10.11.14 – Praia
Montag morgen und alles schläft.
So auch die Hafenbehörden in Praia, denn zur vorgesehenen Zeit war von den Herrschaften noch niemand bereit, uns anlegen zu lassen. Aber nach dem kapverdischen Motto „Bloß koa Schtreß“ konnten wir dann doch mit ein bisserl Verspätung festmachen.
Während wir in Mindelo am Tag zuvor einen schönen Blick auf den Hafen und die Innenstadt hatten, ist Praia dann doch größer und der Blick war nicht ganz so allumfassend.
Aber spannend war es auf jeden Fall, denn mit dem Fernglas konnte ich schon am Hafenausgang ein irres Gewimmel von Leuten entdecken. Anscheinend waren da Fischer, Händler und Tourguides komplett versammelt, um uns in Empfang zu nehmen.
Wir hatten diesmal die „Wanderung durch die Serra Malaqueta“ gebucht, den Ausflug auf der Tour, unter dem wir uns am wenigsten vorstellen konnten. Es sollte mit dem Bus in den Nationalpark gehen und dann auf eine 4-stündige Wanderung mit Picknick. Für diesen Ausflug hatten wir uns auch vorbereitet, denn auf der Insel Santiago gibt es laut Recherche ein geringes Malariarisiko bis in den November. Also packten wir uns in langärmelige helle Kleidung, die noch dazu mit Repellents imprägniert war. Warme und wetterfeste Kleidung war außerdem in der Ausflugsbeschreibung empfohlen worden. Allerdings schienen wir die einzigen mit dieser Info zu sein, denn alle anderen hatten überwiegend kurze und dunkle Klamotten an. Aber wenigstens war niemand mit Flip Flops dabei. Na ja, mal sehen.
Wir also runter vom Schiff und rein in die beiden Kleinbusse mit jeweils 18 Personen Kapazität. Auf den kapverdischen Inseln gibt es keine großen Reisebusse, aber für uns waren die vorhandenen vollkommen ausreichend.
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Gottseidank hatten wir einen anständigen Rucksack dabei, denn kurz darauf bekamen wir jeder eine große Papiertüte mit Wasser, Saft, Apfel und Sandwich ausgehändigt. Aha, das sollte also das Picknick werden.
Unsere Reiseleiterin stellte sich als Nilva vor, entschuldigte sich dafür, dass sie nur Englisch konnte und meinte, dass sie unsere Mama und Krankenschwester in einem sei. Rundumbetreuung garantiert. Wir merkten sofort, mit welchem Engagement sie bei der Sache war und der Stolz auf Ihr Land war nochmal eine ganze Spur größer als bei Carlos am Tag zuvor.
Wir fuhren los, am Hafenausgang an zahlreichen Bretterverschlägen vorbei, in dem aber keine Leute wohnten, sondern vor denen viele Grills ihre Arbeit verrichteten und frischen Fisch vom angrenzenden Fischerhafen zubereiteten. Wie ich vom Balkon aus schon gesehen hatte, war es ein Riesengewimmel und schon ein ungewohnter Anblick für uns. Weiter ging es in der Innenstadt zu 2 Bäckereien, wobei ich bis heute noch nicht weiß, was da noch zum abholen war. Unser Imbisspaket hatten wir doch schon.
Wir fuhren also hinaus aus der Stadt und Richtung Nationalpark, wobei bereits in den Randbezirken von Praia ziemlich ärmliche Verhältnisse zu herrschen schienen und die meisten Häuser nichts mehr mit den schönen bunten von Mindelo zu tun hatten.
Ein paar Fotostopps später
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kamen wir in Assomada an, der drittgrößten Stadt der Kapverden, wo laut Programm noch ein halbstündiger Marktbesuch vorgesehen war.
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Unterwegs hatten wir schon fantastische Landschaften gesehen, aber auch diverse für uns kaum nachvollziehbare Dinge.
