Reisebericht "Dubai trifft Singapur" mit der MeinSchiff 6 vom 12.11.2019-27.11.2019

  • Guten Morgen, ich komme auch gerne mit. Der Anfang war schon spannend, lustig und informativ:thumbup: dazu noch die sehr professionellen Fotos... ich lese auf jeden Fall weiter.

    Die Route finde ich ebenfalls toll - leider aber nur Ich... mein Mann lehnt sie bisher total ab wegen Indien, da möchte er nicht hin. Vielleicht kann ich ihn, auch mit Hilfe deines Berichtes, ja weiter positiv beeinflussen;), so dass es ja doch mal in diese Richtung geht?

  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Zurück auf dem Schiff ging es dann mit aufgeregtem Grummeln im Magen Richtung Kabine. Immerhin – einer von vier Koffern stand bereits erwartungsvoll vor der Tür. Wir wagten einen ersten Blick… WOAHHH

    Was soll man sagen – es war perfekt. Zumindest die Bereiche, die uns wichtig waren. Reisespezifische Infos gab es gleich jede Menge – das war erkennbar eine andere Reise als Karibik oder Mittelamerika, wo man „einfach so“ als Passagier einreiste – hier galt es, die administrativen Aspekte im Auge zu behalten


    Kabinenfotos habe ich erst sehr viel später an einem der Seetage gemacht. Deshalb werde ich auf die Kabinendetails auch erst später eingehen.


    Die Kabine war also bezogen, die vorgefundenen Pralinen innerhalb von fünf Minuten vertilgt, der (nie benötigte) Hart-Alk aus der Minibar geräumt um Platz für zusätzliches Wasser zu signalisieren. Wobei – so richtig viel zu beziehen gab es da noch nicht. Drei von vier Koffern fehlten ja noch. Wir hatten für den Nachmittag geplant, zur Dubai-Marina zu fahren und die Fährschifffahrt von Dubai-Ferry um 17:00 Uhr (Marina=> Palm => Hotel Atlantis => gleicher Weg zurück) zu nehmen. Da die Koffer um 16 Uhr noch nicht aufgetaucht waren, nahmen wir unseren Weg zum Ausgang über die Rezeption. Ja wurde uns dort beschieden, das könne gut sein. Man solle sich erst Sorgen machen, wenn die Koffer (die wir ja morgens vor dem Schiff an der uns zugewiesenen Stelle abgestellt hatten) am nächsten Tag, besser am Abend des nächsten Tages noch nicht da seine. Liebe Leute von der Rezeption: mit drei Stunden Schlaf im Kreuz ist das die falsche Antwort. Selbst wenn es aus Eurer Sicht die richtige ist. Um es kurz zu machen: als wir abends gegen 20 Uhr von dem Ausflug in die Stadt wieder zurückkehrten, standen alle drei fehlenden Koffer vor der Kabine. Aber wir waren ja noch am Nachmittag. Wir wollten an der von Dubai-Ferry angebotenen Tour/Linie FR4 „Sightseeing circular trip to Atlantis and back“ (Dauer ca. 1 Stunde, Kosten pro Person 50AED/ca 13€) teilnehmen. Tickets dafür sollten direkt am Ableger gekauft werden. Mit unseren Tagestickets für die Metro mussten wir also ein Taxi für die kurze Strecke zwischen Schiff und Metro-Station Al Ghubaiba nehmen. Taxen stehen vor dem Terminal reichlich. Wir steigen also in eines der zahlreichen Taxen ein. Gebannter Blick auf’s Taximeter: läuft die Zähluhr? Nein. „Could you please turn on taxameter?“ „asf asdfjlkj asf50Dirhamasdfjkj“, „???“, „asdf 50 dirham“ , “Turn on the taxameter please or we’ll leave”. Jooo, hat funktioniert. Es steht ja auch an jedem Seitenfenster, dass die Fahrt kostenlos ist, wenn das Ding nicht läuft. Aber wir erfuhren später auch von anderen, dass die Taxifahrer gerne mal deutlich überhöhte Festpreise (in unserem Fall gesagte 50 Dirham) für Fahrten ab Schiffsterminal ausriefen. Unser Eindruck war, dass es versucht wird, dass aber angesichts der eindeutigen Regelung und angesichts der vermutlich vorhandenen Sanktionsmöglichkeiten bei Protest schnell eingelenkt wird.

