – irgendwann habt ihr den Gipfel erreicht und es ist ein traumhafter Ausblick – es ist praktisch ein Berg zu bewältigen, auch wenn Eva sagt, das ist nicht mal ein Hügel (glaub ihr nicht, sie lügt eiskalt – das hat sie während der Reise ständig gemacht, um mich hinterrücks und voll niederträchtig bezüglich des Weges und der Ankunftszeit im Unklaren zu lassen „ist nur kurz“; „gleich sind wir da“; „nach der nächsten Kurve“; „mach kein Theater“ – sind nur wenige Aussagen, die dazu dienten, mir die Realität zu verschleiern).
Nachdem die Wolken nicht Gutes verheißen, machen wir uns langsam wieder auf zur HoHo-Haltestelle. Und das keine Sekunde zu früh, es fängt mal wieder zu regnen an. Aber egal, die Brücke war sonnig und der Hit. Öffentlich geht es dann zurück zu Ashbury Heights, das bunte Viertel wollen wir uns noch genauer anschauen. Irre Typen sind unterwegs und in der Luft liegt der süßliche Marihuana-Duft, die Häuser sind bunt und verrückt. Man kann die vergangenen Hippie-Vibes noch spüren. Weiter geht’s nach Chinatown, wir wollen noch zur „Golden Gate Fortune Cookie Factory“, in der seit 1962 Gückskekse produziert werden. Ist jedenfalls einen Besuch wert, wir haben Mitbringsel für zuhause geshoppt und die Kostproben genossen – wiederum eine klare Tantscha Empfehlung.
Danach sind wir für heute durch, wir haben fast alles geschafft, der Rest muss bis zum nächsten Mal warten. Abends gehen wir zum Abschluss unserer San Francisco Reise noch in die Cheesecake Faktory essen, Penny war zwar nicht zu finden, aber das Essen war ausgezeichnet.
Für morgen haben wir für 6:30 ein Auto reserviert, welches uns und im besten Fall all unsere Koffer zum Flughafen bringen soll. Es geht nach Hawaii und in die Sonne.
Hat es uns gefallen? Ja, auf jeden Fall. Ja, das Wetter hätte besser sein können, aber auch schlechter. Ja, Eva hätte netter zu mir sein können, aber auch schlimmer (sie hätte mich ganz sicher ohne schlechtes Gewissen die Straßen von San Francisco raufgetrieben – ich habe noch Alpträume von der Vorstellung, dass ich die steile Straße raufkeuche, verfolgt von einer lachenden, nicht ein bisschen außer Atem seienden Eva, mit einer Teppichklatsche in der Hand). Wir konnten alles machen, was wir wollten, mussten Pläne zwar anpassen, aber auch Plan B war super. Mehr war in 2,5 Tagen nicht drinnen, aber zur Not kommen wir einfach wieder. Ist ja auch keine schlechte Vorstellung.