Beiträge von double999

    20.09.2022 – Nordfjordeid – Teil 1

    Noch immer vollkommen beseelt von den Eindrücken in Geiranger wachten wir in Nordfjordeid und damit erneut vor einer Kulisse auf, die jedem Menschen, der kein Herz aus Eis hat, die Freudentränen in die Augen schießen lässt. Meine Güte, wie schön ist das hier??? Ich konnte es kaum fassen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen bzw. versteckte sich noch hinter den Bergen, auf den Dächern der Häuser lag eine Mischung aus Morgentau und Raureif und der Himmel war wolkenlos blau.


    Nordfjordeid meinte es an dem Tag wirklich gut mit uns und ich kann schon jetzt ankündigen, dass das der Beitrag mit den meisten Fotos wird. Da ich leider immer nur 10 Bilder pro Beitrag einbetten kann, muss ich alles auf drei Posts verteilen. Sorry dafür. Überhaupt nimmt das Verkleinern der Bilder von 20 auf unter 1MB die meiste Zeit beim Verfassen eines Beitrages in Anspruch. Für die nächste Reise suche ich mein altes Nokia N90 mit der 2MP-Kamera wieder raus, da werden die Fotos dann wenigstens von vornherein schlecht…

    Die ersten Tage waren zwar jetzt vom Wetter her auch nicht wirklich schlecht, jedenfalls für Norwegen, aber heute war es nahezu windstill, sonnig und warm. Meine gefütterte Regenjacke, die ich angezogen hatte (irgendwie traut man dem Braten ja nicht) war an dem Tag definitiv ein Fehlgriff…

    Nach dem üblichen Foto der MS3 in seiner Liegeposition


    ging es ab in Richtung…. na, wer weiss es? Richtig: In Richtung Touristeninformation. Wie blieben unserem Motto „eine gute Vorbereitung braucht keinen Tui-Ausflug“ treu und freuten uns auf die Bimmelbahnfahrt mit dem Trollzug durch den Ort. Der Trollzug hält u.a. beim Gräberfeld Hæreid und der alten Kirche Gamle Kyrkje aus dem Mittelalter. Ich hatte am Abend vorher nochmal alles über Eidfjord gelesen und erkundigte mich bei der Touristeninformation danach, wo wir denn den Zug finden könnten. Insbesondere unser Sohn freute sich natürlich wahnsinnig auf den Trollzug. Das Problem an alledem war, dass wir überhaupt nicht in Eidfjord waren, sondern in Nordfjordeid. Genau das erklärte uns gerade der nette Mitarbeiter an der Touri-Info und er konnte sich dabei ein kleines Lächeln nicht ganz verkneifen – was ich ihm aber auch wirklich nicht übel nehmen konnte! Oh man, wie doof muss man eigentlich sein?!? Ich musste in meinem Kopf also alles, was ich über Eidfjord gelesen hatte, schnell in eine ungenutzte Schublade legen und umplanen. Das Schlimmste daran war, dass ich meinem Sohn erklären musste, dass er jetzt nicht gleich mit einem Trollzug fahren kann, was zu ein paar herzzerbrechenden Kullertränchen geführt hat.

    Aber, hilft ja nichts. Wir waren also in Nordfjordeid. Und? Was kann man hier so machen? Keine Ahnung, ich war ja nicht vorbereitet… Nach kurzer Beratung entschieden wir uns für eine Fahrt zum Tvinnefossen Wasserfall, dem einzigen nicht von Menschen geschaffenen Wasserfall in Europa, bei dem man hinter den Wasserfall gehen kann. Der Ausflug kostet pro Person knapp 50 Euro und sollte in ein paar Minuten losgehen. Wie verabredet begaben wir uns zum Treffpunkt und pünktlich kam ein Minibus, der uns zum Tvinnevossen bringen sollte. In dem Bus hatten gut und gerne 20 Menschen Platz, es hatten aber nur insgesamt 6 Leute den Ausflug gebucht – außer uns 5 also nur noch eine weitere Person. Die Fahrt dauerte ca. 30 Minuten und führte uns ins kleine Dörfchen Randsbyga. Dort stiegen wir aus und vereinbarten mit dem Fahrer, dass wir uns in zwei Stunden wieder treffen. Der Weg zum Wasserfall ist etwa 1,5 Kilometer lang und auch von Kindern gut zu bewältigen. Also knapp 30 Minuten jeweils für den Hin- und Rückweg und dann eine Stunde Aufenthalt am Wasserfall. Der Weg führt vorbei an einem sensationellen Berg-/Tal-Panorama, über verschiedene kleine Höfe und durch einen Wald. Wir kamen aus dem Staunen kaum heraus und wussten zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, was da noch auf uns zukommt.

    ....

    double999

    In Deinem Beitrag Nr. 85, 5. Bild erkenne ich einen großen Stiefel neben den Wasserfällen im Fels. :thumbup:

    Auf Bild 5? Also bei den 7 Schwestern? Oder Bild 6? Beim Freier? Auf Bild 6 sieht man die nie enden wollende Flasche, an deren Inhalt sich der Freier aus Trauer darüber, dass er keine der 7 Schwestern erobern konnte, totgetrunken hat.... Einen Stiefel auf dem Bild mit den 7 Schwestern habe ich noch nicht gefunden. Aber weisst Du, Norwegen ist halt ziemlich mystisch, da kann echt alles passieren.... ;)

    Die Piroutte bei den Schwestern ist wirklich toll. Wurde bei Euch auch währenddessen über die Bordlautsprecher die zugehörige Sage vorgelesen?

    Es hat jedenfalls die Bord-Lektorin die gesamte Geschichte der 7 Schwestern und des Freiers erzählt und das wurde über die Lautsprecher übertragen. Ob das vorgelesen oder frei erzählt war weiß ich nicht. War so oder so aber wirklich gelungen!

    19.09.2022 – Geirangerfjord – Teil 2


    Unser Sohn war zwischenzeitlich im Kids-Club und wir hatten ein wenig Zeit für uns. Nach einem frühen Abendessen im Anckelmannsplatz stand das Highlight des Tages auf dem Programm, die Ausfahrt aus Geiranger. Das Pooldeck war voll, also sind wir ab auf das X-Sonnendeck, denn das hatten wir mehr oder weniger für uns. Schon die Ausfahrt aus dem Fjord war toll,


    vorbei an einem versteinerten Troll


    aber dann näherten wir uns den 7 Schwestern und – gegenüber – dem armen Freier, der – der Sage nach - vor Kummer, weil er keine der 7 Schwestern für sich erobern konnte – zur Flasche griff, die man ziemlich gut im Felsen kann….

    Das Schiff hielt an und vollzog eine 360-Grad-Drehung, damit auch wirklich jeder auf dem Schiff, egal von welcher Seite aus, einen besten Blick auf diese Naturschönheiten hatte.