    Mit der Metro ging es dann Richtung Dubai Marina. Die Fahrt verlief vollkommen entspannt. Sauberkeit, Übersichtlichkeit, Anwendung der red nolcard – das war alles perfekt und wirklich idiotensicher. Man musste ein wenig aufpassen, nicht aus Versehen in die nur Frauen vorbehaltenen Frauen-Wagons einzusteigen. Passierte das, konnte man aber problemlos von einem zum nächsten Wagon wechseln, das war alles offen. Und männliche Touristen genossen da – so war mein Eindruck – einen gewissen Welpenschutz. Ihnen wurde nachgesehen, wenn das mal kurzzeitig schief ging. Die Fahrt verlief also vollkommen problemlos – wenn wir uns nur nicht mit der Zeit ziemlich verschätzt hätten. Hinzu kam, dass Dubai-Ferry in der Marina zwei Haltestellen hat, die von uns gewollte Tour aber nur von einer abfährt. Wir waren an der falschen und hätten die richtige nicht mehr geschafft. Ich hatte schön die Schautafel von Dubai-Ferry abfotografiert, um Euch die verschiedenen Ablegepunkte zu zeigen – meine jetzt aber die Forenregeln so verstanden zu haben, dass ich das Foto nicht zeigen darf. Daher also die Geo-Daten für den richtigen Fährableger (in google-map eingeben, dann sieht man den genauen Standort)

    25.0750742 55.138071


    Mit der Metro zur Dubai-Marina:

    Mit der metro von „Al Ghubaiba“ bis entweder zur Station 36 „Damac Properties“ oder 37 „DMCC“. Dazu muss man einmal an der Station „Burjuman“ von der grünen in die rote Linie umsteigen. Von beiden Stationen (Dumac Properties oder DMCC) kann man die Marina zu Fuß erreichen. Möchte man noch näher an die Abfahrtsstation von Dubai-Ferry kommen, wechselt man an einer der beiden metro-Stationen in die Tram (Deutliche Ausschilderung in den Metro-Stationen) und fährt von dort bis zur Station 04 „Dubai Marina Mall“. Die Tram ist eine Ringlinie, man kommt also immer an. Wichtig: ein- und auschecken (nol-card) bei der Tram nicht vergessen.

    Aber zurück: da standen wir also 15 Minuten zu spät am Fährableger. Unser Plan war nicht ganz aufgegangen. Ein Problem war das nicht. Die entspannte Atmosphäre der Dubai Marina, die wunderschöne Promenade, die flanierenden Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit (Mütter auf Inlinern mit Kinderwagen in den heißesten Hot-Pants, die ich je gesehen habe und ganz traditionelle Pärchen, Expats, die die Kühle des Abends genossen, junge Einheimische, die in dezenter Flirtlaune waren, Familien in Feierabendstimmung jeder genoss auf seine Art die Atmosphäre) – wir haben diese tolle Stimmung sehr genossen und uns dann letztlich einfach treiben lassen. Entstanden sind dabei die folgenden Bilder.






    Der gutaussehende Mann, den Ihr schon jetzt immer mal wieder in den Fotos gesehen habt, ist mein Mann. Den werdet Ihr noch auf einigen Fotos mehr mit im Bild haben... :-)... meine Kamera auf fremde Menschen zu halten, fällt mir unfassbar schwer...



