Nicht auf wen, sondern auf was! Nämlich darauf, dass ich endlich da sitze, wo ich jetzt sitze – im Zug nach Hamburg. Na gut, in einem Zug nach Hamburg hab ich in diesen 721 Tagen mindestens vier Mal gesessen und ich hab mich auch immer gefreut, wenn ich wieder mal in diese tolle Stadt kam, aber heute wird sie für uns nur eine kurze Episode sein, eine Durchgangsstation.
„Sag mal, muss ich an diesem Ratespiel teilnehmen?“ ‚Ja klar musst Du, iss ja sonst keiner da!‘ „Auf weheeeen?“ „Na darauf, dass es endlich losgeht!“
Ich hab Hummeln im Hintern, am liebsten würde ich aussteigen und den ICE noch anschieben. (Völlig sinnlos, wenn man bedenkt, dass der schon 240 km/h fährt). Außerdem sollte man meinen, dass man sich in 18 Kreuzfahrtjahren so langsam in so etwas wie eine coole Socke verwandelt. Nun, zumindest in diesem Fall stimmt das nicht. Das was wir vorhaben, nenne ich endlich mal eine echte Innovation auf dem Kreuzfahrtmarkt. Es hebt sich wohltuend ab von dieser ewigen Kanaren- oder Karibikkreiselei (Liste auf Wunsch erweiterbar), der sich das von uns in den letzten Jahren präferierte Kreuzfahrtunternehmen leider verschrieben hat.
Zuerst aber müssen wir pünktlich nach Hamburg kommen und zu meiner Abwechslung bieten mir die Mitreisenden dafür einige Möglichkeiten an. Neben uns sitzt ein alleinreisender Vater mit seiner kleinen Tochter. Ich schätze Klein-Nina so auf 2 ½ bis 3 Jahre. Ein aufgewecktes kleines Mädel und mit einem doch schon ordentlich ausgeprägten Wortschatz.
„Papa, Schuhe aus.“ „Willst Du Deine Schuhe ausziehen, Nina?“ „Ja.“ Nina ist zufrieden, aber nicht lange. „Du auch, Papa.“ „Was?“ „Schuhe aus.“ ‚Nein’, brüllt es in mir. ‚Tu uns das nicht an.’ „Nein Nina. Der Papa lässt heut die Schuhe an.“ ‚Uff - das war knapp.’
Mit Keksen, Saft und Malen lässt sich Ninalein eine Weile beschäftigen, aber irgendwann gewinnt der Bewegungsdrang. Als die beiden wieder vom ihrem „Spaziergang“ zurückkommen, hat er sie auf dem Arm. „Nina, hast Du grad kaka gemacht? Wollen wir Dir hier mal eine neue Windel machen?“ ‚Neeiiiin. Könnte ich bitte noch mal über die Papa-Schuhe-aus-Variante nachdenken?’
Ninchen lehnt eine neue Windel ab und wir erreichen dankbar und pünktlich den Bahnhof Hamburg-Altona. Die neueste AIDA-Idee handelt ja von einer Check-In-Zeit, die einem mit den Reiseunterlagen mitgeteilt wird. Diese lag bei uns zwischen 13:00 und 14:00 Uhr. Dumm nur, dass ich bereits Wochen vorher unsere Bahnfahrkarte gebucht hatte und meine Ankunftszeit so gar nichts mit der von AIDA vorgesehenen zu tun hatte. Ein Problem war das aber in keinster Weise. Hier wurde jeder mitgenommen, der auftauchte, wann auch immer. Gleich drei Mitarbeiter wetteiferten im Terminal um uns und keine fünf Minuten später standen wir das erste Mal auf der AIDACara.
Was für ein Traumwetter in Hamburg. Später dann das Auslaufen der AIDAprima.
Unser Auslaufen verlief dann deutlich unspektakulärer als die erste Reise der Cara im Februar. Statt großem Feuerwerk setzten wir nach Auslaufen der Prima an ihren Liegeplatz in Steinwerder über, um dort dann ein nicht näher bezeichnetes technisches Gerät an Bord zu nehmen. Lt. Kapitän war dieser Ladevorgang in Altona wegen des dortigen Abstands zwischen Bordwand und Pier nicht möglich. Die ganze Aktion sollte dann bis deutlich nach Mitternacht dauern. Unser erstes Sail away müssen wir selber summen, als wir irgendwann gegen halb zwölf in die Koje fallen. Gegen 00:45 Uhr verlässt die AIDAcara dann endgültig die Hansestadt.
Wir haben ja von Euch das Schiff sozusagen übernommen und sind noch nicht einmal eine ganze Woche zurück und das Erste, was ich im Forum "verschlinge", ist Dein Reisebericht.
Es freut mich sehr, dass Euch die Reise genauso gut gefallen hat, wie uns - obwohl ihr ja wohl eindeutig das Sonnenwetter gepachtet hattet. Davon waren wir leider teilweise meilenweit entfernt. Besonders witzig finde ich, dass wir ganz oft die gleichen Motive fotografiert haben - sogar aus der gleichen Perspektive heraus.
Hab vielen Dank für Deinen Reisebericht, denn eins hab ich auf jeden Fall gelernt: Wenn im Akrafjord die Sonne scheint, dann kann es auch dort ganz nett sein.
es ist etwas Unglaubliches passiert! Mein GöGa hat Deinen Reisebericht vor mir entdeckt!
Wir freuen uns wirklich sehr, dass Du Dich zu diesem Reisebericht entschlossen hast und wir nun doch -zumindest einen Teil - Eurer tollen Bilder zu sehen bekommen.
Ich weiß ja nicht, ob ihr auch Biertrinker seid. Aber falls Euch doch mal nach einem richtig guten Bier ist, dann schaut doch mal in Ilulissat im Hotel Isfjord vorbei. Dort wurde 2010 noch Bier gebraut. Ansonsten gibt's in jedem Supermarkt "Erik der Rote". Ein Bier aus dem Godthab Bryghus in Nuuk. Dies befindet sich in der Fußgängerzone von Nuuk, und hatte in 2010 noch einen jungen Schweizer Braumeister, der von seinen deutschen Gästen sehr begeistert war. Falls ihr es dahin schafft: schöne Grüße an den jungen Mann, der uns damals noch zu einer kleinen spontanen Brauereiführung eingeladen hat.
Diese Insel war so etwas wie mein „Problemziel“. Was macht man, um Himmels Willen, auf Fuerte?
Das wochenlange Studium der TUI-Landausflüge machte mir irgendwie keine Lust auf Bus. Das ebenso intensive Studium der Reiseberichte hier im Forum brachte mich auch nicht weiter. Der beste Hinweis war noch (meiner Meinung nach) der, sich einen Mietwagen zu nehmen und über die Insel zu fahren.
Diese Variante hatte ich versucht, meinem Mann schmackhaft zu machen, was er aber mit einem entsetzten „Im Ausland???“ abschmetterte.
„Stell Dir nur mal vor, der Wagen hat schon bei der Übernahme eine Beule oder sowas und wir sehen das nicht gleich. Kannst Du Dir vorstellen, wie viel Ärger wir dann abends bei der Rückgabe kriegen?“ ‚Oder aber der Wagen ist pikobello in Ordnung und abends interessiert sich keine S... dafür?‘
Ich schlucke meine Argumente runter und gehe wieder auf die Suche.
Meine Recherchen ergeben, dass Taxifahren auf Fuerteventura etwas tricky ist, denn sobald der Taxifahrer sein Gebiet verlässt, muss man ihm auch die Rückfahrt in „sein“ Gebiet bezahlen. Irgendwas sehen wollen wir aber schon und so entschließen wir uns dann an Bord doch zu dem vom TUI angebotenem Ausflug „Shopping oder Strandvergnügen in Corralejo“ für 25,- € / Person.
Wir fahren bis Corralejo durch und folgen dem Ratschlag von Annemarie (unserem Guide) indem wir erst mal die Hauptstraße runter bummeln und uns dann rechts halten.