    Ich war WIRKLICH beeindruckt.

    Nach der Ausfahrt widmeten wir uns noch dem einen oder anderen Glas Weißwein und waren dankbar, das erleben zu dürfen.

    Spätestens jetzt waren der Sturm und der Seegang der ersten Tage vergessen. Wir waren froh und glücklich und konnten kaum erwarten, was uns auf der Reise noch erwarten sollte. Am nächsten Tag legten wir dann in Nordfjordeid an – einem ebenfalls großartigen Städtchen….


    tbc

    19.09.2022 – Geirangerfjord – Teil 1


    Was soll ich Euch sagen? Der 15 Kilometer lange Geirangerfjord gehört vollkommen zurecht seit 2015 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Ich gebe zu, dass ich das frühe Einlaufen verschlafen habe, aber als ich die Augen öffnete und aus dem Fenster blickte waren wir noch unterwegs und ich das erste Mal an diesem Tag einfach nur platt – weitere Male sollten folgen.

    Da ist man als Gast auf einem 300 Meter langen Kreuzfahrtschiff, also immerhin 3 Fussballplätze hintereinander lang und sicher 30 oder 40 Meter hoch, und wenn man im Geirangerfjord an Deck steht und diese atemberaubende Kulisse erblickt, dann kommt man sich soo sooooooo klein und unbedeutend vor – es ist wirklich unfassbar! Du siehst auf spiegelglattes Wasser, schaust an nie enden wollenden grünen Felsen hinauf. Und wenn Du es doch geschafft hast, Dir den Hals zu verrenken, dann siehst Du Schnee. Die Luft ist klar und riecht und schmeckt einfach nur sauber und gesund. Ganz ehrlich? Ich kann die norwegische Regierung verstehen, dass sie das Ziel haben, die Fjorde bis spätestens 2026 emissionsfrei zu haben, so dass dann mit Schweröl betriebene Kreuzfahrtschiffe nicht mehr in die Fjorde fahren dürfen…


    Die 7 Schwestern, der Freierwasserfall, der Troll im Berg, tiefe Wolken, Nebelschwaden und Stille - man kann diese Emotionen nur verstehen, wenn man es selbst gesehen hat. Aber der Reihe nach…..


    Nach einem ausgedehnten Frühstück sind wir runter vom Schiff und ab ins Touristencenter, welches sich direkt am Cruise Ship Terminal befindet. Ich hatte eigentlich Interesse an einem schönen geführten Ausflug mit Minibus, war aber leider schon ausgebucht. Möglich gewesen wäre noch eine Speedboat-Tour, aber das ist mit kleinem Kind nicht so entspannend. Was geht immer? Richtig: Hop-on- / Hop-off Bus.


    1 Busroute, vier Haltestellen (Cruise Ship Terminal, Norwegian Fjord Center, Westeras Farm und Flydalsjuvet Aussichtspunkt), beliebig viel Zeit an jeder Haltestelle, Kosten 350 Kronen – genau das Richtige! Also, Karten gekauft und eingestiegen.


    Wir fuhren los und ziemlich schnell gewannen wir an Höhe. Vorbei an kleineren Wasserfällen, an Felsen, an mehr Wasserfällen, an noch mehr Felsen, an immer größeren Wasserfällen, immer höher, und dann waren wir auch schon da, am Flydalsjuvet Aussichtspunkt. 15 Minuten Pause, um die tolle Aussicht und die Atmosphäre zu genießen.



    Zurück im Bus ging es auf direktem Wege wieder den gesamten Weg hinunter bis zu dem Punkt am Cruise Terminal, an dem wir eingestiegen sind. Häh? War da die nicht Rede von 4 Stopps und endlos viel Zeit an jedem Halt? Ich dachte ich unterhalte mich mal mit dem Busfahrer. Es stellt sich heraus, dass man – wie in einem Linienbus – auf die „Halt“-Taste drücken muss, wenn man aussteigen möchte. Und da niemand gedrückt hat, ist er halt weitergefahren bis zum Aussichtspunkt, weil er da ohnehin halten musste. Das gab eine Menge langer Gesichter in unserer Reisetruppe, aber jedes Problem schreit ja nach einer Lösung. Und die Lösung in dem Fall war: Wir fahren die Tour einfach nochmal, denn das Ticket im Hop-on- / Hop-Off-Bus ist grundsätzlich 24 Stunden lang gültig. Der Busfahrer gab uns den Tipp – und den kann ich vorbehaltlos weitergeben – am Norwegian Fjord Center auszusteigen und dann an den Wasserfällen zurück in Richtung Hafen zu laufen. Gesagt, getan.


    Also wieder rein in den Bus, wieder Felsen, wieder Wasserfälle, aber diesmal nur bis zur Hälfte es Weges – dann Ausstieg am Norwegian Fjord Center. Als ich ausstieg bildete sich gerade ein Regenbogen über dem Fjord



    Anschliessend liefen wir dann die Treppenstufen hinunter zum Hafen, vorbei an einem großen, lauten, kräftigen und wahnsinnig beeindruckenden Wasserfall.


    Unten angekommen liefen wir noch ein wenig durch den kleinen Ort


    fanden ein tolles Atelier, in dem meine Frau drei Bilder auf Leinwand und eine Skulptur kaufte, verirrten uns ins Schokoladenmuseum und zwei Souvenirshops (wir brauchten dringend noch Trolle und Magneten) und dann zurück aufs Schiff. Es war ja schließlich schon 16.00 Uhr und daher Zeit für Kuchen.

    Die Fahrt dauert ca 70 Minuten und führt nicht nur durch die Altstadt Alesunds, sondern auch auf den Aksla, den bekanntesten Berg der Region und dort zum Aussichtspunkt Fjellstua, einem Restaurant mit einer Panoramaterrasse. Man dorthin entweder 418 Stufen hochlaufen, was mit kleinem Kind keine überragend gute Idee ist, oder halt fahren. Wir entschieden uns fürs Fahren. Oben angekommen gab es eine 15 minütige Fotopause am Fjellstua mit einem atemberaubenden Blick über Alesund.



    Die Fahrt endete dort, wo sie begonnen hat, also in der Nähe des Hafens. Mittlerweile war es 16.00 Uhr und wir beschlossen, dass uns jetzt ein Kuchen ganz gut zu Gesicht stehen würde, und zwar einer auf dem Schiff. Unser Sohn wollte ohnehin gerne in den Kids-Club, also bin ich mit meiner Frau und unserem Sohn wieder aufs Schiff gegangen, während meine Eltern und Schwiegereltern noch ein wenig durch Alesund gelaufen sind. Auf dem Weg dorthin sind wir bedauerlicherweise noch an einem Souvenir-Laden vorbeigekommen, den meine Frau leider leerkaufen musste….