    Als es dann vollkommen finster war, machten wir uns auf den Rückweg. Die Rückfahrt mit der metro verlief genauso unspektakulär einfach wie die Hinfahrt. Es war allerdings mächtig voll. Man stand in den Wagons doch recht eng beeinander und von Station zu Station wurde es voller (bis zu dem Punkt, dass nicht alle Fahrwilligen auch einsteigen konnten). Ich habe mich als Frau allerdings zu keiner Zeit unwohl gefühlt. Auch weil mehrere andere Frauen (z.T. auch alleinfahrend) in den „gemischten“ Wagons fuhren. Im Gegenteil, man reagierte so hilfsbereit und freundlich in diesem Gedränge auf uns, dass wir beide das ein oder andere Vorurteil in unseren Köpfen ad acta legen mussten. Als etwas problematisch erwies es sich dann, von der Station „Al Ghubaiba“ ein Taxi zum Schiff zu bekommen – es war mittlerweile stockfinster, dickste Rush-Hour und alle Taxen, die wir morgens noch vor der Station gesehen hatten, schienen unterwegs zu sein. Hilfe nahte dann in Form eines Päarchens (ebenfalls Mein Schiff Passagiere), die uns ansprachen und zu berichten wussten, dass man vom gegenüberliegenden Einkaufszentrum deutlich besser mit dem Taxi weg kommt als von der Taxi-Spur der metro-Station. Wir teilten uns dann zu viert das ohnehin schon günstige Taxi. Hier die Koordinaten für den optimalen Taxi-Abfahrtspunkt nach einer metro-Fahrt 25.263933 55.281184. Abends dann ein unspektakuläres und schnelles Abendessen in der X-Lounge und anschließend einen „Begrüßungssekt“ auf unserem Balkon mit Fotoselfie für die Kinder (das hinter uns ist/war die MS5). Danach lagen wir zeitig im Bett und fielen in einen komatösen Schlaf.

  • Dagl67 Die Konstellation war bei uns ganz ähnlich. Wobei uns Mumbai begeistert hat (die Tour war allerdings auch toll und wir waren schon mehrfach auf eigene Faust in Süd-Ost-Asien). Mein Mann hat letztlich mit dem Hintergedanken "Wenn's doof ist, habe ich es am Ende des Tages geschafft, wenn es gut ist, könnte das ein Appetizer für zukünftige Reisen sein" zugestimmt. Der Tag in Mumbai war extrem anstrengend, aber er hat die - na - Beklemmung vor der Stadt genommen.

    Ich drücke die Daumen - für uns war diese Tour mit seiner ausgewogenen Mischung aus anstrengenden/eindrucksvollen/unvergesslichen/besonderen Entdeckungen und der Rückkzugsmöglichkeit (die vielen Seetage...) perfekt.

    LG, Ulli

  • Unsere Erkundungen am nächsten Tag begannen wieder mit dem Shuttle-Service von BigBis vom Schiff zur Dubai Mall. Wieder wählten wir die red Line. Unser Ziel diesmal: das Dubai-Museum. Die dazugehörigen Tickets waren im Preis des BigBus-Tickets enthalten – man musste lediglich beim entsprechenden Ausstieg um das Museumsticket beim Bus-Mitarbeiter bitten.



    Das wurde aber extra angekündigt, etwas falsch machen konnte man da also nicht. Das Museum bietet denjenigen, die verstehen wollen, wie aus einem Dorf, das von seinen Perlentauchern lebte, das heutige Dubai wurde viel Anschauungsmaterial. Uns zumindest hat es sehr gut gefallen, sehr anschaulich gestaltet, gerade so viel Information, dass man nicht überfrachtet wurde, viel Kopfkino. Anschließend hatten wir uns das sehr schön restaurierte alte Viertel „Al Fahidi“ ins Auge gefasst. Vom Dubai Museum konnte man sehr gut zu Fuß dorthin gehen. Unser Startpunkt ins Viertel war hier 25.263601 55.300389 (Koordinaten in googlemaps eingeben).



    [



    Das Viertel hat uns extrem gut gefallen: kleine Geschäfte, Cafes und Galerien, dazu die schmalen Gassen, wieder Windtürme und alles sehr schön restauriert. Keine Frage: auch hier wurde touristisch „aufgehübscht“. Aber das war so gelungen, dass man sich zumindest der Illusion hingeben konnte, es sei noch ein Rest an Authentizität vorhanden.