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Schon auf dem Weg nach Corralejo wechselten sich Bausünden mit Bauruinen ab, so dass sich unser Drang den Ort zu erkunden, sehr in Grenzen hält. (Okay, als Berliner sollte ich an dieser Stelle wohl den Mund nicht zu voll nehmen. )
Unten an der kleinen Promenade finden wir ein Kaffee mit WiFi und bleiben kleben. Pünktlich zur Rückfahrt finden wir uns wieder am Bus ein und erfragen bei Annemarie - nur mal interessehalber – was den eine Taxifahrt gekostet hätte. Sie meint, mit 30,- € pro Strecke müsse man rechnen. Wenn das so ist, haben wir ja alles richtig gemacht.
Auf dem Rückweg zum Schiff kann ich noch ein paar nette Aufnahmen von den Dünen machen.
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Wir klettern auf den Steinen herum, halten die Füße ins Wasser und suchen Muscheln. Ein seeehr relaxter Spaziergang.
Mit unserer Kabine haben wir heute die pralle Sonnenseite erwischt. Später am Nachmittag machen wir es uns auf dem Balkon gemütlich. Ich lasse mir die Sonne auf den Bauch scheinen – schließlich heißt es ja nicht umsonst „Fettverbrennung“. Soll sie doch mal zeigen, was sie kann.
Abends gehen wir wieder mal in die Schaubar. Es ist unser letzter Abend auf dem Schiff. Auch für viele andere Gäste ist es dies und dementsprechend beobachten wir heute Abend interessiert das Trinkgeldübergabeverhalten deutscher Urlauber.
Der Charmeur sahnt dabei kräftig ab. Gut, das wundert uns jetzt nicht. Wir gönnen es ihm von Herzen, allerdings liegen unsere Präferenzen – der aufmerksame Leser wird es wissen – woanders.
Wir ziehen Bilanz:
Dadurch das wir uns im Vorfeld nicht das große Tages- und Ausflugsprogramm zusammenorganisiert hatten, war es eine äußerst entspannte Woche an Bord der Mein Schiff 4.
Wir wollten zum Resturlaubsabbau einfach mal eine Woche raus und etwas abschalten.
Wir haben viel Schööönes gesehen (und auch gehört), wir haben nette Mitreisende kennen gelernt und hatten auch Begegnungen der dritten Art. Unser Bedarf an Eisschokolade ist erst mal bis zum Sommer gedeckt und da das Wetter es auch gut mit uns meinte, haben wir auch etwas Bräune tanken können, um die lieben Kollegen zu Hause neidisch zu machen.
Was will man mehr? Seegang vielleicht? Wir lieben Seegang! Aber wahrscheinlich ist das dafür das falsche Schiff. Die Mein Schiff 4 liegt ja wirklich wie ein Brett im Wasser. Diese Laufruhe (wenn es denn so heißt) haben wir noch bei keinem anderen Schiff so erlebt (außer MS 3 natürlich). Für mich immer wieder eine ingenieurstechnische Meisterleistung.
Sonntag, 31. Januar 2016 (Heimreise)
Unser Shuttle zum Flughafen geht um 09.00 Uhr. Das - finden wir – ist eine prima Zeit, gibt es uns doch die Gelegenheit auf dem Schiff noch ordentlich zu frühstücken und so dem Laugenstangendesaster im Flieger etwas entgegenzusetzen.
Auf dem Flughafen angekommen, wünschen wir uns die Berliner Verhältnisse von letzter Woche zurück. Das, was ich dort am Sonntag früh an Passagieraufkommen vermisst hatte, holt uns nun mit voller Wucht ein.
Eine Schlange von gefühlt 50 Metern steht am Check-In Schalter. Hinter dem Schalter sitzt eine junge Frau mit einer Mission.
Kennt ihr das? Ihr werdet morgens wach und habt das Gefühl, heute könntet ihr Großes vollbringen? Ihr könntet aus Böse Gut machen und alle Pein der Menschen lindern?
So was in der Art muss wohl der jungen Frau am Counter heute morgen widerfahren sein. Ihre Mission: „Ich parshippe jetzt.“
Dementsprechend druckt sie fröhlich Bordkarten und mischt die Pärchen auf. Allerdings kriegen die – und das ist der beste Brüller – dies in den meisten Fällen überhaupt nicht mit.
Folglich gleicht das Einsteigen in den Flieger einem munteren Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel. Frei nach dem Motto ‚Wir haben immer zusammen gesessen’ schauen manche nur auf eine der beiden Bordkarten und schlussfolgern für den Partner also den Nebensitz.
Watt für’n Spaß, denke ich bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich eine junge, blonde Schwedin gerade noch in letzter Sekunde daran hindern kann, sich auf meinen Schoß zu setzen. Wenn es wenigstens ein junger Schwede gewesen wäre!!!
Mein Mann und ich haben wieder beide Gangplätze, diesmal allerdings vier Reihen auseinander, was uns aber nicht weiter stört. (Nicht das wir uns nach fast 30 Ehejahren nicht mehr mögen würden, aber welche Aktivitäten lässt so ein enger Flieger schon zu?! )
Sein schwedisch ist genauso wenig existent wie meins, von daher wäre er mir jetzt sowieso keine Hilfe.
Ich neige ja partiell zu gewissen Verlustängsten, z. B. habe ich diese ausgeprägte Bordkartenverlustangstphobie. Dies hat zur Folge, dass ich ab dem Zeitpunkt des Erhalts besagter Karte bis zum Erreichen der Sicherheitsschleuse ständig leise meine Sitzplatznummer vor mich hinmurmele, damit ich dann die Bordkarte an einem absolut sicheren Platz gaaanz unten in meinem Fotorucksack verstauen kann.
Dies erwies sich nun als mittelschweres Handicap. Also wieder abschnallen, aufstehen, dabei die Wechsel-Dich-Pärchen behindern, vorsichtig das Gepäckfach öffnen.‚Schei..., wo hab ich die Bordkarte hin? Und wo sind eigentlich die Pässe? HILFE’. Hab ich schon erwähnt, dass die Passangstverlustphobie auch nicht von schlechten Eltern ist?
Letztendlich sieht sie ein, dass zwischen Reihe 30 (ich) und 32 (sie) ein klitzekleiner Unterschied besteht.
Uff!!!
„Eine Laugenstange oder ein Croissant für Sie?“ ‚Nich mit mir!’ „Nein, vielen Dank.“, juble ich ihr entgegen.
Ich habe vorgesorgt. Und NEIN! – ich habe mir auf dem Schiff kein Stullenpaket geschmiert!, sondern mir auf dem Flughafen noch etwas besorgt. Anders als die Sitznachbarn meines Mannes (wie er mir später berichtet). Allerdings waren die wahrscheinlich sowieso im falschen Flieger. Der Größe des Paketes nach zu urteilen, wollten die wohl direkt bis in die Karibik weiterfliegen.
Pünktlich in Tegel gelandet, erwischen wir einen ortskundigen Taxifahrer (und das ist in Berlin ja nicht selbstverständlich) und sind pünktlich 10 Minuten vor dem Ende des EM-Handballfinales zu Hause.
Fazit: Wenn das keine rundum erfolgreiche Woche war, dann weiß ich’s auch nicht mehr!
So, das war er nun – mein ultimativer Reisebericht einer Kanaren-Kreuzfahrt. Eigentlich hab ich die Kanaren ja immer für ein etwas langweiliges Reiseziel gehalten. Selten hab ich mich so geirrt!
Falls jemand von Euch also (noch) ähnlich denkt, dann hoffe ich, dass ich ihm die Kanaren hiermit wärmstens ans Herz legen konnte.
Nur für Pooldeck-Mitarbeiter: Sollte also die Anzahl der Kanaren-Buchungen in den nächsten Wochen bei Euch durch die Decke gehen, wie wär’s dann vielleicht mit einer klitzekleinen Erhöhung meines nächsten Bordguthabens? :joke:
Ich danke Euch, dass ihr so zahlreich mit mir auf Reisen gegangen seid. Es hat mir wieder sehr viel Freude gemacht, Euch mitzunehmen. Bis bald. Joean
Dieser fiese kleine Moment. Gerade habe ich den letzten Teil meines Reiseberichtes fertig getippselt. Jetzt noch die Fotos - und dann kann ich Euch morgen den Samstag versüßen - oder auch nicht. Iss eben Ansichtssache.