    Naja, man ist ja nur einmal in Alesund (und einmal in Geiranger, einmal in Nordfjoreid, einmal in Bergen und einmal in Stavanger).


    Und so ging er dann gemütlich zu Ende, der erste Landtag auf unserer Norwegenreise. Um 18.00 Uhr legte die Norwegian Prima ab, und um 22.00 Uhr sind wir dann ausgelaufen in Richtung Geirangerfjord, aus meiner Sicht einem absoluten Routenhighlight.


    tbc

    18.09.2022 Alesund – Land in Sicht! Teil 1

    Am Morgen wurden wir ziemlich früh wach. Die Nacht war ruhig, das Meer auch. Durch den Sturm sind wir anstatt um 08.00 Uhr erst mit einer Verspätung von 3,5 Stunden, also um 11.30 Uhr in Alesund angekommen. Die gebuchten Vormittagsausflüge wurden daher gestrichen. War für uns jetzt nicht so wichtig, weil wir keine gebucht hatten, aber der eine oder andere war davon nicht ganz so begeistert. Das erste Anlegen zu beobachten war ziemlich beeindruckend. Wir haben direkt hinter der Norwegian Prima festgemacht.


    Es war bedeckt, aber trocken. Aber, viel wichtiger, wir konnten nach fast 42 langen Stunden endlich wieder mal an Land! Also, runter vom Schiff und mal schauen, was der Tag so bringt. Wir hatten das Schiff kaum verlassen, da fanden wir auch schon die ersten Touristeninfos mit Ausflugsmöglichkeiten. Wir haben dem erst einmal keine Aufmerksamkeit geschenkt und sind stattdessen in Richtung Altstadt gegangen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an Cafés und Imbissbuden vorbei und konnten zum ersten Mal einen Eindruck davon bekommen, wie hoch die Lebensmittelkosten in Norwegen sind. Eine Tasse Kaffee kostete 45 NOK, Fish & Chips 200 NOK – das ist ordentlich…. Wir hatten aber ja ganz gut gefrühstückt und konnten daher zum Glück vorerst verzichten.


    Alesund ist bekanntlich die Stadt des Jugendstils. Was heute so wunderschön anzusehen ist, hat einen tragischen Ursprung, denn Alesund ist in einem schweren Brand im Jahr 1904 nahezu zerstört worden und wurde sodann im Zeitalter des Jugendstils wieder aufgebaut. In der Schwanenapotheke befindet sich heute ein Museum, in dem die Historie Alesunds sehr schön aufbereitet wurde. Der Eintritt beträgt 225 NOK, also knapp 22 Euro, und lohnt sich definitiv.



    Anschliessend sind wir eine Weile planlos durch Alesund gelaufen. Hoch zur Kirche, runter zum Marktplatz.



    Immer wieder ist uns eine blaue Bimmelbahn über den Weg gefahren. Ach ja, da war ja was, direkt am Schiff war doch auch der Startplatz der Bimmelbahn, besser gesagt des City Trains. Also wieder zurück zum Schiff, für unsere Reisetruppe Karten gekauft und losgefahren.

    Habt Ihr eine Reise-Krankenversicherung: da könnt Ihr die Rechnung einreichen, die übernehmen das im Regelfall.

    Ja klar, wir haben zum Glück eine Versicherung abgeschlossen und es wurden auch alle Beträge bereits erstattet - Ändert aber nichts an der Preisgestaltung, die mir recht ordentlich erscheint. Meine Frau war insgesamt zweimal im Bordhospital. Die dachten erst, dass man es mit Buscopan behandeln kann, am zweiten Tag wurde dann ein Antibiotikum verordnet. Gesamtpreis für beide Behandlungen inklusive Medis 500 Euro.

    Ich habe mitbekommen, dass sich Gäste reihenweise dort Vomex bzw. Reisetabletten haben geben lassen, und die Packungen lagen auch bei ca 50 Euro - plus Konsultation.... An der Rezeption wurden kostenlos Ingwerbonbons verteilt, aber die helfen halt auch nur so halb bis gar nicht

    17.09. Seetag

    Für heute gibt es leider nicht furchtbar viel zu berichten. Die Nacht war grausam, ich habe gefühlt kein Auge zubekommen. Auf und ab, auf und ab, auf und ab. Dazu stickige Luft und keine echte Chance, die Tür oben dauerhaft zu öffnen. Ich konnte zwar hochgehen und die Tür öffnen, aber der Wind (Sturm) war zu stark und hat sie immer wieder zugedrückt. Dazu merkte man ziemlich deutlich, dass wir nicht auf einem Papierschiff wohnten, sondern dass hier vermutlich die eine oder andere Tonne Stahl verbaut wurde – jedenfalls knarzte und knackte das Schiff ziemlich deutlich. Und wenn man solche Geräusche erstmalig hört, und so ging es mir, dann können die Geräusche mitunter schonmal irrationale Ängste auslösen. Was passiert hier gerade? Kann das Schiff eigentlich umkippen? Hört sich das noch normal an? Fragen über Fragen, die mich vom Schlaf abgehalten haben. Der Kopf weiß eigentlich, dass nichts passieren kann, aber der Bauch meldet ein mulmiges Gefühl…

    Soweit es das grausame Internet [also ganz im Ernst, so eine schlechte Verbindungsqualität hat man nicht einmal, wenn man im Deutschen Bergbaumuseum 20 Meter unter Tage fährt. Das ist schon echt eine Frechheit, dafür Geld zu verlangen] es zuließ, schaute ich auf die MeinSchiff-App. Ich bin nicht sicher, wie genau die dortigen Anzeigen sind, aber angeblich hatten wir morgens um 05:26 Uhr, als wir gerade auf der Höhe von Aarhus / Dänemark waren, Windgeschwindigkeiten von 168 km/h.


    Keine Ahnung, wie sich 168 km/h anfühlen, aber wenn ich mir so ansehe, wie ich mich gefühlt habe, dann kommt das schon hin.

    Das sieht auf den Bildern immer alles so harmlos aus, aber ich zeig es Euch trotzdem:


    Kurze Zeit später wurden wir dann beim Blick aus dem Fenster allerdings das erste Mal verwöhnt, denn es zeigte sich ein wunderschöner Regenbogen.



    Ich hab mich zwar gefragt, wo die dafür notwendige Sonne denn wohl sein mochte, aber schön was es trotzdem.


