Montag, 15.05.2017 - Barcelona
Buen día Barcelona
Zunächst war mal klar: Ausflug in Barcelona muß sein! Aber bitte nicht mit einer zu großen Gruppe. Also den Passenden gesucht. Zunächst gefunden: die HP barcelonadragontours.com. Hier werden gut 20 Führungen auf deutsch angeboten. Zu allen möglichen Themen und zu festgesetzten Terminen. Leider klappte es aber nicht mit den Terminen und auch meine Bemühungen im Roll Call, vllt. Mitreisende zu einer Tour zu motivieren liefen ins Leere.
Parallel hatte ich aber auch von irgendwo Kenntnis von der HP von barcelona.de erhalten. Hier findet man viele Tipps ... und auch einige Tourenvorschläge und geführte Stadtrundgänge. Dort buchten wir dann eine offene "Modernisme und Gaudí-Tour" zu € 24,90 p.P. Dafür sollten uns auf einem 2,25 Stunden langen Spaziergang durch das Stadtviertel Eixample viele der spektakulären Bauten Gaudís und anderer gezeigt und erklärt werden.
Der Montag lief also wie folgt ab: Frühstück um kurz nach 7 Uhr im Atlantik, kurz nach 8 Uhr das Schiff verlassen, durchs Terminal raus, ganz links stehen die Shuttle-Busse des Hafens.
Mit denen für € 4,- p.P. für das Retourticket zur Station in der Nähe des Kolumbus-Denkmals. Kurz mal um das Kolumbusdenkmal rumgegangen und in der Morgensonne fotografiert.
Weiter auf die Rambla, da staunen wir über die vielen pittoresken Ecken. Die Rambla, das ist der breite Platanen bestandene Boulevard zwischen dem Hafen und der Plaça de Catalunya, der auch eine Trennlinie zwischen den beiden Vierteln Barri Gòtic und Raval darstellt. Das Wachsfiguren-Museum ist auf der rechten Seite,
etwas weiter hoch auf der linken Seite ist die Seitenansicht der Oper (Gran Teatre del Liceu)
die wir eigentlich auch nur eines kurzen Blickes würdigen. Dann sehen wir wieder rechts dieses witzige Haus mit den Regenschirmen,
Casa Bruno Cuadros oder Casa dels paraigües.
Kurz danach auf der linken Seite ist "La Boqueria", der Markt.
Dort wird noch aufgebaut, aber die Stände mit den Säften sind schon bestückt. Wir staunen den Schinken für über €100 das Kilo an, aber es sieht alles sehr lecker aus.
Schade, daß wir keine Zeit haben, aber wir wollen zum Plaça Urquinaona und müssen uns beeilen. Denn um 10 Uhr beginnt die Führung. Wir staunen nicht schlecht, daß sich außer uns nur ein österreichisches Paar am Treffpunkt einfindet. Pünktlich erscheint Anna-Maria, eine Deutsche, die seit einigen Jahren in Barcelona lebt und uns jetzt wie oben beschrieben leitet.
Wir sehen u.a. Casa Lleó, Casa Ramón, Casa Amatller, Casa Batlló, Fundació Antoni Tàpies, Casa Milá.
Das auf dem Reißbrett entwickelte Stadtviertel Eixample konnte nach dem Schleifen der Stadtmauer auf dem ehemals vor der Stadt gelegenem Gelände jenseits des Plaça de Catalunya gebaut werden (Eixample ist katalanisch für Erweiterung). Anna-Maria ist so fix und erklärt so interessant, daß man lieber zuhört als Fotos aufzunehmen. Während der Führung waren es dann nur 88 Fotos ..... Geplant war eine regelmäßige Blockbebauung mit gleichen Maßen. Die quadratischen Blöcke sollten abgeschrägte Ecken und große luftige Hinterhöfe haben, die Bebauungshöhe sollte 5 Stockwerke nicht übersteigen. Die abgeschrägten Ecken sind noch heute ein Markenzeichen des Viertels, die 5 Stockwerke wurden auch umgesetzt, aber mit den luftigen Hinterhöfen hat es nicht so geklappt. Dort wurden schon bald kleine Gewerbebetriebe angesiedelt, Garagen errichtet etc. Als Architekten waren mehrheitlich Katalanen eingesetzt, die sich der Idee des Modernisme verpflichtet fühlten. Das ist eine katalanische Spielart des Jugendstils, der sich abwand von allen möglichen Neo-Stilrichtungen, die dann doch wieder eine Nachahmung von etwas Altem sind. Modernisme verwendet traditionelle katalanische Techniken wie Ziegelbauweise und orientiert sich in seinen dekorativen Elementen an der Natur, verwendet z.B. Blätter und Blüten.
Besonders gern werden auch in Anlehnung an den Stadtheiligen Georg Szenen mit Drachen dargestellt.
Gern wird auch Schönes mit Nützlichem verknüpft. Anna-Maria erklärt z.B. daß die dekorativen Straßenlaternen am Passeig de Gràcia eine Doppelfunktion haben: oben leuchten ist klar, aber unten ist eine Bank aus Kachelstücken, da kann man sich sogar setzen. Und falls es im Winter zu kalt wird, gibt es an der Seite eine Klappe, damit man unter dem Sitz etwas zum Wärmen einstellen kann, einen Eisenkorb mit glühenden Kohlen z.B.
Vor einigen Geschäften sind Gedenkplatten in den Boden eingelassen: diese Geschäfte sind schon seit Bau des Hauses hier ansässig
Wir kommen auch schon am Palau de la Música Catalan vorbei, Anna-Maria zeigt das Foyer und empfiehlt ausdrücklich, sich den Palau noch mal im Rahmen einer Führung anzusehen.
Uff. Alles richtig gemacht! Mehr dazu siehe Teil 2. Wir staunen über die Massen von Menschen, die sich vor der Casa Milá und später wieder vor der Casa Batlló drängen. Und fast jeder der Youngster hat einen Selfie-Stick und nimmt v.a. sich selbst auf hier vor dem "Block der Zweitracht" einem Ensemble mehrerer Häuser unterschiedlicher Architekten.
Man sagt, das Casa Batlló stelle einen schlafenden Drachen dar, deshalb auch das geschwungene Dach.
Und weil's so schön ist, noch ein paar Bilder des Casa Batlló :
Nach dieser geballten Informations- und Bilderflut war die Führung beendet, wir bedankten uns bei Anna-Maria und mußten jetzt dringend mal was trinken.
Weiter geht's mit Barcelona, Teil 2