Im Moment bin ich erst mal froh, dass ich diese Geschichte - wobei es ja keine Geschichte ist, sondern mehr eine Art Protokoll - nun zu einem anständigen Ende gebracht habe. Sagenhafte 25 Seiten (Word ohne Fotos) hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen am Anfang nicht vorstellen können.
Die Anzahl der Zugriffe in dieser kurzen Zeit und die vielen lieben Kommentare und Likes machen mich immer noch etwas sprachlos. Und das will bei mir was heißen!
An dieser Stelle möchte ich mal kurz in meinem eigenen Text wildern:
So ist das eben mit Sachen, die man selbst mit Freude macht. Die machen dann (meist) auch anderen Freude.
LG Joean die sich jetzt erst mal die Finger kühlen geht und dann einen Eimer kaltes Wasser über die glühende Tastatur kippt.
Ups - hätte ich am Anfang vielleicht dazu schreiben sollen: "Bei Risiken und Nebenwirkungen zerschroten Sie Ihren Computer und wechseln Sie das Forum?"
Heute Abend ist die Crew-Show. Ich weiß ja nicht, wie es an den anderen Abenden war, aber vor dem Theater bildet sich eine beachtliche Menschentraube. Nachdem die Türen dann auf und die Ersten gleich schon mal losgestürmt sind, finden auch wir einen schönen mittigen Platz im hinteren Drittel Parkett.
Wir harren der Dinge, die da kommen und registrieren nur am Rande, dass in der Reihe vor uns vier Plätze frei sind.
Das Licht wird gedimmt und der Kreuzfahrtdirektor Hans Langen begrüßt die Gäste. Ein Schatten in meinem rechten Augenwinkel lässt mich aufmerksam werden. Sozusagen in letzter Minute hat es ein Pärchen noch ins Theater geschafft und freut sich nun (zu Recht) über 4 freie Plätze in bester Lage. Was soll ich sagen? Dafür, dass sie auf dem Weg zu den Plätzen die halbe Reihe „hochscheuchen“ müssen, können sie ja nichts und dafür, dass er 1,90 m groß ist, kann er auch nichts.
Ich ahne, wohin ihn sein Weg führen wird und in meiner Vorstellung ist er nun schon 1,98 m. Die Beiden erreichen die Sitze genau vor uns, setzen sich und ich staune: Er ist ein Sitzriese von mindestens 2,05 m! Okay – wir rutschen auf unseren Sesseln jeweils etwas nach innen. Kein Problem. So haben wir eben die „Durchsicht“ durch die Beiden.
Dachte ich zumindest. Neben seiner beachtlichen Größe von 2,08 m hat er aber offensichtlich auch ein enormes Kommunikationsbedürfnis.
Während der Kreuzfahrtdirektor auf der Bühne, aufgrund des leichten Seegangs heute Abend, sich durch sein Intro schwankt, entpuppt sich der 2,13 m Recke vor uns als ein „Der –Freundin- das-Programm-Erklärer“.
„Weißt Du, meine Süße, das sind alles Leute von der Crew. Die arbeiten hier überall auf dem Schiff.“ 'Boah…. Nee…. Oder????'
Ihre Antwort darauf kann ich nicht verstehen und ich weiß auch gar nicht, ob ich das wollen würde.
Außerdem redet der Kreuzfahrtdirektor gerade eben genau darüber. Man müsste halt nur mal zuhören!
Nachdem die erste Gesangsnummer durch ist, verlegt sich der 2,17 m Hüne nun aufs Schmusen. In der Sekunde, wo sein Kopf also wieder gen Freundin kippt, kippen wir auf unseren Sesseln folgerichtig wieder nach außen. Ich fühle mich ein wenig wie auf diesen Gesundheitssitzbällen und denke ‚Eigentlich solltest Du ihm dankbar sein‘.
Erstens bringt er Bewegung in meine Lendenwirbel (allerdings ganz sicher anders, als er sich das in seinen kühnsten Träumen vorstellen könnte) und zweitens (und das kann er sich garantiert absolut nicht vorstellen) bin ich mir jetzt sicher, dass er es in meinen Reisebericht schaffen wird. DASS es überhaupt einen Reisebericht geben wird, denn bisher war ich doch noch unentschlossen.
Aber hey: Heute ist erst Freitag und was war das doch schon bis jetzt für eine Woche! Sowas gehört doch erzählt!
Mitten hinein in diese Überlegungen platzt Programmpunkt Nummer 3. Romeo mit seiner Version der Ronan-Keating-Schnulze „Nothing At All“.
Hach, was singt der Romeo schööön.
Im Geiste sehe ich mich barfuß wandernd an der Seite von Hugh Grant in einer lauen Sommernacht durch die versteckten Parks in Notting Hill… über mir der Sternenhimmel Londons, unter mir der kühle Rasen… Hugh dreht sich langsam zu mir um und…
… macht ein saugendes Geräusch.
Häh????
Was ist DAS denn für ein Film?
Rumms, da isser wieder. Der Boden der Tatsachen.
Mit einer Mischung zwischen angewidert und fasziniert beobachte ich, wie sich die Zunge des 2,23 m Giganten vor uns langsam erneut in das Innenohr seiner Partnerin schiebt.
Uähh…
Folgerichtig rauschen Gesangsdarbietung Nummer 4 und 5 komplett an mir vorbei. Ich habe absolut keine Erinnerung daran. Allerdings bekomme ich eine ungefähre Ahnung davon, dass sich für mich nun für den Rest meines Lebens dieser Film untrennbar mit der Erinnerung an diese Crew-Show verbinden wird.
Insgesamt ist es ein sehr kurzweiliger Abend. Die Menge der Gesangstalente, die sich – nicht nur, aber überwiegend - unter den philippinischen Besatzungsmitgliedern findet, erstaunt uns immer wieder. Und ihre Bereitschaft, sich über den „normalen“ Dienst hinaus, für eine solche Show zur Verfügung zu stellen, können wir als Passagiere alle gar nicht hoch genug schätzen.
Die Show ist zu Ende, die Leute strömen nach draußen und als der Ohrmuscheljunkie vor uns aufsteht – schwupps, da isser wieder 1,90m.
Den Rest des Abends verbringen wir diesmal in der TUI-Bar.
Nachdem es uns im letzten Jahr ziemlich den Tag verregnete und wir beizeiten die Schn… voll hatten, wollen wir heute noch mal einen Versuch starten. Wir wollen mit der Straßenbahn nach La Laguna fahren, der alten Hauptstadt von Teneriffa.
Und jetzt verrate ich – wie mir scheint – einen echten Geheimtipp. Die Touristeninformation von La Laguna macht jeden Tag um 11:30 Uhr eine kostenlose Stadtführung. Von der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 1 aus, laufen wir ca. 400 Meter und stehen schon vor einem der alten Häuser. Von außen offenbart es seinen Reiz erst auf den zweiten Blick – aber der Innenhof ist sehr nett.
Dort ist auch das Tourismusbüro. Es empfiehlt sich, sich vorher dort per Mail (auch auf deutsch möglich) anzumelden, denn meldet sich niemand an, wird der deutsch sprechende Stadtführer für den Tag einfach abbestellt – und das wollen wir doch nicht, oder?
Pünktlich um halb zwölf lernen wir David kennen. Er führt uns und noch ein anderes Pärchen, die von der AIDA kommen, nun durch die alte Hauptstadt der Insel. Wir sind tatsächlich nur 4 Mann. Wir können es nicht fassen. Fast wie eine Privatführung.