    Nach dem Aufstehen war dann ziemlich schnell klar, dass an ein geordnetes Frühstücken gehen nicht zu denken war. Meine Frau hing immer noch in den Seilen und unser Sohn sah auch nicht gerade glücklich aus. Also hab ich mir ein paar Klamotten drüber geworfen und bin in die X-Lounge gegangen, die ja zum Glück nur ein paar Meter von unserer Kabine entfernt lag. Nachdem ich erklärte, dass ich mich nicht setzen, sondern vielmehr etwas zu Essen mit aufs Zimmer nehmen wollte, weil es unserem Sohn nicht so gut ging, wurde mir recht freundlich angeboten, dass man jetzt gerne meine Bestellung aufnehmen und uns dann alles aufs Zimmer bringen könnte. Das Angebot konnte ich nicht ablehnen, und so fand ein zumindest kleines Frühstück bei uns auf dem Zimmer statt. Wobei, so richtig gut war das auch nicht, denn meine Frau hatte sich zu allem Überfluss auch noch einen Infekt eingefangen und so haben wir erstmal dem Bord-Hospital einen Besuch abgestattet. [Keine Sorge, die Horrorgeschichten haben bald ein Ende, aber es ist tatsächlich genau so passiert…]


    Das Bord-Hospital war am morgen jedenfalls brechend voll, und zwar leider im wahrsten Sinne aller Worte. Ich lass den Satz mal so stehen, überlasse es Eurer Fantasie und gebe nur den Hinweis, dass Tui sich an dem Tag vermutlich beim Verkauf von Vomex doof und dösig verdient hat. Ich habe seit dem Urlaub auch das Wort „Apothekerpreise“ aus meinem Wortschatz gestrichen und es gegen „Tui Mein Schiff Bord-Hospital-Preise“ ersetzt. Ist zwar ein ziemlich sperriger Begriff, aber wer mal 60 Euro für einer 20er-Packung Buscopan ausgegeben hat, der weiß, wovon ich rede…

    Nach dem Aufenthalt jedenfalls sind wir erstmal wieder zurück aufs Zimmer, dort kamen uns dann unsere Eltern besuchen, die lustigerweise überhaupt keine Probleme mit dem Wetter und den Wellen hatten. Balkonkabine auf Deck 10 müsste man haben….

    Wie gesagt, so viel zu berichten gibt es für den Tag gar nicht – es war halt ein stürmischer Seetag, wobei ich zugeben muss, dass die Schaukelei im Laufe des Tages entweder weniger wurde, oder aber sich ein gewisser Gewöhnungseffekt einstellte. Es ist ja ohnehin erstaunlich, wozu der menschliche Körper so in der Lage ist. Ich habe neulich einen Bericht über Mario Salcedo gelesen, der seit 1997 durchgehend als Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff lebt und dort auch arbeitet. Der kann mittlerweile nur noch sehr schwer an Land gehen, weil er den festen Untergrund nicht mehr gewöhnt ist und daher an Land nicht mehr geradeaus laufen kann…

    Naja, der Tag plätscherte dann so dahin, es klarte gegen Nachmittag und Abend weiter auf...


    .....und so trauten wir uns am Abend mal in das Atlantik Mediterran. Ich hab zwar bis heute nicht den Unterschied zwischen dem Mediterran und dem Classic verstanden, denn die Karten waren identisch, wir waren aber jedenfalls im Mediterran. Das Essen war gut, die Stimmung auch – es waren scheinbar alle überrascht, dass sie noch am Leben sind – und so war es dann der erste tolle Abend auf dem Schiff und auch die anschließende Nacht war– jedenfalls im Vergleich zur Nacht davor – ein Traum.

    Morgen früh sind wir dann in Alesund und damit endlich wieder an Land… ich freu mich schon drauf!


    tbc

    Es war zu dem Zeitpunkt zwar noch weit weg von elending, aber immerhin schaukelte es schon merklich - und elendig kam dann später leider noch dazu.

    Nach dem Essen ging es unserem Sohn nicht mehr so richtig gut und wir beschlossen, aufs Zimmer zu gehen. Für meine Frau und mich habe ich aus der X-Lounge noch eine Flasche Wein mit aufs Zimmer genommen, die wir gemütlich trinken wollten, wenn unser Sohn schlief. Daraus wurde leider nichts, weil unser Sohn sich ob des ganzen Geschaukels übel übergeben musste, und meiner Frau ging es auch nicht mehr besonders gut. Ich selber musste mich beim Gang vom Bett zum Badezimmer wahlweise am Schrank oder der Wand festhalten. Wie gesagt, das sind nur meine Empfindungen, sehr wahrscheinlich haben andere das ganz anders und viel harmloser wahrgenommen. Ganz objektiv hatten wir aber halt wirklich Windstärke 11 und 6 Meter hohe Wellen und die HuM ist halt ziemlich weit oben und ziemlich weit vorne, also ziemlich weit weg vom Schwerpunkt des Schiffs. Die Aussicht darauf, dass uns nun ein kompletter Seetag bevorstand, bei dem es kaum Aussicht auf Besserung gab, war eher nicht so witzig. Ein Blick auf die Wetterkarte zeigte dann auch schwarz auf weiss, oder besser gesagt rot auf orange, was uns erwartete.



    War ja klar. Zwei Wochen vorher ging man noch davon aus, dass der windstille Sommer wohl noch so ungefähr zwei bis drei Jahre anhalten könnte, weil nun wirklich kein Schlechtwettergebiet im Anmarsch sei, und dann zieht bei unserer ersten Nacht auf dem Wasser ein Sturm auf. Einer der letzten Sätze meiner Frau jedenfalls, bevor die Reisetabletten gewirkt haben und sie einschlief, war: Also, die USA-Reise kannst Du mal schön stornieren! Und ich schlief mit dem Gedanken und der Frage ein, wie man von unserem ersten Hafen in Alesund wohl auf direktem Wege wieder zurück nach Bremerhaven gelangen könnte. Hubschrauber, Flugzeug, Auto, vollkommen egal – Hauptsache diese Schaukelei hatte ein Ende. Hatte sie übrigens auch, aber erst 40 Stunden und einen Seetag später….


    tbc


    P.S.: Diesen Beitrag musste ich auf zwei Beiträge aufteilen, weil es scheinbar eine 10.000-Zeichen-Begrenzung gibt. Und zwei Beiträge innerhalb von 30 Sekunden ist auch verboten. Ich gelobe Besserung....

    16.09.2022 Einschiffung Bremerhaven

    Die Nacht war etwas unruhig, insgesamt waren wir auch ziemlich aufgeregt oder zumindest mal voller Vorfreude. Nach dem Aufstehen haben wir festgestellt, dass unsere Frühstücksbox pünktlich vor der Tür stand – das also hat schonmal geklappt. Nachdem wir uns fertig gemacht und ich alle Koffer wieder ins Auto geschleppt habe [wie gesagt, passiert mir nicht nochmal…] ging es dann um ca. 10.00 Uhr endlich los in Richtung Schiff. Für meine Eltern hatte ich einen Early-Checkin gebucht, wir hatten als Suitengäste ja ohnehin kein Zeitfenster, für die Autos hatten wir Stellplätze auf P1 direkt am Anleger, es war also wenig Stress vorprogrammiert. Vom Hotel bis zum Anleger dauert die Fahrt vielleicht 10 Minuten, ist also echt kurz.

