28.01.2025 – Tortola (Road Town)
Heute wurden wir schon um 7 Uhr durch eine Durchsage in den den öffentlichen Bereichen (Treppenhaus) geweckt, dass wir vor Rede liegen und das Tendern bald freigegeben werden kann. Dies war das erste Mal, dass es zu so früher Zeit (für mich wenigstens) eine Durchsage gab. Bisher war ich schon immer aufgestanden, wenn die erste Durchsage gemacht wurde (kurz nach 9 Uhr). Und bald darauf kam auch schon die Durchsage, dass die erste Ausflugsgruppe sich zur Tenderluke begeben soll. Diese Durchsagen kamen dann in regelmäßigen Abständen, etwa alle 15 Minuten. Ich schaffte es trotzdem, noch bis 8 Uhr zu dösen.
Dann wollte die Irre aber aufstehen und sich daran erfreuen, dass es heute kein anderes Schiff schaffen kann, eine Sichtbehinderung für sie darzustellen. Und sie genoss einfach die freie Sicht auf das Meer und die Insel.
Gestern hatte sich die Irre in einem Anfall von Übermut einen Platz im Tenderboot für 12 Uhr gesichert. Aber sie konnte die Tenderboote von unserem Balkon aus beobachten und war sich dann plötzlich gar nicht mehr so sicher, dass sie da wirklich mitfahren will. Und dann kam auch noch eine Durchsage, dass bei einem Tenderboot für Gäste ohne Ausflug noch Passagiere fehlen.
Irre: Das ist blöd. Jetzt muss ich mich wohl entscheiden. Einfach nicht zum Tendern kommen ist wohl nicht so schlau. Entweder muss ich herausfinden, wem ich sagen muss, dass ich doch nicht nach Road Town will. Oder ich muss es einfach versuchen. Das ist ganz, ganz blöd.
Finanzministerin: Tja, jetzt musst du entweder lügen oder zugeben, dass du feige bist. Oder du versuchst es einfach mal. Die Strecke zum Ufer ist ja nicht so lang. Und das Ein- und Aussteigen wirst du bestimmt auch überleben. Da sind bestimmt einige Helfer da, wenn sogar Leute mit dürfen, die kurze Strecken ohne Rollator oder Rollstuhl gehen können.
Irre: Vielleicht kann ich es ja doch versuchen.
Finanzministerin: Bravo. Und jetzt hol dir erst mal dein Frühstück.
Irre: Ich hab gar keinen Hunger mehr. Aber einen kleinen Pfannkuchen und 2 Stückchen Honigmelone gehen schon rein.
Auch beim Frühstück genossen wir die freie Sicht und ließen uns wieder viel Zeit. Vom Heck aus konnten wir dann noch zwei größere Schiffe im Hafen sehen, die Marella Discovery und die Viking Sea.
Und dann mussten wir uns langsam bereit machen für den Landgang. Von Deck 2 aus ging es noch eine steile Metalltreppe mit wackeligem Geländer, die die Irre als „Hühnerleiter“ bezeichnete, hinunter zum angelegten Tenderboot. Das große Schiff bewegte sich fast nicht. Aber das Tenderboot tanzte auf den Wellen und bewegte sich dauernd rauf und runter und es war ein Spalt zwischen Schiff und Boot.
Irre: Ich dreh wieder um. Da komme ich doch nie rüber. Da falle ich in den 10 cm breiten Spalt und bleibe stecken. Das schaffe ich nie.
Aber bevor sie den Rückwärtsgang einschalten konnte, wurde sie von den Helfern leicht in Richtung Boot geschoben, als dieses mal wieder oben war. Und dann war sie drin und taumelte durch das Boot auf eine der hinteren Bänke. Von dort konnte sie beobachten, dass sich auch andere Leute nicht ganz wohl fühlten bei dem Schritt auf das kleine, tanzende Boot. Und auch bei der Fahrt hörte das Boot nicht auf zu tanzen. Seltsamerweise machte ihr das aber gar nichts aus. Nicht, dass es ihr wirklich gefallen hätte, aber es war gut auszuhalten.
Am Ufer dann hatte die Irre doch weiche Knie und wartete mit dem Aussteigen gerne, bis die Leute in den Bänken vor ihr ausgestiegen waren. Und dann war das Aussteigen ganz einfach. Das Boot tanzte fast nicht und die Schwelle im Boot hatte fast dieselbe Höhe wie das Ufer. Bevor die Helfer ihr helfen konnten, war die Irre ganz alleine am Ufer.
Irre: Das war jetzt einfach. So kann ich auch wieder gut einsteigen für den Rückweg. Ich hatte schon überlegt, wie ich ohne Tenderboot zum Schiff zurückkommen kann. Vielleicht schwimmen? Aber ich glaube, ich fahre auch noch mal mit dem Tenderboot.