Er erzählt uns z.B. dass es früher in La Laguna ca. 80 Klöster gab. Heute sind es wohl noch acht. Schräg gegenüber der Tourismusinfo steht schon das erste Kloster. David erzählt, dass dies ein Nonnenkloster ist. Auf unsere Frage, wie viele Nonnen denn hier leben, antwortet er: „Man weiß es nicht. Es können sechs oder acht Nonnen sein. Seit Jahres hat sie niemand mehr gesehen.“
David führt uns durch die Straßen und erläutert, dass die meisten dieser Häuser so vor ca. 500 Jahres gebaut worden sind und damals den reichen Kaufmannsfamilien gehörten.
Er kennt sich aus und führt uns durch Türen, durch die ich (obwohl sie offen waren) niemals allein gegangen wäre. Hinter diesen Türen offenbart sich die wahre Schönheit dieser Häuser. Die Innenhöfe. Alle sind originalgetreu erhalten und haben umlaufende Holzbalkone – vorwiegend aus Kanarischer Kiefer.
Diese Kiefer hat sehr viel Harz, so dass das Holz gut erhalten, ja fast konserviert ist. An den allermeisten Balkonen ist seit 500 Jahres tatsächlich nichts gemacht worden. Trotzdem sehen sie aus wie neu. Wahnsinn.
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Eine gute Stunde sind wir mit ihm unterwegs. Als wir (und auch das andere Pärchen) ihm danach ein Trinkgeld geben wollen, lehnt er strikt ab. Zu viert bieten wir unsere ganze Überredungskunst auf und erst der Hinweis, dass er davon doch etwas für seine drei kleinen Kinder kaufen solle, stimmt ihn milder.
Er revanchiert sich noch mit einigen Tipps bzgl. guter Tapas und wir folgen seinem Ratschlag.
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Langsam bummeln wir zurück zur Straßenbahn. Dabei kommen wir an einer kleinen Patisserie vorbei. Schon der Kuchen im Schaufenster lässt mir – obwohl gerade tapasgesättigt – das Wasser im Mund zusammen laufen. Ein Blick ins Innere des Ladens und ich bin eigentlich nicht mehr zu halten. Zig verschiedene kleine Teilchen, eins sieht leckerer aus als das andere – im Geiste überschlage ich schon, wie viele ich davon verdrücken kann.
Mein Plan ist, hier ordentlich zuzuschlagen und nachher auf unserem Balkon zu genießen. (Im Moment passt leider wirklich nichts mehr rein in die Joean.)
„Och nö. Was willst Du denn mit dem Kuchen?“
‚Essen Schatz – und zwar mit Dir – später.’
„Dann musst Du das ja die ganze Zeit tragen.“
‚Falsch. Ich muss es nur die ganze Zeit in der Straßenbahn auf meinem Schoß halten. Das krieg ich hin.’
„Das ist doch Quatsch. Unten in Santa Cruz gibt es auch Bäcker.“
Ich gebe nach. Und ich verspreche an dieser Stelle: Sollte es noch einmal um das Vorhandensein von Bäckern auf Teneriffa gehen, geb ich nicht nach!!!
Wir steigen an der Haltestelle Teatro Guimera aus und laufen von dort die Haupteinkaufsstraße runter. Was sag ich? Kein Bäcker! Kein Einziger! Irgendwann finden wir einen Laden, der denkt, er wäre ein Bäcker. Nach einem Blick aufs Angebot sieht mein Mann mich traurig an: „Ich wusste nicht, dass das so schwierig werden kann.“
Ich schon. Aber ich kann diesen Augen auch nicht böse sein. Konnt’ ich noch nie.
Also Ablauf wie immer. Schiffchen + Eisschokolädchen. Vorher gibt’s aber noch einen „richtigen“ Kaffee aufm Balkon. Da begibt es sich wieder, dass das Leben die besten Geschichten schreibt.
Gerade stehe ich mit meiner Tasse vorn am Geländer, da geht bei Nachbars die Balkontür auf, ER erscheint und wünscht mir freundlich „Guten Tag“. Prompt verschlucke ich mich am Getränk und als ich wieder Herr meiner Lungenfunktion bin, strahle ich ihn an. Mein „Guten Tag“ klingt wahrscheinlich (mal abgesehen vom Husten) etwas seltsam, denn ich muss die Worte rauspressen. Ich krieg das Grinsen partout nicht aus dem Gesicht!
Wahrscheinlich denkt er jetzt: ‚Die Alte hat ja wohl auch ne Vollmeise.’
NEIN, hat sie nicht! Sie hat gerade Kopfkino!
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Und morgen geht's dann weiter mit der Crew-Show - zumindest mit dem Teil davon, den ich bewusst erlebt habe
Wann bist du eigentlich das nächste mal auf großer Fahrt?
Ja, ein wenig Reisen steht noch bevor in diesem Jahr. Im Juni geht's auf Irland-Rundreise und im September auf die MS 1. Ob es dann auch wieder Reiseberichte von mir geben wird, kann ich noch nicht versprechen - denn ich bin ja immer abhängig von dem, was wir erleben. Möglicherweise werden das ja auch zwei gaaaanz langweilige Reisen... ist aber eher unwahrscheinlich
Wer sich die "Wartezeit" bis dahin verkürzen will, dem empfehle ich meinen Island-Reisebericht (siehe Signatur)
An diesem Abend verschlägt es uns wieder – genau wie gestern - in die Schaubar. Die TUI-Bar finden wir irgendwie nicht gemütlich, obwohl die virtuelle Band hier die wesentlich bessere Musik spielt. Die vielen Sitzmöglichkeiten dort ohne eine Rückenlehne find ich irgendwie nicht so pralle.
In der Schaubar haben wir Glück. Einer unserer Lieblingsplätze ist frei – und das kommt sehr selten vor. Wir erklimmen also eine der vier Bänke an der Stirnseite. Ich hab noch nicht mal das kleine Kissen in meinem Rücken so richtig zu recht gerückt, da steht schon ein Kellner vor uns und erfragt unser Begehr.
Unser Getränkewunsch weicht zu 50% von gestern ab. Soll heißen: GöGa bleibt bei altbewährtem, ich dagegen trinke mich weiter durch die Cocktails.
Und - wir setzen das fort, was wir gestern begonnen haben – und NEIN, ich mein‘ jetzt nicht das Trinken!!!
Wir beobachten die Leute. Insbesondere die Kellner. Wir versuchen hinter die Struktur zu kommen, wer hier was darf und was nicht.
Und wir geben ihnen Namen. Sicher, sie haben Namen. Aber von uns bekommen sie Neue, Bessere.
Da ist zum einen „Der Konzentrat“. Ein philippinischer Kellner, der so scheint uns, nicht mehr ganz so jung ist wie viele andere seiner Landsleute hier im Service. Er ist ganz offensichtlich noch nicht sehr lange als Servicekraft tätig. Man sieht es schon an der etwas angespannten Haltung. Auch das verstehende Hören der Bestellungen bereitet ihm ab und an Schwierigkeiten. Aber er fragt in diesen Fällen nach.
Höchst konzentriert belädt er dann am Tresen sein Tablett mit den Getränken und zwar genau in der Reihenfolge, wie er sie dann an „seinen“ Tischen wieder servieren wird. Und die Tabletts sind immer brechend voll. Mehr ginge dort auch nicht drauf. Doppelt kontrolliert er die vor ihm liegenden Bons, um ja keinen Fehler machen.
Und er macht keinen Fehler. Nicht einen.
Im Laufe der nächsten 1 ½ Stunden erwirbt er sich unseren höchsten Respekt.
Was ihn wohl bewogen hat, sein Geld auf einem Schiff zu verdienen? Wir könnten nur spekulieren. Aber er will diesen Job! Und er will diesen Job, verdammt noch mal, gut machen!
Der „Charmeur“ Wir nehmen an, er sei Italiener. Die großen Gesten und eine gesunde Portion Selbstdarstellung liegen ihm im praktisch im Blut.
Sein Tablett ist nicht bloß ein Tablett, es ist die Verlängerung seiner winkenden Hand.
Er flirtet mit den Damen, er scherzt mit den Herren und wenn er dann Richtung Tresen eilt um die Bestellungen aufzugeben, hat er auch für neu eintreffende Gäste noch einen Gruß und ein „schon mal ein Bier?“ übrig.