    Und da war er dann endlich, der Moment, auf den wir uns drei Monate gefreut hatten und an den ihr alle Euch vermutlich noch ganz genau erinnert und den ihr noch heute fühlt, wenn ihr daran zurück denkt. Wir fuhren auf der Steubenstraße in Richtung des Columbus Cruise Centers und bogen mit dem Auto ab in Richtung Columbuskaje, und plötzlich war sie da: dieser unendlich große Koloss von Schiff, dieses fast 300 Meter lange und kaum enden wollende Stahlungetüm, die MeinSchiff3. In einem Bruchteil einer Sekunde fühlte ich mich in all meinen Vorurteilen bestätigt. Das kann nicht Euer Ernst sein, auf dieses riesige Schiff gehe ich niemals, das ist ja der absolute Wahnsinn…..

    Der Schock saß noch etwas in meinen Knochen und es wurde nicht besser, je näher wir dem Schiff kamen, denn es wurde optisch immer größer. Das Parken verlief vollkommen ohne Probleme, die Koffer wurden auf großen Kofferwagen verstaut und wir mit der Erwartung, jetzt noch eine halbe Stunde in einer Schlange zu stehen, ab ins Cruise Terminal. Schubladendenken halt. Und was war? Nichts, es war einfach nichts los. Vor uns war überhaupt niemand, wir konnten direkt zur Kontrollstelle gehen und unsere provisorischen Boardkarten vorzeigen. Anschließend dann zum Schalter – brav ein Foto machen – und dann über die Rolltreppe und die Gangway auf Deck 5 am Theater ins Schiff. Ich war total platt, aber irgendwie war es auch mega aufregend.

    Es war jetzt ungefähr 11.30 Uhr und uns wurde gesagt, dass wir eine SMS erhalten, sobald die Zimmer bezugsfertig sind. Also, was machen bis dahin? Na klar, erstmal auf den Schock irgend einen Platz finden und was Essen – immerhin lag das Frühstück ja schon wieder fast 2 Stunden zurück 😉 Die mehr zufällige Reise durch die Etagen und Fahrstühle führte uns in die Backstube, dann weiter in den Anckelmannsplatz, dahinter zu Gosch und dann doch wieder ganz schnell zurück in die Backstube, denn der riesige Anckelmannsplatz war uns irgendwie noch nicht ganz geheuer (und Gosch hatte noch geschlossen). Wir fanden einen Tisch, ließen erstmal alles sacken und begannen, uns zu orientieren. Okay, wir hatten es also wirklich getan, jetzt erstmal in Ruhe einen Kaffee. Aber denkste, denn in dem Augenblick bekamen meine Eltern eine sms „Willkommen an Board – Ihre Kabine xxxx ist jetzt für Sie bereit“, also mussten meine Eltern natürlich schnell zu ihrer Kabine laufen, nicht dass die doch noch anderweitig vergeben wird…. Da wir keine Lust hatten, alleine in der Backstube zu sitzen, sind wir mitgelaufen und haben uns mal angeschaut, wie die Kabine aussieht. Die Kabine war total schön, aber die Koffer waren noch nicht da – also erstmal schnell zur Seenotrettungsübung, was weg ist ist weg. Auf dem Weg dorthin bekamen wir eine weitere SMS, dass jetzt auch unsere Kabine bezugsfertig ist. Wir sind aber weiter ins Theater und haben uns dort 5 Minuten lang zeigen lassen, wie man eine Schwimmweste anzieht und wie man in die Pfeife trällert. So oft, wie betont wurde, dass Tui aufgrund internationaler Gesetze dazu verpflichtet sei, diese Übung durchzuführen, bekam man schon den Eindruck, wie viel Lust die Besatzung hatte, uns über den hoffentlich nie eintretenden Fall eines Notfalls aufzuklären. Umgekehrt hielt sich aber auch die Lust der Passagiere an dieser Übung meiner Wahrnehmung nach in engen Grenzen, also passte es ja wieder. Durchgeführt wurde die Übung übrigens von einer Mitarbeitern des Kids-Clubs – warum denn auch nicht…? Danach sind wir dann auf unser Zimmer.


    Wir hatten uns ja kurzfristig für eine freigewordene Himmel-und-Meer-Suite entschieden, also hoch auf Deck 14. Die HuM-Suite ist echt riesig, hat aber einen entscheidenden Nachteil, jedenfalls für mich, und zwar hat sie kein zu öffnendes Fenster im Wohnraum. Man kann zwar die Tür zu dem darüber liegenden Balkon öffnen, aber erstens ist da je nach Wetterlage nur eingeschränkt möglich, und zweitens kommt dadurch unten auch nicht ewig viel frische Luft an. Zusätzlich hat mich die Suite auch geruchlich nicht überzeugt. Wir haben bei uns in der Gegend eine Bauern, bei dem wir im Sommer Himbeeren pflücken können. Die Himbeeren wachsen allerdings in einem Gewächshaus, welches an beiden Enden offen ist. In dem Gewächshaus ist es regelmäßig ordentlich warm und auch stickig, vermutlich wachsen daher die Himbeeren so gut. Die HuM hat über der Treppe einen ziemlich großes Glasdach, welches zwar ordentlich Licht von oben hereinlässt, aber nicht verdunkelt werden kann. Sobald die Sonne darauf steht hat man geruchlich permanent das Gefühl, sich in einem Hallenbad oder halt Gewächshaus zu befinden. Ich weiß nicht, ob das in jeder HuM so ist, ich jedenfalls hatte diese Eindrücke. Ich gebe allerdings zu, dass das Meckern und hohem Niveau ist, also will ich das mal nicht vertiefen. Die Koffer waren leider noch nicht da, was schade war, denn so langsam hätte ich mir gerne mal was frisches angezogen. Anschließend haben wir uns noch kurz die X-Lounge angeschaut, die nur ein paar Schritte von unserem Zimmer entfernt lag, was sich am nächsten Tag noch als ganz brauchbar herausstellte, als Teile unseres Zimmers nicht in der Lage waren, ein Restaurant aufzusuchen…. Aber dazu später mehr. Die Stimmung in der X-Lounge kann man mit Fug und Recht als gediegen bezeichnen, ich kam mit in Jeans und Hoodie ziemlich underdresst und auch deplatziert vor – also schnell wieder raus.