So saßen unterwegs immer wieder Frauen am Straßenrand (auch außerhalb der Ortschaften), die ein bisserl Obst neben sich zum verkaufen ausgelegt hatten. Nilva erzählte, dass sich da hauptsächlich die Überlandtaxifahrer mit Verpflegung eindecken.
Ferner sahen wir einen Kombi, in dessen Kofferraum ebenfalls eine Frau saß und an der Decke des Autos baumelte Fleisch. Also so was wie ein rollender Metzger. Krasser Anblick, vor allem, da inzwischen sicher knappe 30 Grad Lufttemperatur waren.
Am Wegesrand sahen wir immer wieder riesige Spinnennetze an den Stromleitungen. Nilva erklärte uns, dass es sich um Netze des Wespenspinne handelt, die darin aber einfach nur abhängen und nicht aggressiv sind. Bei der teilweise handtellerartigen Größe der Viecher ist das aber mal eine echt erleichternde Meldung.
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Aber der absolute Hammer war dann die Ortseinfahrt in Assomada. Mitten auf dem Bürgersteig in der Hauptstraße wurde gerade ein frisch geschlachtetes Schwein abgeflämmt. Und daneben stand auch schon der Haushund mit richtig Gier in den Augen. Ein echt verstörender Anblick für uns verwöhnte keimfreie Westeuropäer. 
Aus dem Marktbesuch wurde leider nichts mehr, denn wir waren inzwischen schon relativ spät dran und immer noch 45 Minuten vom Nationalpark entfernt und die meisten im Bus wollten ja schließlich die kompletten 4 Stunden wandern. Schade, denn im Vorbeifahren schien der Markt sehr farbenfroh und spannend zu sein. Ich hätte gern die Wanderung dafür gekürzt. Aber vielleicht ging das ja auch gar nicht, weil es keine Rundwanderung war.
Wussten wir zu diesem Zeitpunkt ja nicht.
Schließlich kamen wir über einen Gebirgspass auf ca. 1000 m Meereshöhe und sahen einen Einstieg in einen Wanderweg. Wir hielten und Nilva meinte, dass jetzt jeder hier in der Gegend 3 bis 4 Stunden wandern könne. Allgemeines Unverständnis schlug ihr entgegen. Was sollten wir alleine in einer fremden Gegend ohne Karten oder Führer ? Also wurde mal kurz darüber diskutiert und es stellte sich heraus, dass Nilva einen komplett anderen Ablauf des ganzen Ausflugs erhalten hatte und es war ihr furchtbar unangenehm, dass wir jetzt so verärgert waren.
Wir einigten uns dann darauf, dass wir alle gemeinsam den hier beginnenden Trail erwandern würden. Dieser führte ca. 90 Minuten durch den Nationalpark und wieder zurück. Damit würden wir auf 3 Stunden kommen und jeder war damit einverstanden. Das hatte auch den Vorteil, dass sich niemand verlaufen konnte, denn es gab nur den einen Weg und wenn es jemandem zu viel werden würde, könne er ja warten oder zum Bus zurückgehen.
Nilva ging also mit und erklärte viele Pflanzen und auch das eine oder andere Tier, von denen es aber nicht viele gab außer Käfern und schönen Schmetterlingen. Auf den Kapverden gibt es ja keine für den Menschen gefährlichen Tiere.
Mit der Zeit zog sich die Gruppe auseinander und wir beschlossen ebenfalls nach einer Stunde, umzudrehen und am einzigen Schattenplatz, den wir gesehen hatten, eine Pause zu machen. Dort gesellten sich dann auch andere zu uns und wir stellten fest, dass der Hinweis auf warme wetterfeste Kleidung genau das Gegenteil war, was wir wirklich gebraucht haben. Sonnenschutz und Trinkwasser. Es war brutal heiß trotz der Höhe und wir genossen den Schattenplatz sehr. Ich habe auch nach dem Ausflug bei TC die Empfehlung ausgesprochen, die Ausflugsbeschreibung entsprechend zu ergänzen.