Er ist ein Tausendsassa und er weiß das auch.
Dieser Mann, so denke ich, ist doch auf diesem Schiff hier komplett unterfordert. Der reizt doch seine Begabung auf fünf Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, hier überhaupt nicht aus!
So einen Mann wie diesen, sähe ich eher in einem Schweizer Skiort wo er an der Talstation der belebtesten Abfahrtsstrecke der ganzen Gegend die Apres-Ski-Hütte betreibt. Hm.
Der „Sucher“ Ihn sieht man oft. Auf seinem Tablett steht immer das gleiche – EIN Getränk. Es ist nicht immer das gleiche Getränk, die Marke wechselt schon mal. Aber bevor dieses eine Getränk dann beim Gast landet, hat es ordentlich etwas von der Welt gesehen. Er hat sie ihm nämlich gezeigt.
Außer dieser einen Spirituose trägt er noch ein offenes Lächeln. Das macht vieles wieder wett. Möglicherweise sehen das seine Kollegen allerdings anders.
Das „fleißige Mäuschen“ Alles, was die beiden Vorgenannten aus verschiedenen Gründen nicht schafften (verquatscht, verlaufen), das bügelt sie aus. Olena. Unser erklärter Liebling.
Würde es sie nicht geben, würde auf der Steuerbordseite der Schaubar eine große Dürre herrschen.Ohne großes Aufhebens macht sie hier ihren Job. Deshalb heißt sie bei mir auch „fleißiges Mäuschen“ und nicht „Bienchen“.
Jede Biene macht bei ihrer Arbeit einen mordsmäßigen Radau (bezogen auf ihre Größe natürlich). Sie summt und surrt und schlägt mit den Flügeln.
Olena dagegen ist leise, zurückhaltend, fast schüchtern. Summen hab ich sie nie gehört, von Flügel-Schlagen wollen wir gar nicht reden.
Sie fällt manchem Gast sicher noch nicht mal auf, während er sein Bier genießt. Und genau das ist der Trick dabei: Sie macht einfach ihren Job. Und sie macht ihn mit einem Lächeln und sehr sehr gut.
Ob der Hotelmanager überhaupt weiß, was für eine Perle er da hat? Egal – wir werden es ihm sagen! Wozu gibt es schließlich den TUI-Gästefragebogen!
An dieser Stelle verlinke ich mal zu einem Beitrag von mir aus dem Jahr 2013, in dem ich mich mit der Bedeutung dieser Fragebögen befasst habe.
Die Band finden wir so lala, sie singt jetzt nicht unbedingt den Saal leer, aber so, dass wir nun zwingend tanzen müssen, isses auch nich. Das ändert sich, als eine andere Sängerin auf die Bühne kommt. Klein, blond, griffig mit unübersehbaren Lungenflügeln. Und Stimme. Und Temperament. All das erinnert mich sehr an Beatrice Egli. (Also nicht, dass ich ihre Sendungen alle sehen würde, aber immer wenn wir meine Mutter besuchen, dann…)
Beatrice, die Zweite macht einen richtig guten Job. Noch während des ersten Liedes macht mein Mann mich auf 3 Gestalten aufmerksam. Sie stehen in der Nähe der Treppe, tragen zwar „Zivil“, sehen aber trotzdem irgendwie offiziell aus. Und wer geht schon sonst mit ‚nem Klemmbrett abends in die Bar?
Während die kleine Blonde da vorn ihre Lungenflügel beben lässt, machen sie sich Notizen. Ich hoffe, sie haben sich notiert, dass der Beifall nun wesentlich lauter und euphorischer ist, als zuvor bei der Band.
Sollte also „Beatrice“ den Job bekommen und künftig in der Schaubar singen – dann freut Euch. Es lohnt sich wirklich. Wir dürfen nur ein kurzes Gastspiel von 3 Liedern genießen, dann ist sie wieder fort – und mit ihr die Klemmbretter.
Irgendwann gehen wir dann hoch in unsere Kabine. Die Routenkarte im Fernseher verkündet eine aktuelle Geschwindigkeit von 9,1 Knoten = Schleichfahrt.
Wir erinnern uns an das, was der Kapitän gesagt hat: ‚Wenn das Schiff langsamer als 9 Knoten fährt, wäre Rudern effektiver‘.
Und jetzt – genau in diesem Augenblick wird mir klar, warum das Deck 5 mit seinen Rettungsbooten soweit übersteht und man vom Balkon nicht mehr so direkt auf’s Wasser gucken kann. Der ungünstige Winkel soll verhindern, dass ich die Ruderer sehe!!!
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Heute haben wir nichts vor – d.h. wir werden einfach so ein wenig durch die Stadt bummeln. Irgendwann nach zehn gehen wir von Bord, holen uns einen kleinen Stadtplan in der Info und es kann losgehen (obwohl der Schiffsplan auch gereicht hätte).
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Zusammen mit den wirklich schönen Balkonen finden wir eine kleine Kaffeebar, in der auch Spanier sitzen, also setzen wir uns dazu und bestellen einen Barraquito. Ein so‘n Teil sollte reichen, ansonsten schaffe ich in dieser Wärme nicht mal mehr den Weg zurück zum Schiff.
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Wetterpunktcom hatte die ganze Woche Temperaturen so um die 20° vorhergesagt. An irgendeinem Laden finden wir eine Anzeige. Es sind 26°. Mir als bekennendem Winterfan ist das ja schon fast zu warm.
Schon am frühen Nachmittag sind wir wieder zurück. Kurz auf die Kabine, mal beim Wintersportprogramm der ARD vorbei geschaut, Käffchen, Zigarettchen und dann? Richtig!!!Schokolädchen.
So gegen 16:00 Uhr sind wir wieder oben. Gleiches Prozedere wie vor dem Schokolädchen, nur das jetzt „Verrückt nach Meer“ läuft. Die komplette Folge kann ich mir aber nicht ansehen, da ich um 17:10 Uhr einen Termin für eine Hot-Stone-Massage habe und vorher wohl besser noch duschen sollte.
Mein Mann beschließt, heute etwas eher zum Shuffleboard aufzubrechen und so kommt es, dass ich um ca. 16:45 Uhr fertig geduscht allein in der Kabine rumstehe.
Im Fernsehen läuft gerade der Abspann. Ich drehe leiser.
Ich klicke mich durch das Bordportal, rufe mir die Speisekarte vom Atlantik für den Abend auf und denke: ‚Mein Gott, Du hattest doch leiser gedreht, wieso läuft denn da jetzt diese Tiersendung?‘
Ich schalte den Fernseher aus, die Tiersendung bleibt.
Unsere Kabine ist eine von denen mit Verbindungstür. Bisher haben wir unsere Nachbarn überhaupt nicht wahr genommen. Dies ändert sich für mich nun schlagartig.
Im Geiste gehe ich die Möglichkeiten durch – meine – nicht die von Nachbar‘s!
1.Ich gehe einfach schon früher in den SPA-Bereich und sitze dann da dumm rum. Och nö.
2 .Ich klopfe gegen die Tür und brülle so etwas wie „Aufhören“. Das ist mir aber entschieden zu dämlich. Wir sind doch hier nicht im Kloster! Außerdem, wer weiß, ob die noch aufhören können?
3.Ich gehe auf dem Balkon eine rauchen und erkälte mich, weil ich ja schon außer Bademäntelchen nichts mehr an hab. Nee.
4. Ich könnte die Beiden lautstark anfeuern – zugegebenermaßen nur durch die Tür, aber Schall ist eine Supersache – das klappt in beide Richtungen.
Ich tendiere also ganz stark zu Möglichkeit 4 und formuliere im Geiste schon so zwei bis drei Schlachtrufe (wenn man das denn in diesem Zusammenhang so nennen kann).
Und merke dann, dass ich hier wohl diejenige bin, die zu spät dran ist. Nebenan wird das Röhren tiefer (er), das Quieken höher (sie), es geht ins Staccato über – oh, das deutet aufs Finale hin. Möglicherweise haben die Beiden ja auch einen Zehnnachfünf-Termin.