    Am Nachmittag, wir standen immer noch an Anleger, war dann Eltern-und-Kinder-Kennenlernen im Kids-Club, da haben wir dann die nette Kollegin von der Seenotrettungsübung wiedergetroffen und unser Sohn war sofort schockverliebt, allerdings nicht in die Betreuerin, sondern in die Räumlichkeiten, denn neben einem Holzboot zum Klettern und tausenden von Spielen befand sich dort auch ein mit dicken Matten gesicherter Bereich mit einer Kletterwand und Schwingseilen. Ich nehme es mal vorweg, der Kids-Club ist echt mega! Während unser Sohn sich den Bereich erkundete unterhielten wir uns mit ein paar Erziehern. Tja, wird ja leider keine so angenehme Überfahrt nach Norwegen, sagte eine der Erzieherinnen dann im Gespräch. Wie bitte???? Was hat die gesagt? Ja, der Kapitän hätte vorhin der Besatzung schonmal gesagt, dass man Windstärke 11 und 6 bis 7 Meter hohe Wellen erwartet und man daher schonmal anfangen soll, ein paar Sachen in den Regalen zu sichern.

    Nicht Euer ernst! Ich gehe zum ersten Mal in meinem Leben auf ein Kreuzfahrtschiff, nachdem ich mich jahrzehntelang dagegen gewehrt habe, und dann fahren wir in einen Sturm???? Was soll das denn bitteschön bedeuten? Das ist doch ein Zeichen! Komme ich noch irgendwie vom Schiff wieder runter? Wann kommt Guido Cantz lachend um die Ecke und brüllt „Da hinten ist eine Kamera, da vorne auch und hier ebenfalls ….“ – das waren nur einige der Gedanken, die mir in dem Moment durch den Kopf geschossen sind. Aber gut, was will man machen, wird schon schief gehen. Ging es dann ja auch – schief…

    Nach dieser supertollen Nachricht mussten wir jetzt aber dringend was? Genau, Essen! Also ab in den Anckelmannsplatz und zum Kinderbuffet. Direkt in der Nähe davon sind große Tische, die nur für Eltern reserviert sind, deren Kinder an den Kindertischen des Kinderbuffets sitzen. Ganz praktisch, jedenfalls für Eltern. Während des Essens hörten wir dann zum ersten Mal den freundlichen Grafen singen, und alle strömten raus. Wir nicht, weil wir erstens Hunger hatten und weil es zweitens schon recht ordentlich regnete. Wir beobachteten lieber bei einem Gläschen Wein die Lotsenbote, die uns langsam aber sicher in Richtung Meer zogen. Ich bin übrigens niemand, der oft und viele Fotos vom Essen macht. Ich hab dafür ungefähr 800 Landschaftsfotos gemacht. Okay, einige davon waren sicherlich doppelt und andere überflüssig, aber bei den restlichen sind echt ein paar schöne dabei und die zeige ich Euch, wenn es thematisch passt. Aktuell passt es noch nicht so sehr, denn wir sind ja immer noch beim Auslaufen.

    Mit jeder halben Stunde, die wir unterwegs waren, schaukelte das Schiff kräftiger und kräftiger. Wobei schaukeln vermutlich der falsche Begriff war, denn es war mehr ein auf und ab. Jetzt mag es Mitreisende geben, die das anders empfunden haben, weil sie vielleicht schon 130 Kreuzfahrten hinter sich hatten, aber für einen Anfänger wie mich hat es merklich geschaukelt und wenn man sich den Pool angesehen hat dann hätte man geglaubt, dass Tui dort ein Wellenbad eingebaut hätte… Man kann das auf Fotos - finde ich - immer ziemlich schlecht sehen, aber vielleicht erkennt der eine oder die andere ja, dass das Wasser im Pool nicht so aussieht, wie es bei ruhiger Fahrt aussehen sollte. Das Wasser, was hinten im Pool fehlt, schwappt gerade vorne über und bricht in einer kleinen Welle....

    Hey, wie toll, so viele Menschen sind mit dabei – na dann wollen wir mal. Eine Büroklammer für Bilder habe ich noch nicht erhalten, also ist der Bericht erstmal was für die Ohren, und später dann für Augen – obwohl…. Naja, ihr wisst schon, was ich meine. Bilder werden jedenfalls nachgereicht, sobald das technisch der Fall ist – versprochen. Also, genug des Vorgeplänkels – Leinen los!

    15.09.2022 Anreise nach Bremerhaven

    Direkt nach dem Frühstück haben wir uns mit dem Auto auf den Weg nach Bremerhaven gemacht. Die Anreise von uns aus dauert üblicherweise 3,5 Stunden – aber da haben wir die Rechnung ohne die Brückenarbeiten auf der A1 gemacht. Nach etlichen, nicht eingeplanten Landstraßenkilometern erreichten wir Bremerhaven gegen Mittag bei leichtem Regen und Wind – ein Vorbote dessen, was noch auf uns zukam.

    Danke eines Forum-Tipps von @strandkorb und @sopur haben wir im Vorfeld das Im Jaich Boardinghouse gebucht. Das Appartement-Hotel war einfach zu finden und hat einen großen Parkplatz direkt am Haus. Es hat mich durch die aussenliegenden Eingangstüren zu den Appartements ein wenig an ein Motel in Fort Lauderdale erinnert, in dem ich mal war, aber das ist keineswegs negativ gemeint. Das Im Jaich Boardinhouse würde ich, sollte ich irgendwann mal wieder von Bremerhaven aus eine Kreuzfahrt beginnen, jederzeit bedenkenlos wieder buchen! Die Lage direkt im Jachthafen ist großartig, die Aussicht aus den Zimmern dementsprechend auch. Der Empfang ist aktuell aufgrund von Personalmangel nicht belegt, das Einchecken wird im Haupthaus, dem Hotel Im Jaich erledigt, was ca. 50 Meter entfernt liegt. Das Einchecken war easy, das Personal sehr freundlich. Da das Bistro im Boardinghouse aktuell nicht zu Frühstückszeiten geöffnet hatte, konnten wir an der Rezeption eine Frühstücksbox bestellen, die uns dann am nächsten morgen zu einem vereinbarten Zeitpunkt vor die Tür gestellt wurde. Wir konnten bestellen, was immer wir wollten, Brötchen, Aufschnitt, Eier, Getränke - was man halt so frühstückt. Da die Appartements im Boardinghouse über eine Küche mit Tisch verfügen ist das eine super unkomplizierte Sache. Und jetzt mal ganz ehrlich, man will dann ja auch flott aufs Schiff und sich nicht noch stundenlang mit frühstücken aufhalten...