    Weiter ging es: wir wären gerne mit einer der Abras über den Creek auf die andere Seite gefahren. Dazu fehlten uns aber leider die passenden Münzen (je 1AED). Deshalb haben wir erneut den BigBus genommen und sind die rote Route über die andere Seite des Creek bis zur Dubai Mall gefahren.



    Unter anderem konnten wir auf dieser Teilstrecke einen kurzen Blick auf die Mein Schiff erhaschen…

    Hier auf der anderen Seite gab es viel Bautätigkeit, weitere Einkaufsmalls und die Sicht auf den Creek von der anderen Seite.





    Es war jetzt sengend heiß und wir saßen gewissermaßen auf der Sonnenterrasse des Big Bus – das wurde dann doch etwas ungemütlich. Diesen zweiten Teil der roten Route hätten wir uns im Nachhinein vermutlich sparen können. Aber so kamen wir zumindest zurück zur Dubai Mall. Jetzt war uns nach Klimaanlage der Sinn. Also rein in die Mall. Kurzes Aufladen der „Batterien“ in Form von Kaffee und Kuchen bei Starbucks.



    Ungläubiges Betrachten der riesigen Glasfront zum Aquarium. Reingegangen sind wir nicht, die Glasfront war eindrucksvoll genug.



    Wir haben uns dann ein wenig heruntergekühlt, bevor es weiter ging. Es gibt eine Metrostation „Dubai Mall“. Wir wähnten uns – waren wir doch IN der Dubai Mall – daher unmittelbar an der MetroStation und planten, gleich weiter zur Dubai Marina zu fahren. Was wir bis dahin nicht wussten: um zu dieser Station zu kommen, muss schon etwas Strecke gemacht werden. In Dubai wird aber die Fortbewegung zu Fuß, noch dazu im Freien, wo immer möglich vermieden. Wir sind also gefühlt eine viertel Stunde lang durch bestens ausgeschilderte, klimatisierte Röhren mit Laufbändern gegangen, bis wir dann tatsächlich bei der Metro-Station Dubai Mall waren. Von hier ging es Richtung Dubai Marina. Schließlich wollten wir vor Ablegen des Schiffs noch zu unserer Fährfahrt kommen. Waren wir gestern zu spät vor Ort, hatten wir diesmal reichlich verfügbare Zeit, die wir – die Stimmung genießend – auf der Bank unmittelbar am Ableger verbrachten.



    Die Tickets für die Linie FR3 (Sightseeing circular trip to Atlantis and back) kosteten 50 AED, also etwa 13 Euro pp. Pünktlich um 17 Uhr begann das Boarding. Während der Abfahrt mussten alle Passagiere (Auslastung geschätzt 40%) im Innenraum sitzen. Ein Mitarbeiter erklärte mir auf Nachfrage, dass der Außenbereich kurz nach dem Start freigegeben werden. Mein Mann und ich setzten uns also strategisch günstig ganz nach hinten an die Tür zum Außenbereich. Das war auch gut so: keine Minute nach dem Ablegen fragte weiter vorne offenbar Passagiere, ob das Außendeck jetzt freigegeben sei. Das war das Signal für praktisch das gesamte Boot, nach draußen zu stürmen. Ich konnte mir jetzt ohne Eile ein nettes Plätzchen zum Knipsen sichern. Eine Stunde dauerte die Fahrt: es ging durch den südlichen Ausgang der Marina aufs offene Meer.