Ich bin jedenfalls pünktlich im SPA-Bereich (man sollte es kaum glauben!) und werde von Eva in Empfang genommen. Sie fragt mich, warum ich mich gerade für eine Hot-Stone-Massage entschieden habe und ich antworte absolut ehrlich: „Weil ich noch nie eine hatte.“
Sie beglückwünscht mich zu dieser Wahl und ca. 1 Stunde später tu ich das auch.
Im Laufe der Jahre hab ich mich auch durch die SPA-Angebote probiert und weiß jetzt z.B. dass irgendwelche Wellness-Anwendungen mit Peeling nicht mein Ding sind. Bei dem Salzpeeling vor 2 Jahren hatte ich das Gefühl, ich solle ins Koma gestreichelt werden.
Nein, da ist mir das hier schon wesentlich lieber. Eva findet auch mit schlafwandlerischer Sicherheit die beiden Punkte kurz neben meinen Schulterblättern, wo’s mal so richtig weh tut.
Ach, diese Massage tut gut. Am liebsten würd ich ja mal laut stöhnen, aber das verkneif ich mir nach der Erfahrung von eben.
Ein paar Stichpunkte hab ich mir schon notiert, aber soviel wie's vielleicht den Anschein hat, war's dann doch nicht.
Nichtsdestotrotz möchte ich Euch nochmals versichern, dass alles was ich hier schildere, tatsächlich so passiert ist.
Allen, die meinen Reisebericht lesen - und das scheinen ja einige zu sein, wenn ich mir die Zugriffszahlen so ansehe - möchte ich ganz herzlich für ihr Interesse danken.
Und so ganz nebenbei erwähnen, dass ich mich natürlich darüber freue, aber noch mehr freue ich mich über jeden netten Kommentar.
(War das jetzt genug Zaunpfahl?)
Heute abend gibt's dann La Palma - und das kann ich Euch versprechen, wird so richtig witzig (also ich fand's zumindest witzig und habe beim Schreiben schon immer leise vor mich hin gekichert).
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Nach einem ausgedehnten Frühstück nutzen wir den TUI-Shuttle nach Funchal. Wir lassen uns etwas durch die Straßen treiben. Seilbahn und Monte haben wir schon bei unserem ersten Besuch auf Madeira vor 3 Jahren „abgehakt“. Obwohl es gar nicht unbedingt unser Ziel war, landen wir dann doch wieder in der Markthalle. Anschließend ein Bummel durch die Altstadt – Türen fotografieren.
Nach dem Auslaufen aus Funchal findet am diesem Nachmittag die Kapitänsfragestunde statt. Für mich immer ein Highlight. Seit vielen Jahren lass ich mir keine entgehen.
Kapitän dieser Reise ist Todd Burgman. Im Laufe der folgenden Stunde stellt sich heraus, dass er durchaus schlagfertig ist und über einen trockenen Humor verfügt, der mir sehr entgegen kommt. Ich glaub, wir könnten Freunde werden (was ihm aber sicher wurscht sein wird).
Zunächst werden mal wie immer die technischen Daten abgehandelt. So erfahren wir von ihm z.B. das die Mein Schiff 4 einen Wasserverbrauch von ca. 230 Litern Pro Tag pro Person hat. Der Umweltoffizier lasse daher ausrichten, dass möglichst nur zu zweit geduscht wird.
Ebenso wird erwähnt, dass die MS 7 und MS 8 nochmals 28 Meter länger werden als die MS 3 bis 6. Kapitän Burgmann erwähnt den Tiefgang der Mein Schiff 4 (8,1 Meter) sowie die ungeheure „Segelfläche“, die das Schiff mit seiner Höhe von 58 Meter über der Wasserlinie darstellt.
Dann dürfen die Passagiere ihre Fragen stellen. Jetzt sollte man aufmerksam sein, denn möglicherweise wird es lustig.
Beispiele gefällig? (garantiert alle aus dieser Fragestunde)
Frage: „Warum waren wir schon am ersten Seetag um 23:00 Uhr in Funchal?“ Antwort: „Aus Effizienzgründen. Die Entfernung von Las Palmas nach Funchal ist nicht so groß und mit weniger als 9 Knoten zu fahren ist mit einem Schiff dieser Größe pure Energieverschwendung.“
Frage: „Herr Kapitän, Sie haben gesagt, das Schiff hat 8 Meter unter Wasser und 58 Meter über Wasser. Warum kippt es nicht um?“ Antwort: „Es ist 8,1 Meter unter Wasser.“ Natürlich wird das archimedische Grundprinzip dann noch kurz von ihm erläutet. Aber da bin ich schon mit meinen Notizen beschäftigt.
Frage: „Kapitän Burgman, wie sind Sie gegen Piratenangriffe geschützt? Haben Sie auch Waffen an Bord?“ Was für eine Antwort erwartet der Fragesteller jetzt eigentlich? Vielleicht: ‚Ja, meine Walther P9 liegt gerade hinter der Bühne und wenn ich auf der Brücke stehe, habe ich immer 3 Handgranaten am Gürtel?’ Folgerichtig erklärt der Kapitän, dass es Schutzmaßnahmen gäbe. Auch die Besatzung würde regelmäßig in ihren Drills mit diesem Thema konfrontiert. Weitere Ausführungen könne er aber leider nicht machen. Richtig so.
Kommen wir aber nun wieder zu etwas erfreulicherem... Frage: „Was passiert eigentlich mit den Lebensmitteln, die jeden Tag in den Restaurants übrig bleiben? Füttern Sie damit die Fische?“ Antwort: „Nein, die Besatzung.“ Schlagfertig, der Mann. So eine Steilvorlage kann man sich aber auch kaum entgehen lassen. Natürlich erntet er dafür Gelächter.
Frage: „Gibt es eine Statistik darüber, wie viele Passagiere verloren gehen?“ Oh, oh – da hat wohl jemand zuviel Fitzek gelesen! Geraune im Saal. Daraufhin ändert der Fragesteller die Formulierung: „Wie viele Passagiere in % verpassen den Wiedereinstieg?“ Der Kapitän antwortet, dass ihm darüber keine Statistik bekannt sei. In seinen 2 Jahren als Kapitän bei TUI habe er aber insgesamt 4 Passagiere an Land stehen lassen müssen.
Und zum Schluss noch was schönes: Frage. „Welches Schiff ist stabiler? Die Titanic oder wir?“ Antwort: „Wir natürlich. Schließlich schwimmen wir noch.“ Damit hat er wieder alle Lacher auf seiner Seite. Eine kurzweilige Stunde ist zu Ende.
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Es ist die AIDAsol, die sich im Zeitlupentempo rückwärts an uns vorbeischiebt, um den etwas stadtnäheren Liegeplatz hinter uns zu belegen.
Schon im Oktober hatte ich über MHT die West-Tour gebucht. Treffpunkt war um 08:30 Uhr vor dem Schiff.
Unser Kleinbus für ca. 20 Mann stand schon da und Sergio – unser Fahrer und Guide - war gerade dabei, seine Schäfchen einzusammeln.
An Sergio werden wir uns immer erinnern. Warum? Lest selbst!
Zunächst einmal ging es zügig raus aus Funchal, Richtung Camara de Lobos. Sergio spricht gut und verständlich Deutsch und erzählt uns auf dem Weg schon mal, was wir heute alles zu sehen bekommen werden.
Er schwärmt von den Tälern „so schööön“ und der Felsklippe „schööön“ und der Hochebene „Da müsse Sie komme im April. Aber schööön.“
Er ist ein Vollblutmadeirer, er liebt seine Insel, jedes Tal, jede Bucht und jeden Ort „Aber schööön“.
Den Ausflug hier im Einzelnen zu beschreiben, spar ich mir. Das haben andere hier im Forum schon sehr gut gemacht. Ein paar meiner Bilder (bisher gab’s ja noch nicht so viele) stell ich aber trotzdem mal mit ein.
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In Ribeira Brava empfiehlt er, uns die Stadt anzusehen. „Ist soo schööön.“ Uns steht aber der Sinn lieber nach einem richtigen Madeira-Kaffee. Er schickt uns die Straße runter Richtung Strand und wir sollen unbedingt einen „Chinesa“ bestellen.