    Da wir für 15.30 Uhr unseren Corona-Test in den Havenwelten reserviert hatten haben wir uns dann erstmal auf den Weg dorthin gemacht. Bei immer noch typisch nordischem Wetter kamen wir ordentlich durchnässt am Testcenter an, auch wenn der Weg dorthin – der uns netterweise an der Alexander von Humboldt II (Becks-Schiff) vorbeiführte, die gerade im Hafen lag, nur wenige Minuten gedauert hat. Dort angekommen mussten wir zum Glück nur kurz warten, hatten aber auch in dieser nur kurzen Zeit schon erste Erlebnisse der dritten Art. In der Schlange vor uns standen zwei Paare, die zuvor positiv getestet wurden. Zumindest eines der Paare war damit alles andere als einverstanden und hat sich darüber ziemlich lauthals beim Testpersonal beschwert, denn schließlich müssten sie morgen ja dringend aufs Schiff. Oha, hab ich mir gedacht, wieder eine Kabine frei. Das könne außerdem gar nicht sein, meinten die noch, denn schließlich hätte man sich ja zu Hause auch schon selbst getestet und dieser Test sei natürlich negativ ausgefallen, sonst wären sie ja nicht nach Bremerhaven gefahren. Und jetzt sollten die Mitarbeiter gefälligst mal schnell den Test wiederholen, dabei würde sich dann ja schon herausstellen, dass das erste Ergebnis einen falsch positiven Test anzeigt hätte. Als dieser Wunsch von den Mitarbeitern des Testzentrum freundlich aber bestimmt mit dem Verweis darauf, dass man jetzt nur noch einen PCR-Test hinterherschieben könnte, dessen Ergebnis aber vermutlich nicht bis zum nächsten Tag vorliegen würde, abgelehnt wurde, haben diese netten (hoffentlich Nicht-)Mitreisenden angekündigt, jetzt so lange alle Testcenter in Bremerhaven abzuklappern, bis man eines erwischt, bei dem der Test negativ ausfällt. Ich bin erstmal drei Schritte zurück gegangen und habe mir gewünscht, dass das nicht klappt…. Auf der Reise habe ich die dann übrigens nicht mehr gesehen, aber das trifft vermutlich auf 2.000 andere Gäste auch zu - heisst also nichts.

    Als wir dann jedenfalls irgendwann mal an der Reihe waren ging alles ziemlich reibungslos und schnell. 7 x Stäbchen in den Mund und die Nase, anschließend 15 Minuten warten und die Tests konnten wir für unsere Eltern sogar ausgedruckt mitnehmen. Die sind nämlich eher nicht so begeistert von diesen neumodischen Smartphones und gehen vermutlich auch davon aus, dass sich das nicht langfristig durchsetzt. Spaß beiseite, mein Papa hat jedenfalls gar kein Handy und mit den Ausdrucken war deren Reisevorbereitungstasche dann vollständig.

    Mit anderen Worten: Jetzt stand der Reise wirklich nichts mehr im Wege!

    Und was macht man dann als Urlauber zur Feier des Tages? Richtig, ab ins Outlet-Center. Erstens gibt es dort einen Gosch (man will sich ja nicht nur gedanklich auf die Reise vorbereiten), zweitens noch echt ein paar schöne Läden, in denen man sich noch mit letzten Unwichtigkeiten vor einer Kreuzfahrt eindecken kann und drittens hatte es immer noch geregnet. Anschließend sind wir noch ein wenig in der Gegend herumgelaufen (direkt hinter dem Outlet liegt ein altes U-Boot, welche zu einem Museum umgebaut wurde), waren noch einmal am Wasser und sind dann wieder Richtung Hotel gelaufen, denn unser Kurzer wurde nach der langen Anreise und dem für ihn total langweiligen Aufenthalt in der Mall langsam quengelig, und es war mittlerweile schon fast 20.00 Uhr...

    Im Hotel angekommen haben wir uns noch einen kurzen, schönen Abend gemacht und uns dann auf den nächsten Tag gefreut! Leicht geärgert habe ich mich noch über meinen Anfängerfehler, keine Handgepäcktasche mitgenommen zu haben, denn so durfte ich für eine einzige Nacht alle drei Koffer aus dem Auto holen, ins Hotel hoch schleppen und am nächsten morgen wieder runter. Jetzt hätte ich im Outlet ja eigentlich noch schnell eine Handgepäcktasche kaufen können, aber für die eine Nacht, habe ich mir gedacht, braucht das ja kein Mensch. Großer Fehler, wie sich am letzten Tag der Kreuzfahrt herausstellen sollte.

    ACHTUNG: Sollte hier jemand mitlesen, der noch nie eine Kreuzfahrt gemacht hat. Bitte nehmt Euch eine Handgepäcktasche auch dann mit, wenn ihr nicht eine oder mehrere Vorübernachtungen eingeplant habt. Warum? Tja, diese Antwort hätte ich gerne vor der Reise gehabt! Die Koffer kommen (jedenfalls in der Regel) genauso vom Schiff runter, wie rauf – nämlich ohne Euch! Am letzten Abend der Reise werden diese mit bunten Kofferbändern versehen (jedes Deck bekommt eine eigene Farbe, damit man die später einfacher wiederfindet) vor die Kabinentür gestellt und dann weggebracht. Dieser an sich tolle Service ist natürlich voll für’n A…h, wenn man keine Handgepäcktasche dabei hat, denn man will ja nicht 24 Stunden in den gleichen Klamotten herumlaufen und Zähne putzen und waschen wäre ja eigentlich auch ganz cool – zumindest für alle Mitreisenden…. Also, ich spoiler mal, was haben wir gemacht? Wir sind schön in den Bordshop gegangen und haben uns dort mit den wunderschönen blauen MeinSchiff-Tragetaschen eingedeckt. Oh man, das sah zwar ziemlich blöd aus, hat aber zumindest den Zweck erfüllt. Und, nächster Profi-Tipp direkt hinterher: Es ist nicht gesagt, dass man seine Koffer auch dann schon bekommt, wenn das Zimmer bezugsfertig ist. Auch da ist es mehr als hilfreich, wenn man zumindest mal ein paar Klamotten als Handgepäck dabei hat – insbesondere mit noch relativ kleinem Kind…. Das passiert mir jedenfalls nicht nochmal!

    Okay, in der Hoffnung, dass ich morgen meine Büroklammer habe und ein paar Eindrücke aus Bremerhaven nachschieben kann beende ich hiermit den 15.09.2022. Morgen geht’s dann aufs Schiff, ich freu mich schon, das noch ein zweites Mal erleben zu können. Obwohl, auf die ersten 40 Stunden der Reise hätte ich ehrlicherweise gerne verzichtet….. <X


    tbc

    Hallo Zusammen,

    es ist zwar schon wieder ein paar Tage her, aber ich versuche mich mal ein einem Reisebericht unserer Anfängerreise mit der MS3, die uns vom 16.09. bis zum 24.09. ins wunderschöne und beeindruckende Norwegen geführt hat.


    Prolog:

    Bevor unser heute 4,5 jähriger Sohn auf die Welt gekommen ist haben meine Frau und ich bevorzugt Road-Trips unternommen. Gerne in Europa, meistens aber in Nordamerika. Jeden Tag 4 bis 5 Stunden Autofahren, jede Nacht woanders, wenn es uns an einem Ort gefallen hat gerne spontan auch eine Nacht länger. Wir sind also eher keine klassischen Pauschalreisenden und daher konnte ich mir im Leben nicht vorstellen, dass ich mal irgendwann auf einem Kreuzfahrtschiff meinen Urlaub verbringe – die typischen Vorbehalte halt….