Aber die Wanderung hatte außer der Hitze auch wundervolle Ausblicke, sehr schöne Pflanzen und spannende Felsformationen zu bieten. Eine wahrhaft urwüchsige archaische Gegend.
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Nach ca. 3 Stunden waren dann alle wieder wohlbehalten beim Bus angekommen und inzwischen auch überwiegend sehr zufrieden mit dem Ausflug. Und nicht der Hauch von irgendwelchen Mücken, die uns in Malariabedrängnis bringen hätten können. Aber wenn man eine Gegend nicht kennt, muß man halt erstmal auf das vertrauen, was irgendwo geschrieben steht.
Auf dem Rückweg meinte Nilva dann, ob sie denn noch etwas für uns tun könnte und wir baten um einen geeigneten Stopp an der Strecke, um Postkarten zu kaufen. Freudestrahlend sagte sie uns einen solchen zu und wir hielten dann doch nochmal im Zentrum von Assomada. 5 Gäste marschierten mit ihr dann mit durch den Ort, die anderen blieben im Bus. Wir konnten so doch noch einiges vom quirligen Leben in einer kapverdischen Stadt sehen. Schuhputzer, mobile Verkäufer, Frauen mit großen Paketen auf dem Kopf und viele interessierte Gesichter.
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Nach einigem Durchfragen wurden wir zur Post geschickt, die aber leider schon geschlossen hatte. Dank Nilva öffnete der Postler aber doch nochmal für uns und wir konnten sogar mit Euro ein paar Postkarten erstehen. Und auf dem Rückweg zum Bus nahm Nilva dann noch an einem kleinen Imbissstand ein paar gegrillte kleine Fische mit, eine Spezialität, die man mit Kopf und Schw. anz essen sollte. Von letzterem nahmen wir Abstand, denn wahrscheinlich hätte unser Schiffsarzt sowieso schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er das gesehen hätte. Aber auch ohne Kopf schmeckten die Fische ausgezeichnet und so hatten wir 5 sogar noch ein kleines „Abenteuer“, bevor wir wieder am Bus waren und uns auf den Heimweg zum Schiff machten.
Unterwegs sahen wir noch das Nationalstadion und den Flughafen, von dem sogar eine Autobahn in die Stadt führt. Nilva erzählte noch, dass wegen Ebola derzeit alle Flüge und Schiffsankünfte aus Westafrika gestoppt sind, um die Seuche nicht ins Land zu holen. Das war eigentlich das einzige Mal, dass Ebola auf der Reise ernsthaft thematisiert wurde.
Und so ging einer der beeindruckendsten und intensivsten Ausflüge zu Ende, den wir je auf einer Schiffsreise gemacht hatten und zum ersten Mal war zwischen uns und der Reiseleiterin eine solche Verbindung entstanden, dass es zum Abschied sogar die eine oder andere Umarmung gegeben hat. 
Und die Insel Santiago hatte uns mit Ihrer Schönheit der Landschaft und der für uns so fremden Lebensweise der Einwohner sowie deren teilweise doch noch sehr großen Armut so gepackt und berührt, dass wir anschließend auf dem Schiff blieben, obwohl es noch bis 23:00 Uhr am Kai liegen sollte. Wir sahen den Hunden am Kai zu, wie sie teilweise erfolgreich die wenigen Leute, die abends dann noch außerhalb des Schiffes unterwegs waren, um Futter anbettelten. Und irgendwie waren wir froh, dass jetzt 2 Seetage folgen sollten, denn es gab viel zu verarbeiten und drüber nachzudenken, was vielleicht bei einem folgenden Besuch im Senegal nicht möglich gewesen wäre.
Viele Grüße
Armin
Dem die Kapverden noch lange im Gedächtnis bleiben werden.