    Die gesamte „Palm“ wurde bis zum Hotel Atlantis abgefahren. Dort am Hotel wurde dann umgekehrt und der gleiche Weg wieder zurückgenommen. Die Sicht auf die Skyline war schon bemerkenswert. Das ganze dazu noch zum Sonnenuntergang – ein wunderschönes Erlebnis. Zurück sind wir dann recht zügig mit Tram und Metro gefahren, sollte sich doch die Mein Schiff 6 abends zum ersten Mal Richtung Oman in Bewegung setzen. Wie am Tag zuvor eine ziemlich volle Metro aber ein vollkommen unproblematisches Fortkommen. Diesmal wussten wir auch von vorneherein, wo das Taxi für die Rückfahrt zum Hafen zu finden war. Für diejenigen, die es gestern nicht mitbekommen haben die Koordinaten: 25,263778 55,287837 (google maps). Nach einem stärkenden Abendessen haben wir dann auch ein wenig das Schiff erkunden und von der Aussichtsplattform über der Arena (dort fand gerade ein Tanzkurs statt) die Aussicht auf die Stadt genossen.




    Um 21:15 Uhr galt es noch die Seenotrettungsübung zu absolvieren, bevor sich dann die Mein Schiff gegen 22 Uhr zum ersten Mal in Bewegung setzte. Wir feierten nach diesen zwei Tagen, an denen wir mehr oder minder durchgängig unterwegs gewesen waren, die Ausfahrt mit einem Gläschen Sekt auf dem Balkon. Der Start dieser wundervollen Reise war vielversprechend gewesen – Dubai und vor allem seine Bewohner hatten uns positiv überrascht und unsere Vorfreude auf alles, was da noch kommen mochte, stieg…


  • Der Oman stand als nächstes auf dem Programm. Gleich zwei Ziele sollten hier angelaufen werden: Khasab im Norden und Muscat in der Mitte. In Muscat sollte unser Programm zum ersten Mal auf dieser Reise „in die Vollen“ gehen. Deshalb hatten wir uns hier – auch angesichts der zwei doch intensiven vorherigen Tage – für Programm mit gebremsten Schaum entschieden. Wir wollten eine halbtägige Dhautour in die Fjorde machen. Gebucht hatten wir nichts. Die Schilderungen hier im Forum ließen hoffen, auch ohne vorherige Buchung etwas Passendes zu finden.


    Etwa gegen 9 Uhr verließen wir das Schiff. Vorbei an einem Sicherheitsbeamten, der uns mit unwilliger Miene bedeutete, dass er jetzt ganz sicher nicht den Rucksack, den wir ihm in vorauseilendem Gehorsam Richtung Durchleuchtungsgerät schoben, überprüfen werde und dass wir überhaupt gut daran täten, ihn einfach zu ignorieren. Taten wir dann auch. In dem „Cruiseterminal“ saßen ein paar Damen in Schwarz als Vorhut, die offenbar Dhautouren an den Mann / an die Frau bringen wollten. Aus dem Forum wusste ich: draußen wird’s günstiger. Vor dem Eingang des Gebäudes warteten dann auch tatsächlich geschätzt ein Dutzend Vertreter diverser touristischer Unternehmen mit Prospekten und Flyern in der Hand. Die „Anbahnung“ zwischen Kunde und Verkäufer verlief weit weniger offensiv, als wir das erwartet hatten: man musste schon den Blick auf „suchend“ setzen. „You want Dhautour?“ sprach uns dann einer der Vertreter der touristischen Zunft an. Tja, ja, wollten wir. Aber kann ich am Aussehen des Herrn abschätzen, ob die mit ihm verbundene Tour ein Erfolg oder Misserfolg wird? Also zögerliches Erkennbarmachen unseres Begehrs: eine Halbtagestour auf der Dhau, möglichst jetzt gleich, sofort, auf der Stelle. „No problem. 30 dollar each person“. Das war im Rahmen dessen, was wir erwartet hatten. Ich bat um ein Foto des Schiffs, wusste ich doch, dass man mit dem Auto zum eigentlichen Ableger der Dhaus gefahren wird und wir gerne vorher sichergehen wollten, nicht die Katze im Sack zu kaufen. Das Schiff war ohne Oberdeck. „We would prefer a ship with an upper-deck“. Aaahhh, und da war sie wieder. Diese geschäftliche Geschmeidigkeit, die hier alles so einfach macht. Offenbar wurde gedanklich kurzerhand das eigene Schiff aufgegeben. Dafür wandte er sich an einen neben ihm stehenden Kollegen. Der hatte wohl den Doppeldecker. Die beiden verhandelten kurz (vermutlich die Provision, die als Folge dieses kleinen Zwischenhandels fällig war) und dann wurde uns erklärt, man habe nunmehr das perfekte Schiff. Doppeldecker. Wie gesagt, 30 Dollar pro Person. Ich insistierte, erst ein Foto sehen zu wollen. Das wurde keineswegs übel genommen: Handys wurden gezückt, es wurde gesucht und es wurde mir ein Doppeldecker gezeigt (dass mich jetzt bitte niemand fragt, woher ich denn wisse, dass DAS auch „unser“ Schiff gewesen sei…). Der Deal stand – 60 Dollar wechselten den Besitzer, wir erhielten eine Quittung, die dann aber niemanden mehr interessierte. 30 Sekunden später waren wir auf dem Weg zu einem Kleinbus, der uns innerhalb von geschätzt 5 Minuten zum eigentlich Ableger der Dhaus brachte.


