Tag 9 / Samstag – Marrakesch, Teil 2
Unser letzter Tag ist da und es schlagen zwei Seelen in mir. Ich bin froh, dass der ganze Stress vorbei ist – andererseits beneide ich das andere U60-Paar, dass noch ein paar Tage Entspannungsurlaub anhängt, einfach das Hotel in Marrakesch wechselt und die ganzen Eindrücke noch in Marokko verarbeiten kann. Wäre eine sehr gute Idee und ein perfekter Abschluss gewesen. Man kann nicht alles haben.
Heute also die Souks von Marrakesch.
Nachdem Andrea uns eine Weile durch die wie üblich wuseligen Souks geführt hat (diese Roller nerven ohne Ende, aber wir hatten erfolgreich weder einen Zusammenstoß mit einem Roller, noch mit einem Eselskarren), konnten wir in der „Maison de la Photographie“ in einem netten Riad kurz durchatmen.
Die Souks waren wie in Fes – nur noch krasser. Sogar Andrea musste dann und wann nach dem Weg fragen und das heißt schon was, denn sie kommt seit Jahren hierher.
Nach der gemeinsamen Führung mit Andrea sind wir uns dann selbst überlassen worden. Einige Mitreisende sind mit Andrea zum Hotel zurückgefahren, wir waren aber mutig und wollten selbst noch ein bisserl durch die Souks bummeln und vielleicht sogar was kaufen (ich).
Ich hab mir an jeder Ecke Notizen im Handy gemacht „durch Torbogen an Rolex rechts“, „an den Trotteln links“, „an der Schlangenhaut rein und dann rechts halten“, „am Honiglöffel rechts“, „zwischen Gewürzen und Abbruchhaus links rein“ – liest sich im Nachhinein sehr lustig 😊 😊. Irgendwann sind wir dann wieder umgekehrt und exakt den gleichen Weg zurückgelaufen. Man glaubt es nicht, aber wir sind irgendwann wieder sicher am Gauklerplatz angekommen und haben uns NICHT verlaufen. Ich war sehr stolz 😊!
Gekauft haben wir zwei kleine, hölzerne Honiglöffel (ohne Handeln), ein paar lederne Hausschuhe für meinen Mann und für mich (mit Handeln) und … DIE Tasche. Das war der Hit.
Wir sind an so einem Lederstand vorbeigelaufen, an dem eine superschöne Laptop / Arbeitstasche lag. Ich hab niemanden gesehen und mich daher getraut, mit der Hand drüberzustreichen und zu meinem Mann zu sagen „die ist aber schön weich“. Taucht von hinten der Marokkaner auf und sagt auf deutsch „ist ja auch Ziegenleder“. Ups.
Er wollte uns also das Teil verkaufen, wollte über 1.000 Dirham dafür (100 Euro). Das wäre sie sicher Wert gewesen, aber der Gatte wollte ja eh keine. Der Mann ist dann immer weiter mit dem Preis runtergegangen, aber mein Mann wollte ja wirklich nicht. Wir also weitergelaufen.
Nach 100 Metern mindestens hören wir plötzlich ein Rufen, rennt uns der Händler tatsächlich hinterher und schreit, für 500 Dirham könnten wir sie haben – das sind 50 Euro! NEIN danke. Weitergelaufen. Er wieder hinter uns her .. 400 Dirham.
Ich hab dann zu meinem Mann gesagt, wenn du sie nicht nimmst, nehm ich sie. Was soll ich sagen, wir haben sie wirklich gekauft. Das war echt ein Erlebnis und hat gut zu diesem Tag gepasst. Wenn ich die Tasche in der Küche stehen sehe, streiche ich sogar manchmal über das weiche Leder, muss lächeln und an Marrakesch denken 😉.
Okay, also dann haben wir noch irgendwo Feigen mitgenommen und das war’s dann eigentlich. Es waren wirklich schöne Stunden und zum Schluss haben wir uns noch eine Pferdekutsche zum Hotel zurück gegönnt (die Tiere hier sehen gepflegt aus, Andrea hatte gemeint, kann man guten Gewissens machen). Auch da haben wir (ich) gehandelt, das war aber so offensichtlich abgekartet von den Leuten da ... lassen wir das. Der Preis hat für uns gepasst, der Fahrer war offenbar auch glücklich und wir zufrieden.