Genau das tun wir (und andere auch). Wir entdecken das Wi-Fi und genießen die Aussicht auf die Bucht. Natürlich kommt es auch noch zu dem einen oder anderen Foto. Es ist wirklich alles schön!
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Leider haben wir danach auf dem Hochplateau Paul da Serra ziemlich diesiges Wetter. „Sie müsse wieder komme in Frühjahr. Dann blühe hier alle Blume. Aber schööön.“
In Porto Moniz essen wir zu Mittag – übrigens äußerst lecker. Diesen schwarzen Degenfisch wollt ich ja schon immer mal probieren.
Dann haben wir noch ausreichend Zeit, um uns die Beine zu vertreten und Bilder zu machen. „Gehen Sie zu Naturswimmbad. Dort kommen immer große Welle. Iss so schööön.“ Natürlich machen wir das.
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Wieder im Bus erklärt uns Sergio die Getränkesituation auf Madeira. Er verrät uns, was Nikita ist (für Frauen), was ein Ziegenfuß ist „dummer Name, aber schööön“ (ein Getränk für Männer: Schwarzbier gemischt mit Rotwein und Schokolade). Leider werden wir das bei diesem Besuch nicht mehr probieren können. Aber da haben wir ja gleich ein Ziel für’s nächste Mal.
Und er kommt natürlich auf Poncha zu sprechen. Das Nationalgetränk schlechthin. Er verspricht uns den besten Poncha, wenn wir im Laufe des Nachmittags bei dem Wasserfall halten werden. „Die habe da richtig gute Poncha. Kost aber 1 Euro. Aber schööön.“
So vergeht der Nachmittag. Sergio zeigt uns seine Insel und verhehlt zu Recht auch nicht seinen Stolz auf das, was in den letzten Jahren hier alles entstanden ist.
„Früher war nur Schule in Funchal. Heute wir haben in alle Gegend Schulen, gleich mit Sporthalle und manchmal Schwimmbad. Aber schööön.“
Wir hören ihm ehrlich interessiert zu. Möglicherweise haben sich die Mitreisenden in unserem Bus ja gewundert, warum mein Mann ich uns ab und zu so plötzlich abgeklatscht haben? Ganz einfach: Wir hatten eine stille Wette laufen, wann wieder etwas „Aber schööön“ ist.
Wir kommen nach Seixal. Die Besichtigung des Wasserfalls steht an. Auch soll sich hier der von Sergio angepriesene Souvenirladen mit dem 1-€-Poncha befinden.
„Leider diese Winter wenig Wasser. Sie müsse wieder kommen noch mal. Dann ist Brautschleier-Wasserfall bestimmt größer. Aber so schööön.“
`Schei... auf den Wasserfall’, denke ich mir, ‚Ich will jetzt Poncha’. Soweit ich mich erinnere hatte hwsster diesen Souvenirshop schon gelobt und er hat nicht übertrieben. Das Angebot begeistert uns auch, vor allem weil es nicht der übliche Touristennepp ist. Natürlich gibt es davon auch ein wenig, aber eben nur wenig. Dafür begeistern mich die Schuhe und die Handtaschen aus Kork. Selbstverständlich probieren wir auch den Poncha. Hier wären wir gern noch länger geblieben.
Nach einem weiteren Stopp auf einer Passhöhe (leider wieder ziemlich diesig) geht es nun nach Funchal zurück. Irgendwann so gegen 18:00 Uhr liefert er uns wieder am Schiff ab. Es war ein wunderschöner Tag mit wahnsinnig vielen Eindrücken. Sollten wir mal wieder nach Madeira kommen, werden wir garantiert noch eine andere Tour mit MHT buchen.
Danach waren wir rechtschaffen satt, ein erneuter Spaziergang über Bord war nötig, um Platz zu schaffen für Kaffee-Lounge, die Zweite.
Auch heute ist hier gut besucht. Wir nehmen einen von zwei freien Tischen und haben uns kaum gesetzt, da steht schon „unser“ Kellner neben uns. „Eisschokolade?“ „Genau die.“
Was soll ich sagen? Sie ist immer noch sehr, sehr lecker und ersetzt eine Mahlzeit (zumindest bei mir). Mein Mann zückt die Karte (hat er heute ja schon etwas geübt), damit die Rechnung ausgestellt werden kann. Der Kellner kommt an unseren Tisch. Wir verstehen seine Worte, aber begreifen sie nicht sofort. „No, No. Iss chon okay.” Wir sehen uns an. So war das eigentlich nicht gedacht! Wir versuchen noch mal, dem Kellner die Karte in die Hand zu drücken, aber er winkt nur ab. „Ales gutt.“ Hm. Müssen wir eben einen anderen Weg finden. Wir bedanken uns und gehen.
Der Rest des Nachmittags plätschert so an uns vorbei. Gegen halb sieben machen wir uns auf ins Atlantik-Klassik. Die Vorspeise „Crème-Brülée von der Gänseleberpastete“ hat es uns angetan. Wir müssen nicht warten, da wir der Gastgeberin sofort signalisieren, dass wir uns auch gern an einen großen Tisch mit Gesellschaft setzen würden.
So bekommen wir den – für uns - besten Platz im Atlantik. Direkt in der Mitte an einem der großen runden Tische, die weiße Treppe direkt im Rücken. Herrlich. Man kann fast das gesamte Restaurant überblicken. Kurz nach uns wird noch ein älteres Paar mit an den Tisch gesetzt. Wir bestellen uns munter durch die Karte. Wein ist nicht so GöGa’s Ding. Er hätte gern ein Bier. Der ältere Herr atmet hörbar auf. „Dann hätte ich auch gern eins.“
In unserer Ehe hab ich’s ja eher mit dem Schreiben, er mit den Reden. Also versucht er, so etwas wie eine Konversation in Gang zu bringen. Schwierige Sache.
Die brüllierte Gänseleberpastete ist lecker, atmet sich aber leider viel zu schnell ein. Die Spargelcremesuppe macht ihrem Namen alle Ehre. Spargelig, cremig, suppig. Hervorragend.
Ein erneuter Versuch. „Und waren Sie schon mal auf der Mein Schiff 4?“ „Nein.“ „Auf einem der anderen Schiffe?“ „Nein.“ Oh Mann, das ist ne echte Herausforderung!
Unser Zwischengang kommt. Das Steinpilzrisotto findet bei mir ein klein wenig mehr Anklang als bei meinem Mann, aber er ist eh nicht so der Reisfan.
Weiter geht’s. „Morgen kommen wir ja nach Madeira. Haben Sie etwas Besonderes geplant?“ „Nein.“ Puh.
Glücklicherweise kommt der Hauptgang. Wir beide nahmen die Ente und das ältere Paar hatte etwas aus der „Gesund-Karte“. Wir spachteln unsere Teller leer. Anschließend versichern wir uns beide gegenseitig, wie toll und zart doch diese Ente war.
Ich würde dieses Gespräch – wenn es denn partout kein anderes Thema gäbe – auch gern mit unseren Tischnachbarn führen, nur wie?
Okay. Ein allerletzter Versuch. „Waren Sie schon einmal auf Madeira?“ „Ja.“ Die zu dem Kurzantworter gehörende Dame fühlt sich berufen, sich an dem Frage-und-Antwort-Spiel zu beteiligen. Sie tupft sich mit der Serviette den Mund ab und presst etwas raus, was wie „Aei…a“ klingt.
Oh, mein Gott. Sitzen wir doch wirklich mit Aida-Fahrern am Tisch. Na, das eröffnet doch völlig neue Themen, ach was sag ich: Themenwelten!
„Und wie gefällt Ihnen die Mein Schiff bisher so?“ „Na ja, nich so.“ „Oh, was denn nicht?“
Was jetzt folgt, ist genau wie die bisherige Unterhaltung exakt so passiert. Wenn ich allerdings nicht selber dabei gewesen wäre, würde ich es wahrscheinlich auch nicht glauben können.
