15.01.2025 3. Seetag von vielen
Diese Nacht war nicht so ruhig wie die letzten. Meine Kabine hat eine Zwischentür zur Nachbarkabine, was eigentlich nicht stört; ich höre absolut nichts von den Nachbarn. Aber die Tür hat von Anfang an immer wieder mal etwas geknarrt und geknackt (vergleichbar mit Gebälk in alten Häusern), was aber nicht weiter gestört hat und für mich zu Schiffsgeräuschen gehört. Aber am späten Abend kam dieses Geräusch ständig und mehrmals in der Minute. Ich war aber zu müde, um mitten in der Nacht etwas zu unternehmen und schlief auch in der 2. Nachthälfte durch.
Ganz in der Nähe meiner Kabine muss auf dem Flur auch ein Lautsprecher sein. Auf jeden Fall höre ich auch die Durchsagen, die nicht in die Kabinen kommen, sehr gut verständlich. Und so kam letzte Nacht kurz vor Mitternacht eine Durchsage an die Crew, die nach "prepare for evacuation" klang und mich erst einmal sehr ratlos lies.
Irre: Was kann das sein? Was soll evakuiert werden? Brennt das Schiff etwa?
Finanzministerin: Das ist sicher kein Brand. Dann gäbe es nicht nur eine Durchsage an die Crew sondern bestimmt so ein Spektakel, dass alle Passagiere davon aufgeschreckt werden. Also schlaf ruhig weiter.
Dieses Rätsel wurde nach einem Nickerchen etwa um 0:30 gelöst durch eine weitere Durchsage (wieder nur außerhalb der Kabinen), durch die die Passagiere, die sich noch im öffentlichen Bereich aufhielten, auf eine weitere Notausschiffung per Helikopter vorbereitet werden sollten. (Heute in der Morgendurchsage gab es dann die Info, dass die französische Marine den Patienten in ein Krankenhaus nach Brest geflogen hat und es ihm inzwischen wieder besser geht.) Die Irre hofft, dass nicht ständig Passagiere in ein Krankenhaus geflogen werden müssen.
Irre: Die armen Passagiere haben sich bestimmt sehr auf die Kreuzfahrt gefreut. Und jetzt müssen sie per Helikopter vom Schiff ins Krankenhaus. Das ist bestimmt nicht lustig für sie.
Danach schlief die Irre aber durch und am Morgen spielte sie mit dem Wecker das beliebte "Snooze"-Spiel bis sie endlich ganz erschrocken feststellte, dass der Wecker schon 9:30 anzeigte und die Sonne vor ihr aufgegangen war.
Irre: Das ist lieb von euch beiden, dass ihr mich so lange habt Dösen und Wecker Snozzen lassen, dass die Sonne vor mir aufgestanden ist.
Finanzministerin: Dein Wecker geht nicht richtig. Du hast vergessen, dass heute Nacht die Uhren eine Stunde zurück gestellt wurden. Es ist erst 8:30, aber du solltest wirklich aufstehen und endlich alle unsere Uhren wieder auf die richtige Zeit stellen. Die machen das während der Kreuzfahrt nämlich nicht automatisch.
Endlich war die Irre dann auch bereit für den Weg zum Anckelmannsplatz, um dort ihr Frühstück einzunehmen. Und unterwegs gaben wir auch den Menüwunsch für den Abend an der Rezeption auf Deck 3 ab und meldeten die Geräusche, die die Zwischentür machte.
Nach dem Frühstück sahen wir uns endlich mal den Außenbereich des Anckelmannplatzes an. Ein paar Leute saßen dort dick eingepackt in Winterjacken und genossen die Sonne. Und die Irre erfreute sich an der Sonne, dem blauen Himmel, dem weiten blauen Meer und den um 10:30 mit 12 Grad doch ziemlich warmen Temperaturen. Sie kann sich an dieser unendlichen Weite mitten auf dem Ozean einfach nicht satt sehen; nur am Horizont waren ein paar andere Schiffe.
Als es in der dünnen Jacke doch zu kalt wurde, gingen wir zu einem Vortrag über Planeten ins Klanghaus. Das scheint eine Reihe von Vorträgen über Himmelskörper zu sein, von denen wir die ersten beiden verpasst haben. Der Vortrag war nicht schlecht, aber für meinen Geschmack zu langatmig und zu astrologisch angehaucht und zu wenig astronomisch. Die nächsten Vorträge diese Reihe schaue ich mir eher auf der Kabine an als im Klanghaus. Da kann ich dann nebenher noch Wellen gucken. 
Nach dem Vortrag waren wir sehr durstig und beschlossen, etwas zu trinken und dann auch gleich eine Kleinigkeit zu Mittag zu essen.
Zurück auf der Kabine stellten wir fest, dass diese störenden Geräusche von der Zwischentür weg sind. Und eine Nachricht von der Rezeption auf dem Anrufbeantworter informierte uns, dass ein Handwerker versucht hat, die Geräusche zu beseitigen.
Weil die Irre keine Lust hatte, wie viele andere Passagiere in Winterjacken und in Decken gehüllt auf dem doch windigen Sonnendeck herumzuliegen, durfte sie die Windstille Ecke unseres schattigen Balkons für ein Nickerchen nutzen. Da reichte eine dicke Fleecejacke und eine Decke für die Beine. Immerhin sollen es laut Wetterinfo vom Kabinen-TV immerhin 16 Grad sein.
Nachher schauen wir uns einen Vortrag über Madeira im Kabinen-TV an. Dafür gibt es keinen Kaffee und Kuchen in einem der Restaurants - höchstens einen Kaffee aus unserer eigenen Maschine.
Vielleicht finden wir heute noch etwas Zeit zum Lesen. Die Irre ist schon ganz frustriert.
Irre: Jetzt habe ich mir vor dem Urlaub ganz viele Bücher ausgesucht und auf dein ebook geladen. Und dann haben wir nicht nicht mal die Zeit, auch nur eine Seite zu lesen. Da kann ich ja zu Hause mehr lesen als an Seetagen.
Finanzministerin: Zu Hause verbrätst du aber auch nicht so viel Zeit mit Wellen gucken.
Irre: Wellen gucken ist aber die beste Beschäftigung zum Entspannen.