16.09.2022 Einschiffung Bremerhaven
Die Nacht war etwas unruhig, insgesamt waren wir auch ziemlich aufgeregt oder zumindest mal voller Vorfreude. Nach dem Aufstehen haben wir festgestellt, dass unsere Frühstücksbox pünktlich vor der Tür stand – das also hat schonmal geklappt. Nachdem wir uns fertig gemacht und ich alle Koffer wieder ins Auto geschleppt habe [wie gesagt, passiert mir nicht nochmal…] ging es dann um ca. 10.00 Uhr endlich los in Richtung Schiff. Für meine Eltern hatte ich einen Early-Checkin gebucht, wir hatten als Suitengäste ja ohnehin kein Zeitfenster, für die Autos hatten wir Stellplätze auf P1 direkt am Anleger, es war also wenig Stress vorprogrammiert. Vom Hotel bis zum Anleger dauert die Fahrt vielleicht 10 Minuten, ist also echt kurz.
Und da war er dann endlich, der Moment, auf den wir uns drei Monate gefreut hatten und an den ihr alle Euch vermutlich noch ganz genau erinnert und den ihr noch heute fühlt, wenn ihr daran zurück denkt. Wir fuhren auf der Steubenstraße in Richtung des Columbus Cruise Centers und bogen mit dem Auto ab in Richtung Columbuskaje, und plötzlich war sie da: dieser unendlich große Koloss von Schiff, dieses fast 300 Meter lange und kaum enden wollende Stahlungetüm, die MeinSchiff3. In einem Bruchteil einer Sekunde fühlte ich mich in all meinen Vorurteilen bestätigt. Das kann nicht Euer Ernst sein, auf dieses riesige Schiff gehe ich niemals, das ist ja der absolute Wahnsinn…..
Der Schock saß noch etwas in meinen Knochen und es wurde nicht besser, je näher wir dem Schiff kamen, denn es wurde optisch immer größer. Das Parken verlief vollkommen ohne Probleme, die Koffer wurden auf großen Kofferwagen verstaut und wir mit der Erwartung, jetzt noch eine halbe Stunde in einer Schlange zu stehen, ab ins Cruise Terminal. Schubladendenken halt. Und was war? Nichts, es war einfach nichts los. Vor uns war überhaupt niemand, wir konnten direkt zur Kontrollstelle gehen und unsere provisorischen Boardkarten vorzeigen. Anschließend dann zum Schalter – brav ein Foto machen – und dann über die Rolltreppe und die Gangway auf Deck 5 am Theater ins Schiff. Ich war total platt, aber irgendwie war es auch mega aufregend.
Es war jetzt ungefähr 11.30 Uhr und uns wurde gesagt, dass wir eine SMS erhalten, sobald die Zimmer bezugsfertig sind. Also, was machen bis dahin? Na klar, erstmal auf den Schock irgend einen Platz finden und was Essen – immerhin lag das Frühstück ja schon wieder fast 2 Stunden zurück 😉 Die mehr zufällige Reise durch die Etagen und Fahrstühle führte uns in die Backstube, dann weiter in den Anckelmannsplatz, dahinter zu Gosch und dann doch wieder ganz schnell zurück in die Backstube, denn der riesige Anckelmannsplatz war uns irgendwie noch nicht ganz geheuer (und Gosch hatte noch geschlossen). Wir fanden einen Tisch, ließen erstmal alles sacken und begannen, uns zu orientieren. Okay, wir hatten es also wirklich getan, jetzt erstmal in Ruhe einen Kaffee. Aber denkste, denn in dem Augenblick bekamen meine Eltern eine sms „Willkommen an Board – Ihre Kabine xxxx ist jetzt für Sie bereit“, also mussten meine Eltern natürlich schnell zu ihrer Kabine laufen, nicht dass die doch noch anderweitig vergeben wird…. Da wir keine Lust hatten, alleine in der Backstube zu sitzen, sind wir mitgelaufen und haben uns mal angeschaut, wie die Kabine aussieht. Die Kabine war total schön, aber die Koffer waren noch nicht da – also erstmal schnell zur Seenotrettungsübung, was weg ist ist weg. Auf dem Weg dorthin bekamen wir eine weitere SMS, dass jetzt auch unsere Kabine bezugsfertig ist. Wir sind aber weiter ins Theater und haben uns dort 5 Minuten lang zeigen lassen, wie man eine Schwimmweste anzieht und wie man in die Pfeife trällert. So oft, wie betont wurde, dass Tui aufgrund internationaler Gesetze dazu verpflichtet sei, diese Übung durchzuführen, bekam man schon den Eindruck, wie viel Lust die Besatzung hatte, uns über den hoffentlich nie eintretenden Fall eines Notfalls aufzuklären. Umgekehrt hielt sich aber auch die Lust der Passagiere an dieser Übung meiner Wahrnehmung nach in engen Grenzen, also passte es ja wieder. Durchgeführt wurde die Übung übrigens von einer Mitarbeitern des Kids-Clubs – warum denn auch nicht…? Danach sind wir dann auf unser Zimmer.