Dann gingen wir durch die schwüle Hitze erst einmal durch das Hafengebiet und dann Richtung Einkaufsstraßen und machten auch ein paar Fotos.
Aber dann hatten wir genug schwüle Hitze genossen und wir fanden auch keinen Laden, den wir uns mal gerne von innen angesehen hätten. Deshalb beschlossen wir, wieder auf´s Schiff zu tendern.
Am Tenderplatz angekommen, war gerade ein Tenderboot fast beladen und wir konnten bei der Security durchgehen, die fragte, ob wir trinken oder fahren wollen. Die Antwort: „erst trinken, dann fahren“ reichte, dass wir gleich durchgelassen wurden und mit einem Becher leckerem Eistee in der Hand entscheiden konnten, ob wir gleich mitfahren oder auf das nächste Boot warten. Das Boot war schon fast voll und ziemlich tief im Wasser – und es gab noch andere Leute, die sich gerne hineinquetschen wollten. Und dabei konnten wir das nächste Boot schon kommen sehen.
Der Finanzministerin war es egal, ob wir uns in das schon volle Boot noch reinquetschen oder lieber warten. Die Irre und ich wollten in Ruhe den Eistee trinken und lieber als eine der ersten in ein leeres Boot einsteigen. Die Wartezeit vertrieb sich die Irre mit der Planung eines mehrgängigen späten Mittagessens nach unserer Rückkehr. Der Einstieg in das leere Boot war wieder ganz einfach. Wir waren schneller drin als die Helfer zugreifen konnten.
Und dann sahen wir etwas Unheimliches. Aus dem Boot waren zwei Techniker ausgestiegen und nach uns wieder eingestiegen. Und die beiden klappten neben uns auf der anderen Seite des Ganges eine Sitzbank noch und dann eine Klappe im Boden. Zuerst stieg einer der Techniker hinunter und dann der zweite. Während der ganzen Zeit lief der Motor des Bootes, änderte aber immer wieder den Ton und die Lautstärke. Und die beiden Techniker bastelten wohl im Untergrund an einer der Turbinen.
Irre: Ich bekomme Angst. Ziehen wir Unheil an? Vorgestern war der Zug defekt. Gestern musste der Bus gewechselt werden. Und heute schrauben Techniker an unserem Boot. Das ist unheimlich.
Aber wir kamen ohne Probleme zum Schiff zurück. Nur das Anlegen an der Tenderluke war nicht ganz so einfach. Die beiden schwarzen Tonnen drückten das Boot immer wieder so weit weg vom Schiff, dass das Boot zum Schluss leicht schräg mit dem hintersten Teil des hinteren Ausstiegs an der Tenderluke lag und man gar nicht die ganze Breite des Ausstiegs nutzen konnte. Da war das Überwinden der Stufe und des schrägen Spalts nur mit Schwung möglich. Und dann musste die Irre auch noch die Hühnerleiter überwinden, was rauf für sie nicht ganz so einfach war wie runter.
Oben angekommen meinte die Irre: Ihr könnt entscheiden, was wir jetzt machen. Ich hab erst mal keinen Hunger mehr.
Finanzministerin: Na dann gehen wir doch erst mal auf die Kabine und ruhen uns aus.
Nach einigen Minuten auf dem Sofa.
Irre: Iiih, ich muss unbedingt die klebrige Sonnencreme abwaschen. Und langsam bekomme ich wieder Hunger – auf Kuchen. Ich will nachher das Kuchenbuffet plündern und mindestens 2 große Stücke Kuchen haben oder viele kleine. Und Eis und Sahne brauche ich auch für meine Geduld in der schwülen Hitze.
Das Kuchenbuffet plünderte die Irre dann auch wie angekündigt. Aber als sie sich das Eis mit Sahne holen wollte, fiel ihr Blick auf das Obstbuffet daneben.
Irre: Da sind ja neue Sorten. Ich sehe Kakis und was sind denn das für komische rote Schnitze. Die muss ich probieren. Und die Papayas sehen wieder lecker aus und erst die Ananas. Ich hole mir jetzt einen Teller mit Obst und die roten Schnitze (laut Beisteller Tomarillos) probiere ich auch. Eis hole ich mir wieder, wenn nicht so viel Lieblingsobst da liegt.
Und so gab es statt Eis mit Sahne einen Obstteller mit Wassermelone, Kaki, Tomarillos (muss nicht noch mal sein), Ananas und Papayas.
Der Rest des Tages verging mit lesen, Abendessen und Tagebuch/Bericht schreiben.