Ich bin jetzt eine Woche zurück vom Urlaub, boah, wie die Zeit vergeht.......und ich möchte wie immer, ein kleines Fazit der Reise schreiben.
Anreise
Ich bin diesmal zum ersten Mal mit einem Zug zur Kreuzfahrt angereist. Durch meine neue Wohnlage direkt an der Grenze zu Österreich hat sich die Entfernung nach Venedig nochmal verkürzt und Flugverbindungen wären nicht gerade sinnvoll. Andererseits wollte ich mir die Autoanreise nicht antun, also musste ich etwas anderes finden. Entweder per Bus oder per Bahn.
Die DB/ÖBB bieten einen Direktzug von München nach Venedig. Er hält auch in Rosenheim und so war es für mich die beste Option: per RE5 nach Rosenheim, dort umsteigen und mit RJ85 nach Venedig. Da der Zug tagsüber fährt, war auch zu erwarten, dass man auf der Strecke Schönes sieht.
Der Zug kam verspätet in Rosenheim an (Tiere auf der Strecke....), eine Ansage, dass er einläuft, kam nicht und so haben sich einige einsteigende Passagiere gefragt, ob das überhaupt der richtige Zug ist....ich auch. Auch war keine Möglichkeit am Gleis richtig zu stehen um einigermassen im richtigen Waggon zu landen. Dass der Zug einige innennliegende Treppen hat, war mir auch nicht bewusst. Zum Glück gibt es -fast- immer freundliche Menschen, die einem mit Gepäck helfen, so auch hier. Im übrigen war der Zug absolut ausgebucht, zumindest bis Bozen, danach wurde es leerer.
Die Strecke war wunderschön und wenn wir im Ruheabteil!!! nicht eine unmögliche Familie mit dauerquengelnden und schreienden Kindern gehabt hätten, wäre es eine schöne Erfahrung gewesen. Wenn ich nochmal sowas mache, nehme ich mir auf jeden Fall Kopfhörer mit!
In Venedig Mestre waren wir auch nicht pünktlich, aber das war mir egal, weil es der Tag vor der KF war. Eine Anreise am gleichen Tag kommt für mich nicht mehr in Frage. Von dort bin ich per Uber zum Hotel, was ich nur bedingt empfehlen kann (ich hatte ein unrenoviertes Zimmer bekommen, nach Beschwerde allerdings Abendessen umsonst und von booking noch einen 16 Euro Gutschein), aber ja, ich habe es überlebt. Am nächsten Tag dann per Taxi zu Stazione Maritima, Festpreis von 35 Euro.
Einschiffung
Die Kofferabgabe erfolgte dann in der Stazione Maritima, danach ging es per Boot/Bus/Van zum Schiff. Wirklich gut gelöst für diesen komplizierten Hafen Venedig Marghera. Als ich auf dem Schiff ankam, war meine Kabine schon fertig, ich bin ja mittlerweile Diamond Member und diese Kabinen werden vorrangig fertiggestellt und freigegeben. Auch der Koffer kam sehr schnell. Passt.
Das Schiff
MSC Lirica ist ein altes und kleines Schiff und ich war eigentlich skeptisch, wie es mir gefallen würde, habe es aber aufgrund der Route gebucht. Aber die Skepsis war umsonst. Das Schiff ist gut gepflegt, sauber, die Kabine ausreichend gross und immer gut gepflegt, das Bad hat sogar eine, wenn auch kleine, Glasdusche. Nicht ein einziges Mal gab es Probleme mit der Toilette (das kann ja bei alten Schiffen ab und zu vorkommen), nur die Balkontür hat bei mir am Anfang geklemmt. Der Gästeservice hat die Beschwerde aufgenommen und das wurde noch am gleichen Tag behoben. Gut gemacht. Die Balkone wurden auf der Reise sogar zweimal gereinigt und ich habe den Kabinensteward auf dem Nachbarbalkon gesehen, wie er die Glasscheiben von aussen reinigt. Sehr löblich.
Das Essen/die Restaurants
Ich habe meistens im Bedienrestaurant gegessen, auf jeden Fall abends, aber auch zum Frühstück und zum Mittag. Dort wurde auch ein Buffet aufgebaut, aber ich habe es nicht benutzt. Es gab jeden Tag eine gute Auswahl und das Essen war wirklich lecker und die Bedienung auf Zack. Ab und zu mal wurde abends ein Geburtstag gefeiert und die berühmte Polonaise fand am Mediterranen Abend auch statt. Ich hatte zuerst einen Platz an einem grossen Tisch zugeteilt bekommen, aber der einzige freie Platz war für mich nicht so einfach zu erreichen (durch meine Geheinschränkung) und schon am ersten Abend hat sich der Restaurantmanager um mich gekümmert und mir einen kleinen Tisch gegeben, der aber mitten im Geschehen war, ich war also nicht am Katzentisch.....alles gut.
