Die Fahrt nach Reykjavik war trotz der widrigen Abfahrt aus Akureyri recht ruhig. Wir haben uns über den halben Seetag gefreut, weil wir so die Erinnerungen vom Myvatn noch einmal haben sacken und die Seele baumeln lassen konnten.
Ich hatte im Vorfeld geschaut, wann wir die Halbinsel Snaefellsnes mit dem Gletschervulkan Snaefellsjökull passieren. Für uns ist das sowas wie ein Sehnsuchtsort gewesen; als wir im Mai 2019 in Reykjavik waren, haben wir etliche Male bei wunderbar klarem Wetter den majestetischen Gipfel in der Ferne jenseits der Faxafloi Bucht sehen können. Die Halbinsel mit dem Gletscher und auch dem isländischen "Zuckerhut" Kirkjufell sind immer noch auf unserer Bucket List; vielleicht ist das ja was für bina.63, die Chance für die Aurora ist dort im Januar bestimmt nicht schlecht!
Ich bin also dann gleich morgens gegen 7:30 Uhr aufgestanden und auf den Balkon gegangen, die Backbord-Seite haben wir unter anderem deshalb gebucht. Ich wurde nicht enttäuscht, gleich erhob sich der mächtige Berg, fast zum Anfassen. Leider war die Gletscherspitze in den Wolken gefangen, und dennoch war es mit etwas Abstand ein toller und emotionaler Anblick. Fantastisch waren auch die Lichtspiele am Berg durch die Sonnenstrahlen, die immer wieder durch die Wolken stachen und quasi immer neue Lichtverhältnisse geschaffen haben. Fast gar nicht auf Fotos zu erfassen, aber wunderschön, gerade in der Erinnerung.
Wir sind dann in die Faxafloi Bucht eingefahren mit direktem Kurs auf Reykjavik. Im Osten erhob sich eine markante Küstenlinie und die Wolken wurden immer lichter - perfektes Wetter für unser geliebtes Pooldeck mit den schönen Panoramascheiben. Zu unserem Erstaunen war dort echt wenig los, so konnten wir in vollen Zügen Schwimmen und Faulenzen genießen. Ach ja, und Cocktails. War schon cool, und das auf dem Weg nach Reykjavik. Langsam kam dann der Hausberg von Reykjavik, Mount Esja, in Sicht, der Lotse kam an Bord und wir wurden bei immer noch recht steifem Wind vom Schlepper in die Lücke vor der AIDA Luna bugsiert. Wir waren wieder in Reykjavik, eine in jeder Hinsicht coole Hauptstadt.
Was hatten wir geplant in Reykjavik? Wir wollten am ersten Tag etwas Neues erleben und am zweiten Tag nochmal intensiv Reykjavik erkunden - die Stadt nämlich kam beim letzten Mal zu kurz. Wir hatten für den ersten Tag den Langjökull mit der Gletscher-Höhle gebucht. Je näher aber die Reise kam, desto unsicherer wurden wir. Wollten wir soviel Geld ausgeben für eine Tour, in der wir solange im Bus sitzen, womöglich mit Maske? Thingvellir kannten wir schon, und wir hatten gelesen, dass der Bus auch nicht die direkte Strecke über die Hochlandpiste Kalidalur nimmt. Unsere Tochter gab uns den Rest, weil ewig Bus fahren dafür, dass wir bei Minusgraden eine Höhle unter der Erde besuchen, und dann noch so viel Geld - also wirklich mal. Nun gut.
Den Golden Circle kannten wir schon, den Süden Islands auch. Es gab viele spannende Ausflüge, aber wir haben uns letztlich an Bord dafür entschieden, die Blaue Lagune zu besuchen. Ganz entspannt und ganz warm, statt kalt. Und nur 45 Minuten Busfahrt.
Die Fahrt zur Lagune war toll, die Halbinsel Reykjanes beeindruckt mit den Lavaformationen direkt an der Straße und den Vulkanbergen im Hintergrund. Mit den aktuellen vulkanischen Aktivitäten und Erdbeben in der Region ist es noch spannender gewesen und unser Guide konnte uns lebhaft schildern, wie es sich mit den Erdbeben in der Region lebt und schläft (oder eben nicht), und eben auch genau erklären, wo die Erde gerade aktiv ist und wo dann auch der Vulkan ausbrechen sollte - dazu aber später mehr. Alleine für diese Fahrt und die Ausblicke währenddessen hatte sich der Ausflug schon gelohnt.
Die Lagune selbst - befriedigend. Wir mussten erstmal recht lange auf den Einlass warten, irgendwer hatte unsere Anmeldung verbockt und das musste dann schnell nachgeholt werden. Dann ging es in die Umkleiden und wir haben uns richtig beeilt - so sehr, dass ich eigentlich keine Bilder gemacht habe (außer 2-3 Bilder mit so vielen Leuten drauf, dass ich es hier nicht posten möchte). Ich reiche unten noch ein Bild nach, aber nun erstmal die Tonspur:
Es gibt zahlreiche Sammelumkleiden, getrennt nach Männlein und Weiblein. Die einzelnen Schränke werden topmodern über Armbänder und deren Codes elektronisch geschlossen und geöffnet; allerdings waren die Kinderarmbänder schon recht verbraucht, so dass wir sicherheitshalber nur meinen Schrank genutzt haben. Danach duscht man erstmal - nackt und mit Seife, da wurde viel Wert drauf gelegt! - und dann geht man rein. Nein, raus. Es wird kurz kalt. Sehr kalt. Im Wasser dann aber schnell warm. Und wenn man durch die Menschenmenge am Einstieg durch ist, verteilt sich das auch ganz gut.
Die Lagune selbst ist künstlich, da kennen wir bspw. die Gamla/Secret Lagoon, die uns in dieser Hinsicht besser gefiel. Meerwasser wird eingeleitet und durch geothermale Energie erwärmt. Allerdings ist es doch recht nett gemacht, verschiedene optisch abgetrennte aber verbundene Becken mit diesem herrlich türkisen Wasser, umlaufend Sitzgelegenheiten unter Wasser. Eine heiße Dusche, Silica-Masken inklusive (sollen 10 Jahre jünger machen, aber bitte nicht länger als 5 Minuten tragen!), dazu ein freies Getränk von der Poolbar - es wird schon ein Erlebnis geschaffen.
Wir haben versucht, die maximale Zeit auszunutzen. Der Kampf um die Dusche und die Bekleidung der richtigen Körperteile mit dem jeweils richtigen Kleidungsstück war dann schon schweißtreibend. Wir wollten eigentlich noch die blaue Lagune außerhalb der blauen Lagune ausgiebig durchwandern und fotografieren, aber es hat nur zu diesen Schnappschüssen gereicht:
Tag 2 folgt...