    Seitdem unser Sohn auf der Welt ist haben wir – bis auf zwei Ausnahmen – unsere Urlaube immer auf Juist (ich liebe die Insel einfach) oder in Süd-Holland verbracht. Auch in diesem Jahr waren wir wieder mal für ein paar Tag auf Juist, diesmal in Begleitung eines guten Freundes, der uns erzählte, dass er mit seiner Mutter zusammen die Transreise von New York nach Jamaika Im Oktober 2023 mit der MeinSchiff6 gebucht hätte. Ich hab ihn da noch ausgelacht, warum er denn sowas machen würde, aber er hat mir dann erzählt, dass er mit seiner Mutter vor 10 Jahren schonmal eine Karibikreise mit der MeinSchiff unternommen hätte und dass sie sich das mit ihren Ü80 gewünscht hat, noch einmal erleben zu dürfen. Ab dieser Sekunde verbot sich natürlich jeder Widerspruch und jedes Lachen und ganz im Gegenteil begann ich erstmalig in meinem Leben, mich selbst intensiv mit dem Gedanken auseinanderzusetzen. Nach zwei oder drei Gläsern Wein war klar: Kreuzfahrt ist ja eigentlich auch nichts anderes als Roadtrips, nur ohne Auto. Es entwickelte sich also nicht ganz langsam die Idee, das doch auch mal auszuprobieren und da unser Freund ja schon eine ganz konkrete Reise angesprochen hatte und wir ohnehin mal endlich wieder in die USA wollten haben wir noch am gleichen Abend zugeschlagen – man darf gute Ideen ja auch schließlich nicht kaputtdiskutieren.

    Ein paar Tage später ist uns dann aufgefallen, dass es von Mitte 2022 bis Ende 2023 ja noch ziemlich lange hin ist. Und da wir uns ja bereits für die Reise angemeldet hatten bekamen wir ab sofort ständig diese gefährlichen E-Mails mit Reiseangeboten – entdecke die Möglichkeiten…

    Als ich dann ein paar Tage später bei einem Besuch bei meinen Eltern das Thema Kreuzfahrt ansprach und erzählte, dass wir die Transreise gebucht haben, sagte mein Papa (auch Ü80), dass er sich einen Flug in die USA nicht mehr zutrauen würde aber Norwegen, also Norwegen das wäre schon fein und da wollte er ja eigentlich schon immer mal hin.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Keine Woche später haben wir die Norwegenreise mit der MS3 ab/bis Bremerhaven von 16.09. bis zum 24.09. gebucht. Und weil Kreuzfahrten ja – wie jeder weiß ;) - so toll sind, ist meine Schwiegermutter mit ihrer besten Freundin auch direkt mitgekommen. Also fluchs drei Plus-Balkonkabinen plus für 7 Personen gebucht, die allesamt noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff waren und keine Ahnung hatten, auf was wir uns eingelassen hatten. Kurz vor der Reise wurde dann noch eine HuM-Suite frei, auf die meine Frau, mein Sohn und ich dann noch upgegradet habe.

    Danke freundlicher Tipps aus dem Forum sind wir dann am Vortag der Cruise bereits nach Bremerhaven gereist und haben dort im Jaich Boardinghouse übernachtet. Ein Tipp übrigens, den ich ohne jeder Einschränkung weitergeben kann! Super Lage, tolle Ausstattung, toller Service, Preis/Leistung ebenfalls sehr gut.

    In den nächsten Tagen möchte ich meine Stichpunkte und Erinnerungen an die Reise nochmal vernünftig aufschreiben, ein paar Fotos dazupacken (sobald ich herausgefunden habe, wie das geht) und würde Euch daran gerne teilhaben lassen, wenn Ihr Lust habt.

    Bis dann dann….

    double999

    Wir waren Mitte / Ende September mit der MS3 in Norwegen. An Bord 60 Kinder, die meisten davon aber unter 2 Jahre alt. Ca 20 Kinder im Alter unseres Sohnes (4,5 Jahre). In der App waren ab 18 Uhr die Angebote des Folgetages buchbar, faktisch war es aber egal, weil keine einzige Veranstaltung ausgebucht war. Da das unsere erste KF war weiss nicht, wie es vor Corona war, aber wir konnten unseren Sohn praktisch zu jeder Zeit abgeben und abholen, so wie wir oder er es spontan wollten. Es gab an jedem Abend um 17.30 Uhr Kids-Club-Abendessen im Anckelmannsplatz, am letzten Abend der Cruise eine Kids-Club-Disco mit Eltern. Unser Sohn hat sich wirklich rundum wohl gefühlt, und wir uns mit dem Konzept tatsächlich auch....

    double999 bei welchem Testcenter wart ihr denn?

    Wir waren im Testcenter „Havenwelten“. Bei mir stand nirgends, dass positive Tests gemeldet werden. Ich wüsste auch nicht, wohin die das melden wollen. Wir zumindest mussten nirgends angeben, dass wir auf die MeinSchiff gehen…..


    Aktuell habe ich als Newbie allerdings ganz andere Sorgen, denn wir fahren aktuell gegen Windstärke 11 und das macht echt mal sowas von überhaupt keinen Spaß…… <X Und das soll jetzt noch bis Sonntag genauso weitergehen, weshalb wir auch Alesund erst mit dreieinhalbstündiger Verspätung erreichen…..

    Wer zum Henker kommt eigentlich auf eine so beschissene Idee, im Herbst eine Kreuzfahrt nach Norwegen zu machen ???? Ach ja…. Ich! :cursing:

    Ich habe diese Regeln nicht gemacht. Wenn ihr euch nicht daran halten wollt. Bitte schön.

    Hi kufi_42 , jetzt hab ich es verstanden. Ich konnte zwar vorher in der App schon alles ausfüllen und absenden, wurde aber 24 Stunden vorher noch einmal daran erinnert, den Fragebogen zu aktualisieren. Gleichzeitig ist in der App der ursprünglich "Alles erledigt-Status" wieder verschwunden. Haben uns heute nachmittag getestet und anschliessend nochmal alles aktualisiert - jetzt passt es wieder.

    Ein paar Kabinen werden auf der Fahrt übrigens vermutlich frei bleiben, denn alleine im Zeitraum, in dem ich am Testcenter war, wurden zwei Paare positiv getestet und haben sich darüber ziemlich lauthals beim Testpersonal beschwert, denn schliesslich müssten sie morgen ja dringend aufs Schiff..... Anschliessend haben sie angekündigt, jetzt so lange alle Testcenter in Bremerhaven abzuklappern, bis man eines erwischt, bei dem der Test negativ ausfällt. Oh man, ich will schwer hoffen, dass das nicht gelungen ist!