Ich denke das ganz liegt eher im emotionalen Bereich und was der Passagier erwartet.
Zunächst erwartet ein nicht unerheblicher Teil der Passagiere nicht unbedingt, dass ein Kapitän auch über gewisse Fähigkeiten eines Entertainers verfügt. Wenn man allerdings bei TUI Cruises als Kapitän arbeitet, muss man schon etwas von diesen Fähigkeiten mit bringen. Also z.B. "wie man Meldungen und Nachrichten" positiv verkauft. Das können manche Kapitäne eben gut und andere noch etwas besser.
Jeder der sich etwas mit Rhetorik beschäftigt weiß, dass man bei einer Ansage besser in den ersten 1,2 und 3 Minuten zwei oder drei Lacher und Schmunzler einbaut und schon hat man die Zuhörer auf seiner Seite, erzeugt Sympathie und erreicht das die Menschen zuhören. Man muss es spannend, interessant und mit etwas Witz vortragen und schon ist man bei den Passagieren positiv gelandet. Macht man allerdings schon in den ersten 2, 3, oder 4 Einstiegssätzen Fehler, redet monoton und langweilig, hat man schon verspielt. Bei der nächsten Ansage läuft man Gefahr, dass diverse Passagiere bereits weghören.
Man kann mit einfachsten rhetorischen Mitteln das Publikum schnell in seinen Bann ziehen und für sich gewinnen. Man kann es aber auch umgekehrt ganz schnell vergeigen. Zwei, drei falsche Bemerkungen, keine Ausstrahlung - ERLEDIGT. Die nächsten 8 Tage hört dann fast keiner mehr zu.
Begeisterung und Ablehnung liegen häufig ganz dicht beieinander.
Beispiel für einen guten Einstieg: TUI Cruises Kapitän Thomas Roth (Schweizer) tritt bei der Offiziers-Vorstellung im Theater auf die Bühne, ohne zunächst ein Wort zu sagen. Gleichzeitig kommt mit ihm eine Tänzerin auf die Bühne und beide tanzen kurze einen Walzer. Mit diesem Opening - ohne zunächst ein Wort zu sagen - hast Du schon bei 80% der Zuschauer im Theater einen dicken Bonus und ordentliche Sympathie-Werte erzielt. Das setzt natürlich voraus, dass Du als Kapitän auch als Tänzer eine gute Figur abgibst. Wäre es anders, würdest Du Dich gänzlich blamieren.
Also muss sich ein Kapitän der nicht Tanzen kann oder will, für sein Opening auf der Bühne einen anderen "Start" einfallen lassen.