    Dort war sie dann: unsere Dhau. So, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Mit einem unteren Deck und einem wunderbar luftigen Oberdeck. Das Oberdeck ausgestattet mit Teppichen und wunderbar bequemen Sitzkissen. Mit gleichermaßen schattigen wie sonnigen Bereichen. Ein jüngeres australisches Pärchen war schon an Bord, mit uns war noch ein weiteres Paar von der Mein Schiff gekommen. Da das Boot sehr groß war und (beide Decks eingerechnet) problemlos 30, wenn nicht noch mehr Passagiere aufgenommen hätte, nahmen wir an, jetzt noch auf weitere Passagiere warten zu müssen. Weit gefehlt. Es ging los. Mit sechs zahlenden Gästen auf dem Oberdeck und (wenn ich richtig gezählt habe) drei Crewmitgliedern.

    Diese Tour war „Zen“, Entspannung pur. Ideale Temperaturen, ein angenehmer Wind, die bequemen Kissen. Passte alles.


    Die Boots-Crew war extrem aufmerksam und freundlich. Wir bekamen immer wieder gekühlte Getränke (in ungeöffneten Dosen und Flaschen), Obst (ungeschält) oder Kaffee angeboten. Auch wurde regelmäßig angeboten, Fotos mit den mitgebrachten Kameras zu machen (damit endlich mal Mann und Weib auf einem Foto sind).






    Wir waren felsenfest davon überzeugt, dass die Stories mit den „Delfinen“ reine Verkaufsübertreibungen waren. Weit gefehlt: etwa auf halben Wege vor unserem Umkehrpunkt stießen wir auf mehrere Delfinfamilien (die dann auch die Aufmerksamkeit anderer Boote anzogen).





    Die Crew versuchte, diese mit Pfeifrufen heranzulocken. Das gelang nicht immer. Aber Delfine gesehen haben wir auf dieser Tour mehrfach (wobei die aus unserer Sicht gar nicht mal das Highlight der Tour waren). Weiter ging es durch die wunderschönen Fjorde. Wir waren begeistert von der kargen aber eindrucksvollen Landschaft – wer den einsamen Süden von Fuerteventura mag, mag auch das hier.



    An der sogenannten Telegrafen-Insel wurde geankert. Auf dieser Insel wurde 1864 eine „Repeaterstation“ errichtet. Mitte des 19. Jhd. war mehrfach der Versuch unternommen worden, ein Kabel zwischen London und Karachi zu legen. Das über die lange Strecke abnehmende Signal musste mithilfe jener Repeater-Stationen verstärkt werden. Nachgelesen werden können diese und weitere sehr interessanten Umstände im englischen Wikipedia-Artikel über die Insel (der deutsche Artikel ist vollkommen unergiebig).