Wir hatten uns ja kurzfristig für eine freigewordene Himmel-und-Meer-Suite entschieden, also hoch auf Deck 14. Die HuM-Suite ist echt riesig, hat aber einen entscheidenden Nachteil, jedenfalls für mich, und zwar hat sie kein zu öffnendes Fenster im Wohnraum. Man kann zwar die Tür zu dem darüber liegenden Balkon öffnen, aber erstens ist da je nach Wetterlage nur eingeschränkt möglich, und zweitens kommt dadurch unten auch nicht ewig viel frische Luft an. Zusätzlich hat mich die Suite auch geruchlich nicht überzeugt. Wir haben bei uns in der Gegend eine Bauern, bei dem wir im Sommer Himbeeren pflücken können. Die Himbeeren wachsen allerdings in einem Gewächshaus, welches an beiden Enden offen ist. In dem Gewächshaus ist es regelmäßig ordentlich warm und auch stickig, vermutlich wachsen daher die Himbeeren so gut. Die HuM hat über der Treppe einen ziemlich großes Glasdach, welches zwar ordentlich Licht von oben hereinlässt, aber nicht verdunkelt werden kann. Sobald die Sonne darauf steht hat man geruchlich permanent das Gefühl, sich in einem Hallenbad oder halt Gewächshaus zu befinden. Ich weiß nicht, ob das in jeder HuM so ist, ich jedenfalls hatte diese Eindrücke. Ich gebe allerdings zu, dass das Meckern und hohem Niveau ist, also will ich das mal nicht vertiefen. Die Koffer waren leider noch nicht da, was schade war, denn so langsam hätte ich mir gerne mal was frisches angezogen. Anschließend haben wir uns noch kurz die X-Lounge angeschaut, die nur ein paar Schritte von unserem Zimmer entfernt lag, was sich am nächsten Tag noch als ganz brauchbar herausstellte, als Teile unseres Zimmers nicht in der Lage waren, ein Restaurant aufzusuchen…. Aber dazu später mehr. Die Stimmung in der X-Lounge kann man mit Fug und Recht als gediegen bezeichnen, ich kam mit in Jeans und Hoodie ziemlich underdresst und auch deplatziert vor – also schnell wieder raus.
Am Nachmittag, wir standen immer noch an Anleger, war dann Eltern-und-Kinder-Kennenlernen im Kids-Club, da haben wir dann die nette Kollegin von der Seenotrettungsübung wiedergetroffen und unser Sohn war sofort schockverliebt, allerdings nicht in die Betreuerin, sondern in die Räumlichkeiten, denn neben einem Holzboot zum Klettern und tausenden von Spielen befand sich dort auch ein mit dicken Matten gesicherter Bereich mit einer Kletterwand und Schwingseilen. Ich nehme es mal vorweg, der Kids-Club ist echt mega! Während unser Sohn sich den Bereich erkundete unterhielten wir uns mit ein paar Erziehern. Tja, wird ja leider keine so angenehme Überfahrt nach Norwegen, sagte eine der Erzieherinnen dann im Gespräch. Wie bitte???? Was hat die gesagt? Ja, der Kapitän hätte vorhin der Besatzung schonmal gesagt, dass man Windstärke 11 und 6 bis 7 Meter hohe Wellen erwartet und man daher schonmal anfangen soll, ein paar Sachen in den Regalen zu sichern.
Nicht Euer ernst! Ich gehe zum ersten Mal in meinem Leben auf ein Kreuzfahrtschiff, nachdem ich mich jahrzehntelang dagegen gewehrt habe, und dann fahren wir in einen Sturm???? Was soll das denn bitteschön bedeuten? Das ist doch ein Zeichen! Komme ich noch irgendwie vom Schiff wieder runter? Wann kommt Guido Cantz lachend um die Ecke und brüllt „Da hinten ist eine Kamera, da vorne auch und hier ebenfalls ….“ – das waren nur einige der Gedanken, die mir in dem Moment durch den Kopf geschossen sind. Aber gut, was will man machen, wird schon schief gehen. Ging es dann ja auch – schief…
Nach dieser supertollen Nachricht mussten wir jetzt aber dringend was? Genau, Essen! Also ab in den Anckelmannsplatz und zum Kinderbuffet. Direkt in der Nähe davon sind große Tische, die nur für Eltern reserviert sind, deren Kinder an den Kindertischen des Kinderbuffets sitzen. Ganz praktisch, jedenfalls für Eltern. Während des Essens hörten wir dann zum ersten Mal den freundlichen Grafen singen, und alle strömten raus. Wir nicht, weil wir erstens Hunger hatten und weil es zweitens schon recht ordentlich regnete. Wir beobachteten lieber bei einem Gläschen Wein die Lotsenbote, die uns langsam aber sicher in Richtung Meer zogen. Ich bin übrigens niemand, der oft und viele Fotos vom Essen macht. Ich hab dafür ungefähr 800 Landschaftsfotos gemacht. Okay, einige davon waren sicherlich doppelt und andere überflüssig, aber bei den restlichen sind echt ein paar schöne dabei und die zeige ich Euch, wenn es thematisch passt. Aktuell passt es noch nicht so sehr, denn wir sind ja immer noch beim Auslaufen.
Mit jeder halben Stunde, die wir unterwegs waren, schaukelte das Schiff kräftiger und kräftiger. Wobei schaukeln vermutlich der falsche Begriff war, denn es war mehr ein auf und ab. Jetzt mag es Mitreisende geben, die das anders empfunden haben, weil sie vielleicht schon 130 Kreuzfahrten hinter sich hatten, aber für einen Anfänger wie mich hat es merklich geschaukelt und wenn man sich den Pool angesehen hat dann hätte man geglaubt, dass Tui dort ein Wellenbad eingebaut hätte… Man kann das auf Fotos - finde ich - immer ziemlich schlecht sehen, aber vielleicht erkennt der eine oder die andere ja, dass das Wasser im Pool nicht so aussieht, wie es bei ruhiger Fahrt aussehen sollte. Das Wasser, was hinten im Pool fehlt, schwappt gerade vorne über und bricht in einer kleinen Welle....