Ab und zu war ich auch im Buffetrestaurant, das naturgemäss wuseliger war. Essen war ok, die übliche Auswahl, keine Ausreisser nach oben oder unten und auf Europäer eingestellt. Wenn ich das Buffetessen zwischen einer alten MSC Lirica und einer alten NCL Sky vergleiche, gewinnt Lirica um Längen. Verschiedene Brotsorten und der gute Cappuccino (aus dem Easy Paket) machen den grössten Unterschied.
Die Route
Die war für mich fantastisch und es hat mir nur leid getan, dass ich tatsächlich nicht vom Schiff kam. Das absolute Highlight war die Bucht von Kotor, das Einlaufen, das Auslaufen, grossartig. Auch die viele Zeit auf See war schön, weil die Adria und das Ionische Meer total ruhig waren, nur auf den Kykladen war es etwas unruhiger, aber zu vernachlässigen. Ich würde die Route jederzeit wiederholen wollen.
Die Bars/das Entertainment/die Getränke
Wie bei MSC üblich, gab es in jeder Bar live Musik verschiedener Ausrichtung. Ein Solo Pianospieler, eine Band mit lateinamerikanischen Tänzen, eine andere Band mit live Musik und natürlich auch das Theater mit den üblichen Musikshows. Für so ein kleines Schiff war es absolut ausreichend.
Ich hatte ein Easy Paket und es war für mich ausreichend, zumal ich noch BGH von 50 Euro hatte. Allerdings würde ich bei einem entsprechenden Preis und einem grossen Schiff in Zukunft doch lieber das Premium Paket nehmen. Irgendwie kommt es mir so vor, als ob gerade die Cocktailliste im Easy Paket noch weiter verkürzt wurde. Also wenn man gern verschiedene Cocktails trinkt, dann sollte man sich das überlegen.
Der Service
Das ist für mich die grösste Schwäche dieses Schiffes gewesen: der Service in den Bars. Man konnte teilweise 20-30 Minuten dort sitzen, ohne einen Drink. Wenn es mal Kellner gab (die waren auf dieser Reise rar.....), sind die häufig an einem vorbeigegangen, ohne zu fragen ob man was möchte. Das hatte ich bei MSC noch nie!!! Ich hatte einige aktiv darauf angesprochen, die dümmste Antwort einer Kellnerin, Sie müssen mich halt rufen
.....dass ich sie mehrfach zu mir gewunken habe, hat sie ignoriert. Auch im Bereich zwischen Poolbereich und Buffetrestaurant, wo es eine Bar gab, kamen die Kellner nur alle Schaltjahre mal zu den sitzenden Gästen. Fast immer musste man an der Bar bestellen und dann sagen, wo man sitzt, damit sie die Getränke bringen. Wenn das die neue MSC Strategie sein soll, finde ich das unmöglich!
Die Abreise
Ähnlich wie bei der Anreise wurde man per Bus zur Stazione Maritima gefahren, nachdem man im Terminal seinen Koffer mitgenommen hat. Ab da konnte man individuell zum Auto, zum Flughafen oder wie ich, zum Bahnhof Mestre fahren (auch wieder für 35 Euro). Es war leider Samstag und dementsprechend voll am Bahnhof, ich war froh, als der Zug einfuhr. Diesmal ohne grosse Probleme den Waggon zu finden, in Mestre wird die Waggonposition per Bildschirm angezeigt, d.h. wo die Waggonnummer steht, ist auch der Waggon zu finden. Sehr gut.
Der Zug war nicht so voll wie auf der Hinreise, erst ab Bozen kamen mehr Gäste dazu. Das scheint eine populäre Verbindung Richtung Südtirol zu sein.
In Rosenheim war das Herbstfest, mein RE5 voller junger Menschen in Tracht, die meistens bis zum Chiemsee gefahren sind. Es war aber alles ok. Nach 12 Stunden Fahrt mit verschiedenen Verkehrsmitteln war ich dann abends nach 20h endlich daheim....
Fazit
Die "Angst" vor einem kleinen alten Schiff war umsonst, weil das Schiff trotz seines Alters noch sehr gut in Schuss ist. Es wird auch genug Unterhaltung tagsüber und abends angeboten, wenn man auf Spiele, Tänze u.ä. steht. Für eine Transatlantik würde ICH nicht auf eine Lirica gehen, da fand ich die Grandiosa gerade richtig, aber einwöchige Fahrten im Mittelmeer, gerne wieder. In der Hoffnung, dass der Service an Bord besser wird.....Lirica Klasse wird nicht mein Favorit werden, aber wieder damit fahren, wenn die Route passt, warum nicht.
Die Anreise mit der Bahn werde ich auch wieder beanspruchen, weil ich jetzt besser weiss, wie was funktioniert. Es war trotz aller Widrigkeiten, auch ein Erlebnis.