„Das Essen dauert so lange. Und man muss so viele Gänge bestellen, damit man überhaupt satt wird.“ Boah, was für ein langer Satz. Hätt ich ihm gar nicht zugetraut.
Gut, was die Länge des Essens angeht, kann ich ihm zustimmen. Es ist auch nicht unser Ding jeden Abend 1 ½ Stunden beim Essen zu sitzen. Daher haben wir für uns eine gute Mischung zwischen Atlantik und Anckelmanns gefunden. Aber das kann ja jeder so halten, wie er mag. Aber er ist noch nicht fertig.
„Und dass man hier so wenig Salat bekommt, finden wir auch nicht gut. Wir hätten lieber jeder einen großen Teller voll Gemüse statt die vielen kleinen Portionen.“ „Hm. Aber warum gehen Sie denn dann hier im Atlantik essen?“ „Gibt ja nichts anderes.“ „Äh – doch.“ Wir erklären ihnen, dass es oben auf Deck 12 ein Büffetrestaurant mit Selbstbedienung gibt. „Wo soll das sein?“ „Da oben, wo auch das Sonnendeck ist.“
Ich beschäftige mich intensiv mit meinem Taschentuch und tue so, als müsse ich niesen. Ich schwöre, wenn der Typ gleich noch fragt, wo denn das Sonnendeck sei, dann schrei ich.
Nett wie wir sind, beschreiben wir den Weg idiotensicher. Sie bedanken sich bei uns, lächeln! uns an, als sie sich dann wenig später verabschieden. Was die wohl vorhaben?
Gegen 23:00 Uhr laufen wir schon in Madeira ein. Auch ein schönes Bild so im Dunkeln. Auf den Außendecks ist ziemlich was los, auch wir halten uns noch eine ganze Weile an der Außenalsterbar auf. Irgendwann beschließen wir aber, dass uns Madeira nicht wegrennt und gehen schlafen. Schließlich geht es morgen relativ früh los.
Damit das hier heute nicht mit so einem "negativen" Eindruck endet, hab ich mich gerade dazu entschlossen, auch noch den ersten Seetag komplett einzustellen - wahrscheinlich wieder in mehreren Teilen...
Montag, 25. Januar 2016 (Seetag)
Wir sind doch relativ zeitig wach und gehen ins Anckelmanns frühstücken.
Ich war der Meinung, irgendwo im Forum gelesen zu haben, dass es dort jetzt auch noch andere Kaffeemaschinen gibt (ähnlich wie auf der 1 oder 2). Muss ich mich wohl geirrt haben, oder ich bin blind oder blöd oder beides. Geb ich also den vorhandenen (bekannten) Automaten noch mal eine Chance.
Ein Fehler, wie ich nach dem ersten Schluck feststelle. Okay, vielleicht müssen die Geschmacksknospen auch erst noch erwachen. Zweiter Schluck – Fehler. Dritter Schluck – großer Fehler.
Ab diesem Zeitpunkt trinke ich – genau wie letztes Jahr – Kakao. Und zwar nicht aus dem Automaten, sondern aus dem Thermobehälter an der Backbord-Stirnseite, wo es abends die Suppen gibt. Der iss lecker. Und für den Kaffeegenuss haben wir uns ja von zu Hause selber Kapseln mitgebracht. Und zwar nicht die von Nespresso, sondern die von Onkel Dahlmeyer. Dazu kann man dann auch auf dem Balkon gemütlich eine rauchen. So geht wohlfühlen.
Anschließend machen wir das, was die meisten anderen auch tun. Wir bummeln durch die Shops. Warum es die „Mein Schiff“-Kofferanhänger ausschließlich im Online-Shop gibt und nicht auch im Shop an Bord, wird sich mir auch nicht mehr erschließen. Wir haben ja noch die ganz alten aus 2009 auf denen die „Mein Schiff“ – damals noch ohne Nummer! abgebildet ist. Vielleicht haben die Dinger ja mal irgendwann seltenheitswert.
Das Angebot an Bekleidung reißt uns nicht so vom Hocker, Kosmetik haben wir gestern schon geshoppt. Aber beim Juwelier – da bekommt die Joean große Augen. Und mein Mann macht mir ein wunderschönes leicht verspätetes Geburtstagsgeschenk.
P.S. Die Rose ist TUI’s Zimmerdeko. Auch dafür Danke.
Wie wir mitlesenderweise erfahren haben, trifft sich um12:00 Uhr das Forum an der Außenalsterbar. Wir haben uns zu diesem Treffen nicht angemeldet, außerdem haben wir sowieso schon etwas anderes vor.
Wir gehen zur Fleischverkostung. Ca. 30 Leute finden sich zu dieser Veranstaltung ein, hätt ich nicht gedacht! Gern würde ich an dieser Stelle auf die einzelnen Fleischsorten und ihre Besonderheiten eingehen, wenn ich mir denn die Fülle an Information hätte merken können. Als erstes gab’s natürlich wieder die Salzeinführung. Danach ging’s um Temperaturen und Garstufen wie medium und rare und das was es dazwischen noch gibt.
Das erste war eine kleine Scheibe Rib-Eye-Steak vom Pommernrind. Daran kann ich mich noch erinnern. Unabhängig voneinander kamen mein Mann und ich nach der Verkostung zu dem Schluss, dass dies uns am Besten schmeckte. So nach und nach wurden die anderen Fleischsorten auch vorgestellt und verkostet. Lamm war allerdings nicht dabei. Iberico und Kleeschwein ja. Insgesamt eine sehr unterhaltsame und informative Veranstaltung. Bei unserer nächsten Fahrt wissen wir schon, wofür das Bordguthaben draufgehen wird.
Die Zeit bis zum Auslaufen zieht sich heute irgendwie hin, denn lt. Tagesprogramm ist das Auslaufen erst um 22:30 Uhr, statt wie in den Reiseunterlagen angegeben um 21:00 Uhr. Dann ist es endlich halb elf und es heißt: „Leinen los.“
Das Lied der Gezeiten wird gespielt und was ich jetzt schreiben werde, ist ausdrücklich meine persönliche Meinung:
Dieses Lied gehört sofort wieder abgeschafft! Es vermittelt null Emotion und null Gefühl. Es klingt exakt so, wie das, was es ist. Nämlich ein Auftragswerk.
Wenn ich dieses Lied höre, sehe ich vor meinem geistigen Auge förmlich, wie es entstanden ist. Irgendein Komponist sitzt zu Hause am Klavier, starrt abwechselnd auf die Tasten oder ins Leere und hämmert sich mit beiden Fäusten stetig gegen die Stirn: „Ich MUSS ein Lied schreiben, ich MUSS ein Lied schreiben, ich MUSS....“
Natürlich kann ich nachvollziehen, dass man sich nicht auch bei Enya bedienen wollte. Auch Vangelis und sein conquest of paradise ist schon vergeben. Aber was haben diese beiden Lieder z.B. gemeinsam? Sie waren schon Hits, bevor sie ihre zweite Karriere als Auslaufhymnen starteten. Und warum waren Sie das? Weil diese Lieder an sich die Menschen schon emotional berührten! Weil die Melodie oder der Text – idealerweise beides – dem Künstler zufloss, er musste nicht darauf warten, er musste nicht danach suchen, die Melodie war einfach da und sie musste raus, weil er sonst an den ganzen Gefühlen geplatzt wäre. So ist das mit Sachen, die von Herzen kommen. Die gehen dann auch zu Herzen.
Das Lied der Gezeiten findet diesen Weg leider nicht, weil es auch nicht von dort kommt.
Der Tag war lang und nach uns ruft nun das Bett. ----------------------------------------------------------------------------------------------------- P.S. Ich weiß, daß ich nun möglicherweise eine erneute Diskussion über dieses Lied lostrete. Aber ich möchte Euch Foris herzlich darum bitten, diese dann nicht in diesem Thread "auszufechten", sondern in dem dafür bereits vorhandenen Thema. Ich danke Euch. Neue Auslauf-Hymne für die Wohlfühlflotte[/url]