    (dieses Boot ankerte ebenfalls an der Insel und war baugleich oder bauähnlich zu unserem Boot)


    Wir ankerten also. Uns wurde angeboten, Schnorcheln zu gehen oder zur Insel zu schwimmen. Eigentlich erwarteten wir nicht viel, aber warum nicht mal ins Wasser hüpfen. Ooaahh, das war so toll! Ich hab’s ja gerne warm – gnä' Frau ist da ein wenig weicheirig veranlagt. Oder zumindest nicht kalt. Das Wasser war „auf den Punkt temperiert“. Herrlich! Wir sind dann erst zur Insel geschwommen. Zwei Umstände haben uns allerdings dort schnell wieder kehrt machen lassen: ohne Badeschuhe tat’s fies weh, wenn man die (in die Insel gemeißelten) Treppen hinaufsteigen wollte und zusätzlich wehte da doch ein ziemlich auskühlender Wind. Also zurück ins Wasser. Diesmal mit (von der Crew verteilten) Taucherbrille und Flossen. DAS war ein Erlebnis! Vielleicht nicht die Malediven, aber die zahlreichen bunten (vor allem gelb-blau-gestreiften) Fische zu beobachten, war schon toll. Denjenigen, die jetzt sagen „Lohnt nicht, ich bin kurzsichtig“ sei gesagt: ich biete auf beiden Augen knapp -6,00. Aber vermutlich bedingt durch die Lichtbrechung im Wasser konnte man unter Wasser auch ohne Korrekturbrille richtig gut sehen – lasst Euch den Spaß also nicht entgehen. Kleiner Tipp: umziehen ist auf dem Schiff eher problematisch. Badezeug also am besten schon vorher anziehen. Nach geschätzt einer halben Stunde brachen wir dann wieder auf und zuckelten mit der Dhau gemächlich zurück zum Hafen. Abgesetzt wurden wir diesmal direkt an der Mein Schiff 6.


    Unser Boot, nachdem es uns direkt neben der MeinSchiff abgesetzt hatte.


    Gedauert hat das etwa 3,5 Stunden. Zurück am Schiff haben wir uns einen ganz faulen Nachmittag gemacht: Madam mit dem kindl auf dem Balkon, der Gemahl beim Sport.

    Zum späten Nachmittag sind wir dann noch einmal zum örtlichen Strand gelaufen und haben einen kleinen Spaziergang gemacht.





    Auch dort eine nette Atmosphäre: picknickende einheimische Familien mit ihren Autos, weitere Spaziergänger und sogar einige freistehende Wohnmobile aus Dubai waren dort. Auslaufen war schon um 17 Uhr (kurz nach Sonnenuntergang). Wir haben dieses Spektakel wieder von unserem Balkon aus genossen.



    Nach einem ruhigen Abendessen in der X-Lounge sind wir zeitig ins Bett gegangen: für den nächsten Tag mussten wir fit sein, da stand zum ersten Mal „Abenteuer“ auf dem Programm …




    Kleines Stillleben – Wartebereich vor Mein Schiff



    Hier die Geodaten einiger Punkte. Die Daten (mit Punkt, nicht mit Komma - ich muss da noch die Berichte der letzten Tage ändern) in das Suchfeld von google eingeben und man erhält den jeweiligen Standort.


    Liegestelle Khasab 26.207197 56.245265

    Standort der diversen Reiseanbieter mit ihren Flyern 26.207893 56.244218

    Abfahrtspunkt der Dhau (Transfer mit dem Auto dorthin) 26.206806 56.253744

    Telegraph Island 26.195894 56.343312

    Spaziergang am öffentlichen Strand 26.211982 56.238579

  • ulli_titr ,

    ich habe mir jetzt auch noch schnell auf Eurer schönen großen Veranda ein Mitreiseplätzchen reserviert, genieße die wirklich wundervollen Fotos und Deinen Bericht, der schöne Erinnerungen an Dubai weckt und die Vorfreude auf 2021, wenn's wieder hingeht (auch zur Expo). Die weiteren Ziele Eurer Reise kenne ich noch nicht und bin schon sehr gespannt.


    VG Verena

  • ulli_titr , bin euch kurzerhand noch nachgeschwommen und freue mich auf den weiteren Bericht.

  • Traumhafte Fotos, ich bin gerne weiter dabei:love: